Unruhe bei Gespräch mit Lindner

Ein Mann wurde nach lautstarkem Protest zu Beginn der Veranstaltung im Bennohaus am Kanal aus dem Saal geführt. Rund 100 Gäste waren da.

© ANTENNE MÜNSTER

Mit rund einer Dreiviertelstunde Verspätung ging er los, der Bürgerdialog mit Bundesfinanzminister Christian Lindner im Bennohaus. Rund 100 Münsteraner:innen waren zu der Veranstaltung gekommen, das Publikum war bunt gemischt: Sowohl ältere als auch jüngere Menschen wollten ihre Anliegen mit dem Bundesminister besprechen. Doch wenige Minuten nach dem Beginn des Dialogs kam es zu einem Zwischenfall.

Ein Mann wurde aus dem Saal geführt

Ein Mann mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Schnauze Christian, Grenzen öffnen“ stand auf und konfrontierte Lindner lautstark. Eine andere Frau rief: „Sie lassen Menschen sterben!“, eine weitere Person hielt ein Plakat hoch mit den Worten: „Grenzen öffnen“. Nachdem der Mann gerufen hat: „Wir haben jetzt diese Veranstaltung übernommen!“ wurde er aus dem Saal herausgeführt. Anschließend stellte Lindner seine eigene Position vor: Eine geordnete Einwanderung sei wichtig, sonst würde die öffentliche Ordnung zusammenbrechen. Die Veranstaltung ist anschließend deutlich ruhiger weitergegangen, abgesehen von einigen weiteren Zwischenrufen. Eine weitere junge Frau verließ empört, aber freiwillig den Raum, als es um den CO2-Fußabdruck und Großkonzerne ging.

Unruhestifter meldet sich bei ANTENNE MÜNSTER

Die Verursacher des unruhigen Bürgerdialog-Starts meldeten sich anschließend in der ANTENNE MÜNSTER-Redaktion. Es handele sich um die "Busters", eine linke Gruppe aus Münster. Sie haben zusammen mit dem Bündnis "Lindner verspeisen" die Veranstaltung mit Christian Lindner im Bennohaus gestört. Neben der angemeldeten Demonstration vor dem Gebäude sind mehrere Aktivist*innen in den Veranstaltungssaal gelangt. Im Publikum wurden Banner hochgehalten und im Raum verteilten sich Personen mit beschrifteten T-Shirts. Zu lesen waren "Grenzen öffnen", "Lindner verspeisen, Geflüchtete bleiben" und "Schnauze Christian, Grenzen öffnen". Das Fazit der Gruppe nach ihrem Auftritt fällt folgendermaßen aus:

"Dem Finanzminister fiel es sichtlich schwer, die Fassung zu wahren. Auf seine bekannten Gesprächsstrategien ließen sich die Aktivist*innen nicht ein und wiederholten ihre Forderungen lautstark. Melanie Hirsch, Sprecherin der Busters, sagt, dass es Themen gebe, die unverhandelbar seien. Dazu gehöre beispielsweise das Retten von Menschen, die auf der Suche nach Schutz sterben würden."
Proteste im Bennosaal störten zu Beginn den Bürgerdialog.© "Busters" Münster
Proteste im Bennosaal störten zu Beginn den Bürgerdialog.
© "Busters" Münster

Lindner gibt sich bürgernah

Lindner gab sich bei der Veranstaltung betont bürgernah. Er verzichtete auf ein Mikro, obwohl ihn Medienvertreter darum baten - die Bürger:innen sollten heute im Mittelpunkt stehen, nicht die Medien -, ging auf die Menschen zu, gestikulierte mit den Händen: Er wollte mit den Münsteraner:innen ins Gespräch kommen. Und das tat er auch: Es ging um Themen wie den Klimawandel, die Inflation, den Ukraine-Krieg oder auch E-Fuels. Auch das geplante Klimageld der Bundesregierung, die Staatsschulden und das mögliche Gebäudeenergiegesetz kamen zur Sprache. Im Anschluss an den Bürgerdialog bildete sich eine Schlange, um ein Selfie mit Lindner abzustauben.

Weitere Proteste vor dem Bennohaus

Nicht nur im Bennohaus kam es zu Protesten, auch vor dem Bennohaus wurde Lindner von Bannern empfangen. Einige wenige Vertreter der Bewegung "Parents for Future" forderten auf Plakaten die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Als der Bundesfinanzminister in seiner schwarzen Limousine vom Hof fuhr, wurde er außerdem von lautstark skandierten Parolen einer Gruppe von Vertretern der Antifa begleitet. Zu weiteren Zwischenfällen kam es allerdings nicht. Für den Fall der Fälle hätte auf dem angrenzenden Kanal sogar ein Polizeiboot bereit gestanden, wäre die Ausfahrt über die Straße versperrt gewesen.

Weiteres Programm für Lindner in Münster

Direkt im Anschluss ging es für den Bundesminister ins LWL Museum für Kunst und Kultur, wo für ihn ein festliches Abendessen mit den Landesfinanzministern anstand. Am Freitagmorgen steht dann die Landesfinanzministerkonferenz im Historischen Rathaus an, wo Themen wie steigende Zinsen, Kosten durch Geflüchtete und der Kampf gegen Geldwäsche auf dem Programm stehen. Gegen Freitagmittag soll die Konferenz zu Ende gehen.

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