April, April – Münster bekommt keine U-Bahn

An das tägliche Verkehrschaos in der Stadt haben sich viele Münsteraner schon fast gewöhnt. Die Stadt arbeitet zwar an Lösungen gegen den drohenden Verkehrsinfarkt, unser Lösungsvorschlag einer U-Bahn vom Hafen nach Gievenbeck war allerdings nur ein Aprilscherz.

© ANTENNE MÜNSTER

Dass Münster verkehrstechnisch überlastet ist und einem Verkehrskollaps immer näher kommt, stimmt aber trotzdem. Die Mitte-West-Achse wird täglich von tausenden Autofahrern, Radfahrern und Bussen des ÖPNVs auf dem Weg zur Arbeit, Schule oder Uni genutzt. Gerade der ÖPNV zwischen dem Hauptbahnhof und dem Coesfelder Kreuz ist ausgelastet. Ganze sieben Stadtbuslinien verbinden jetzt schon Hauptbahnhof und Coesfelder Kreuz. Die Fahrtzeiten sind dabei für die kurze Strecke recht unattraktiv. Außerdem gibt es auch keine Bahnstrecken, die dort genutzt werden könnten - anders als bei anderen Verbindungen in Münster (z.B. Hiltrup-Hauptbahnhof, Sprakel-Hauptbahnhof).

Realisierbare Pläne

Oberbürgermeister Markus Lewe findet, dass dringend eine Lösung für das Verkehrsproblem gefunden werden muss. „Das Stückchen Wahrheit“ hinter dem Aprilscherz ist, dass Münsteraner und Pendler für den ÖPNV begeistert werden sollen, damit der Verkehr auf den Straßen entschlackt wird, stellte Lewe im ANTENNE MÜNSTER-Interview klar.

„Die entscheidende Frage ist: Wie gehen wir mit dem knappen Straßenraum um und wie verteilen wir den? Die Bahnstrecken müssen aktiviert werden, da sind wir ja dabei und bei den Bussen müssen einfach mehr Räume geschaffen werden für Busse.“

Grünen-Ratsfraktionschef Otto Reiners zieht einer teuren U-Bahn einen Tram-Bus vor, der sich flexibler im Stadtgebiet bewegen könne. Außerdem möchte er den Fahrradverkehr beschleunigen und das Busangebot durch neue Busspuren ausbauen. Dadurch sollen mehr Autofahrer auf den ÖPNV umsteigen.

Stadtwerke-Chef Stefan Grützmacher ist von der Idee einer U-Bahn ebenfalls nicht überzeugt:

„Die Stadt ist mit über 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern für eine U-Bahn doch zu klein. Das System würden wir wohl nicht ausgelastet bekommen und die Kosten würden vermutlich im Milliardenbereich sein. Das kriegen wir nicht finanziert.“

Grützmacher hält ein On-Demand-Bus-System für umsetzbar. Der Pilotversuch solle schon im kommenden Jahr starten. Kleine Shuttle-Busse sollen dann die Passagiere an große Bus-Stationen bringen. Von dort aus sollen sie mit Metro-Bussen ins Stadtzentrum fahren können.

CDU-Ratsfraktionschef Stefan Weber möchte Münsters Zugverkehr ausbauen.

„Wir wollen eine Münsterland-S-Bahn mit vielen Haltestellen in Münster. Das ist realistisch und passt auch in die Zukunft unserer Infrastruktur.“

Verkehrsplaner Michael Milde vom Stadtplanungsamt schlägt mehr Velo-Routen im Stadtgebiet vor. Diese sollen strahlenförmig aus der Stadtregion ins Zentrum führen.

„Wir müssen dazu kommen, dass wir für den Rad- und Fußverkehr gerade im Stadtzentrum zu mehr Flächenanteilen kommen. Es bedeutet eine riesige Herausforderung, dass wir uns in Münster um eine Neuverteilung des öffentlichen Verkehrsraumes kümmern müssen.“

Hier hört ihr noch einmal die besten Auschnitte aus unserem Aprilscherz:

© ANTENNE MÜNSTER
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Der ursprüngliche Artikel: Münster bekommt eine U-Bahn

Immer mehr Autos, mehr Staus und der Umstieg auf Busse ist auch nur bedingt attraktiv, denn die Busse stehen ja auch im Stau. Um den Verkehrsinfarkt in Münster abzuwenden, geht die Stadt jetzt neue Wege. Auf der viel befahrenen Mitte-West-Achse zwischen dem Hafen und Münsters Stadtteil Gievenbeck soll eine U-Bahn entstehen. Die möchte die schwarz-grüne Rathauskoalition in der Ratssitzung am Mittwoch (03.04.) auf den Weg bringen.

