Wie leiste ich in Zeiten von Corona Erste Hilfe?

Die Abstandsregel von min. 1,5m begleitet nun unser aller Alltag. Doch wie leiste ich Erste Hilfe bei einem Menschen, der sie braucht? Mario Hochmuth, Janis Kroll und Patrick Praschek, die Gründer der Erste Hilfe Schule PULS 2.0 aus Münster, klären auf.

Was sollte man während der Corona-Zeit besonders beachten?

Die Angst vor der Selbstinfektion mit dem Corona Virus darf nicht daran hindern Erste Hilfe zu leisten, denn das Virus ändert nichts an der Pflicht, einen Menschen erstzuversorgen. Janis Kroll bietet für PULS 2.0 regelmäßig Kurse in Erste Hilfe an und beschreibt die Dringlichkeit weiterhin Erste Hilfe zu leisten so:

„Im Endeffekt hat sich aufgrund der Krise nicht viel verändert. Ich bin also immer noch laut Strafgesetzbuch verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Immerhin geht es hier um Menschenleben und dabei zählt oft jede Sekunde“

Allerdings kann man natürlich auf ein paar Dinge achten, zum Beispiel bei der Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung: Und zwar, den "Patient abdecken, Tuch über den Mund, oder sogar eine Gesichtfolie bei der Beatmung benutzen", sagt Kroll. Janis Kroll erzählt im ANTENNE MÜNSTER-Interview, was man sonst noch in Corona-Zeiten beachten kann und wieso es gerade jetzt wichtig ist, erste Hilfe zu leisten.

© AM

Insbesondere Risikogruppen, die Angst vor einer Infektion haben, müssen trotzdem auf jeden Fall den Notarzt rufen - in Deutschland ist die Nummer 112 dafür vorgesehen. Bis dessen Ankunft, sollte der Ersthelfer die betroffene Person betreuen und notfalls erste Maßnahmen (gemäß der Ersten Hilfe) einleiten.

Wie eine Notsituation ablaufen kann

Patrick Praschek erläutet die Notwendigkeit anhand eines Beispiels: Eine Studentin ist mit dem Rad auf dem Weg zur Bibliothek. Sie fährt über eine Kreuzung, wo sie ein Auto erfasst. Nun liegt sie reglos am Boden. Wie hilft man in dieser Situation?

„Wer sich der Person nähern möchte um Erste Hilfe zu leisten, sollte zuerst versuchen diese anzusprechen: „Hallo, hören Sie mich? Hallo?“ Reagiere die Person dann immer noch nicht, empfiehlt er diese sanft zu schütteln, beispielsweise an der Schulter. Während der Coronazeit kann man die Person auch an den Füßen bzw. den Beinen berühren und von der Ferne ansprichen - so kann man Distanz bewahren, sagt Janis Kroll im Interview. Ist die Person nicht ansprechbar, sollte die Atmung überprüft werden. "Dafür Überstrecke ich sanft den Kopf der Person und gehe ganz nah mit meinem Ohr an den Mund der Betroffenen, um Atemgeräusche wahrzunehmen.“ erklärt Praschek weiter. Wer dabei nicht so nah an das Gesicht der Betroffenen gehen möchte, kann auch den Brustkorb beobachten, ob dieser sich hebt und senkt. Als Hilfestellung kann man hierfür eine Hand auf den Brustkorb legen, um die Atembewegungen wahrzunehmen. „Sollte keine Atmung vorhanden sein, wird ein Notruf abgesetzt. Dabei ist es wichtig, die W - Fragen parat zu haben.

Erst den Notruf absetzen, dann schauen, wie man noch helfen kann©
Erst den Notruf absetzen, dann schauen, wie man noch helfen kann
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Die W-Fragen

Wo ist es passiert?

Was ist passiert?

Wie viele Verletzte?

Welche Art von Verletzungen?

Warten

Priorität ist jedoch, nicht auflegen und auf Rückfragen der Leitstelle warten.

Trotz Corona: Erste Hilfe leisten ist wichtig!© PULS 2.0
Trotz Corona: Erste Hilfe leisten ist wichtig!
© PULS 2.0

Mindestens eine Herzdruckmassage

Zunächst wird mit der Herz - Lungen - Wiederbelebung begonnen. Dazu sollte die Kleidung geöffnet werden und ein paar Zentimeter über dem Brustbein mit gestreckten Armen angefangen werden zu drücken. Hierfür sind unter anderen die Songs „Staying Alive“ oder „Dancing Queen“ für den Rhythmus hilfreich. 30 Mal drücken und zweimal beatmen „Wer nicht beatmen möchte, sollte sofern man es körperlich durchhält, drücken bis der Notarzt vor Ort ist“, so Kroll.

Daraus resultiert: Je früher Erste Hilfe Maßnahmen eingeleitet werden, desto besser für den Hilfe- Bedürftigen. „Letzten Endes sollte jeder nach eigenen Fähigkeiten handeln, denn es ist immer die eigene Entscheidung, was man sich selbst zutraut“, erwähnt Hochmuth. Die Pflicht zur Ersten Hilfe bedeutet also: Mindestens einen Notruf absetzen und danach das tun, was man sich selbst zutraut. Und das gilt immer, nicht nur zu Corona Zeiten. Freiwillige aus dem Erste-Hilfe-Kurs zeigen, wie es geht:

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