LVM: Auch im Pandemie-Jahr gute Geschäfte
Veröffentlicht: Dienstag, 27.04.2021 12:29
Trotz Corona war das Jahr 2020 für die LVM Versicherung ein gutes Geschäftsjahr. Vorstandschef Kleuker stellte die Ergebnisse am Dienstagvormittag in einer digitalen Konferenz vor.

In allen Versicherungs-Sparten gab es zum Teil deutlich höhere Wachstumsraten als im Gesamtmarkt. Die Versicherungsbeiträge von Kunden stiegen im Vergleich zum Vorjahr um knapp vier Prozent an. Die Summe aller eingegangenen Beiträge liegt nun bei 3,9 Milliarden Euro. Der LVM-Konzern weist für das Jahr 2020 einen Reingewinn von 140 Millionen Euro (Vorjahr: 209 Mio.) aus.
Ein Grund für das gute Geschäftsjahr trotz Coronakrise ist die hohe Zahl von Neukunden bei den digitalen Angeboten. Seit März 2020 seien monatlich mehr als 30.000 neue Kunden dazu gekommen, die ihre Versicherung per Homepage oder App abschließen wollten, so Vorstandschef Kleuker. Insgesamt seien von den 3,7 Millionen Kundinnen und Kunden der LVM 620.000 Menschen auf den digitalen Plattformen registriert.
Fortgeschrittene Digitalisierung hilft durch die Krise
Auch sonst könne man mit der Bilanz des Corona-Jahres sehr zufrieden sein, sagte Vorstandschef Mathias Kleuker. Grund dafür sei auch ein umfassendes Krisenmanagement und die weit fortgeschrittene Digitalisierung im Unternehmen. Aktuell arbeiteten noch immer 80 Prozent der Belegschaft im Homeoffice. Insgesamt habe es bisher nur 37 Coronafälle unter den 4.000 Mitarbeitenden gegeben – aber keine einzige Ansteckungen auf dem LVM-Campus selbst. Nach Urlauben etwa habe es ein klar geregeltes Quarantäne-Konzept gegeben, so Kleuker. Unter anderem für solche Konzepte war die LVM Anfang des Jahres im Focus-Ranking der 1.000 besten Arbeitgeber in Deutschland auf Platz drei gewählt worden, im Ranking der Versicherungsunternehmen sogar auf den ersten Platz.
Große Feier zum 125-jährigen Jubiläum wird verschoben
Die LVM-Versicherung feiert in diesem Jahr auch ihr 125-jähriges Unternehmens-Jubiläum. Die geplante große Feier für alle Beschäftigten sollte eigentlich am 8. Oktober steigen. Sie sei wegen der unklaren Corona-Lage aber nun abgesagt und auf das kommende Jahr verschoben worden, sagte Vorstandschef Kleuker.
Vor 125 Jahren - am 6. Oktober 1896 - hatten Landwirte aus der damaligen Provinz Westfalen den Grundstein für die heutige LVM gelegt. Sie gründeten damals den "Versicherungs-Verein gegen Haftpflicht für Landwirthe". Auch ANTENNE MÜNSTER feiert mit und schenkt den Münsteraner:innen zusammen mit der LVM bei der Aktion "Hallo Glücksbringer" jeden Mittwoch eine Münstergutschein im Wert von 125 Euro.
125 Jahre LVM - Die Geschichte
Unfälle kamen in der Landwirtschaft häufiger vor. Wenn Pferde scheuten oder Rinder austraten, waren die Folgen in der Regel noch glimpflich. Am Ende des 19. Jahrhunderts stieg aber auch die Zahl schwerer Unfälle: Die Betriebe setzten vermehrt Mäh- und Dreschmaschinen ein, sie nutzten Dampfpflüge und andere mit Dampf betriebene Maschinen. Viele Arbeitskräfte waren damit nicht vertraut und verletzten sich. Die Landwirte beschlossen also, einen Versicherungsverein zu gründen. So konnten sie die Beiträge selbst festlegen und bestimmen, nur Landwirte als Mitglieder aufzunehmen, die dem Bauernverein angehörten. Ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit war ein bewährtes Modell, um Schutz für einen festgelegten Personenkreis in einem überschaubaren Gebiet zu leisten. Das nutzten auch die Gründer in Münster: Sie konnten die Risiken auf den Betrieben der Umgebung gut einschätzen und ihren Mitgliedern günstige Konditionen bieten.
Innerhalb weniger Monate traten 3.000 Landwirte dem neu gegründeten Verein bei. Dem Versicherungsverein fehlte nur noch die Genehmigung der Aufsichtsbehörden in Berlin – Westfalen war eine preußische Provinz. Kurz drohte das Vorhaben am ausreichenden finanziellen Polster zu scheitern. Als die eigenen Mittel nicht reichten, übernahm der Provinzialverband – ein Vorläufer des heutigen Landschaftsverbands – eine Bürgschaft. Der Versicherungsverein brauchte sie jedoch nie, schon wenige Jahre nach der Gründung hatte er mehrere tausend Mitglieder und eine solide Reserve.
Den Vertrieb übernahmen sogenannte Vertrauensmänner, zumeist Landwirte, die in der Nachbarschaft und in ihren Dörfern für den Verein warben. Sie kassierten die Beiträge und betreuten die Mitglieder bei der Regulierung von Schäden. Sie genossen vor Ort Vertrauen – eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Bis zum Ersten Weltkrieg 1914 hatte der Verein mehr als 20.000 Mitglieder.
Wie sehr der Versicherungsverein sich auf die Landwirte einstellte, bewies er 1923 mit der sogenannten Roggenwährung. Als das Geld in der Inflation rasant an Wert verlor, bezahlten Landwirte ihre Beiträge mit Säcken voller Roggen. Diese Ersatzwährung bewährte sich in der Krise und sorgte mit dafür, dass der Versicherungsverein sich in den 1920er-Jahren etablierte. Die Zahl der Mitglieder stieg weiter, in der Geschäftsstelle in einer Villa in der Südstraße in Münster waren schon rund 30 Mitarbeiter beschäftigt. Selbstbewusst warb man in Zeitungen, es gebe für westfälische Landwirte nur eine Haftpflichtversicherung: die des Versicherungsvereins.
Nach den Kriegsjahren (1939 - 1945) wuchs der Verein vor allem in den Jahren des „Wirtschaftswunders“ enorm. Er versicherte nicht nur Autos und Motorräder der westfälischen Landwirte, sondern vor allem Schlepper. Die Landwirtschaft veränderte sich durch die Motorisierung grundlegend: Zwischen 1950 und 1965 wurden in Westdeutschland rund 800.000 Schlepper angeschafft, gleichzeitig wanderten viele Arbeitskräfte in die Industrie ab. Der „Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster“ trat inzwischen als LVM auf und beschloss 1965, sich zu öffnen. Nach und nach kamen neue Regionen hinzu, der Kreis der versicherbaren Personen erweiterte sich stetig und die Zahl der Produkte aus dem Hause LVM wuchs.
Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung 1990 kaufte die LVM-Versicherung zig Wohnwagen und stellte sie an vielen Orten im Osten auf, um direkt vor Ort Versicherungen abzuschließen. Eine Grundlage für den Erfolg der LVM auch in den ostdeutschen Ländern.
Seit 2010 - und damit viel früher als in anderen Versicherungsunternehmen - gibt es ein Online-Angebot. Inzwischen, so Vorstandschef Mathias Kleuker, arbeiteten rund 650 Kolleginnen und Kollegen im IT-Bereich der LVM. Die LVM sei also auch "ein großes Software-Unternehmen", sagt Kleuker