Plan der ersten U-Bahn in Münster© ANTENNE MÜNSTER
Plan der ersten U-Bahn in Münster
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Münster kommt dem Verkehrskollaps immer näher. Im Berufsverkehr sind die Straßen überfüllt und die Busse kommen kaum noch durch, sodass der Umstieg auf den ÖPNV auch nur bedingt attraktiv ist. Münsteraner in einigen Stadtteilen haben immerhin die Möglichkeit, auf die Bahn auszuweichen (z.B. in Hiltrup, Albachten, Amelsbüren, Mecklenbeck, Roxel, Sprakel und künftig auch Gremmendorf und Wolbeck mit der WLE). Insbesondere auf der Mitte-West-Achse ist aber kaum eine Verbesserung in Sicht. Da aber gerade zwischen Hauptbahnhof und Coesfelder Kreuz viele Fahrgäste unterwegs sind (vor allem Studenten), muss hier dringend etwas passieren.

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Oberbürgermeister steht hinter dem Projekt

In den vergangenen Monaten häuften sich schon Vorschläge, wie zum Beispiel eine Stadtbahn nach Gievenbeck, die auf der Straße fährt. Aber auch diese würde im Zweifel im Stau stehen. Um die Verkehrsprobleme auf der Ost-West-Achse zu lösen, soll nun aber eine nachhaltige Lösung kommen: Eine U-Bahn. Oberbürgermeister Markus Lewe zeigt sich begeistert:

„Das ist natürlich eine Sensationsnachricht. Ich freue mich riesig, dass wir jetzt so weit sind.“

Die U-Bahn verläuft komplett unterirdisch zwischen Hafen und Rüschhausweg. Eine spätere Verlängerung vom Hafen bis nach Berg Fidel ist vorgesehen.

So wie in Mailand gibt es auch bald in Münster eine fahrerlose U-Bahn© Stefano Stabile, Metropolitana di Milano - linea M5 (lilla) - banchina stazione Istria - Milano - 02, CC BY-SA 3.0
So wie in Mailand gibt es auch bald in Münster eine fahrerlose U-Bahn
© Stefano Stabile, Metropolitana di Milano - linea M5 (lilla) - banchina stazione Istria - Milano - 02, CC BY-SA 3.0

Bauarbeiten ab 2023 entlang der Strecke

Der Verkehrsplaner im Stadtplanungsamt, Michael Milde, zeigt sich hochmotiviert:

„Wir stehen in den Startlöchern, krempeln die Arme hoch und gehen das mit Nachdruck an.“

Die detaillierten Planungen sollen 2020 starten. Mit zwei Tunnelbaumaschinen sollen ab 2023 die Bauarbeiten an der Strecke beginnen. Möglicherweise können Teilstrecken auch schon früher in Betrieb gehen. Die gesamte Streckenlänge beträgt etwa acht Kilometer. Die geschätzten Kosten belaufen sich nach aktuellen Rechnungen auf etwa 1,7 Milliarden Euro. Zuschüsse kommen unter anderem vom Bund. Für Oberbürgermeister Markus Lewe ist klar, dass diese Mittel in Anspruch genommen werden:

„Der Bund hat jetzt Mittel dafür zur Verfügung gestellt. Wir wären töricht, wenn wir die nicht annehmen würden“.

Finanzierung im Fokus

Für CDU-Ratsfraktionschef Stefan Weber steht die realistische Umsetzung des Projekts aus finanzieller Sicht im Fokus:

„Die Finanzierbarkeit ist natürlich das A und O. Was wir ablehnen ist, dass beispielweise die Grundsteuer erhöht werden muss.“

Die U-Bahn wird wie zum Beispiel die Linie M5 in Mailand oder Linie C in Rom komplett fahrerlos geplant. Die Bahnsteige werden entsprechend mit Glastüren von der Strecke abgetrennt.

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