Muss Popmusik politisch sein?

"Wie politisch ist der deutsche Pop?" - das fragen sich Germanisten, Musikwissenschaftler und Interessierte bei der Tagung "The Sound of Germany".

In einer ANTENNE MÜNSTER-Umfrage zeigen sich viele unzufrieden über die vermeintliche politische Meinungslosigkeit junger Künstler.

Auch Münsters Panikrocker Steffi Stephan findet es schade, dass junge deutsche Künstler immer seltener Flagge zeigen: "Unabhängig davon hat man als Berühmter, finde ich, die moralische Aufgabe sich zu äußern, kritisch nämlich, zur gesamten Gesellschaft. Das ist eine ganz wichtige Geschichte."

"Schöne Wortklaubereien" anstelle von musikalischen Stellungnahmen

Politik in der Musik hat eine langjährige Tradition in Deutschland. Udo Lindenberg ist neben seiner Musik auch für sein politisches Engagement bekannt. Unter anderem setzt er sich für Klimaschutz und die Friedensbewegung ein. Jahrelang wurde ihm eine Auftrittsgenehmigung in Ost-Berlin verwehrt. 1983 schrieb er "Sonderzug nach Pankow" als Reaktion darauf und richtete den Song an Erich Honecker. Dies ermöglichte ihm endlich einen Auftritt im Palast der Republik. Auf Tour durch die DDR durfte er aber immer noch nicht gehen.

Politischer Aktivismus als Tradition

Auch Herbert Grönemeyer ist für sein Engagement bekannt. Im ANTENNE MÜNSTER-Interview positionierte er sich ganz klar: "Wir sind gefordert als Gesellschaft speziell nach rechts außen zu signalisieren 'Pass mal auf, hier geht's keinen Milimeter weiter, wir wollen das nicht, das passt nicht hierher.' Wir sind eine offene Gesellschaft. Wir brauchen keine Ausgrenzung und Rassismus, sondern hier ist es jetzt gefragt, dass wir zusammenstehen und den Rechten unsere Stirn bieten."

Campino von den Toten Hosen positioniert sich ebenfalls immer wieder gegen rechts. Die Musik von den Ärzten hat auch immer wieder sehr deutliche politische Töne.

Im Gegensatz dazu stehen Musikgruppen wie Frei.Wild und die Böhsen Onkelz, deren Fans oft Mitglieder der rechten Szene sind.

© ANTENNE MÜNSTER

Junge Pop-Künstler positionieren sich selten

Im Gegensatz zur älteren Riege in der Musikindustrie positionieren sich junge Künstler eher ungerne. Mark Forster möchte bewusst unpolitisch bleiben. "Ich habe keinen Song, der sich um ein politisches Thema dreht, so wie bei Udo Lindenberg, das habe ich noch nicht gemacht. Ich habe Angst, dass, wenn ich so ein Lied jetzt schreiben würde, es auch wieder nicht richtig wirken würde. [...] Ich möchte an den Punkt kommen, dass klar ist, wo ich stehe. Und ich suche nach einem Weg, wie ich das klären kann", erklärte er im Interview mit dem SPIEGEL.

Andere populäre Künstler wie Helene Fischer oder Andreas Bourani halten ihre Musik auch eher unpolitisch, haben sich aber in Interviews dazu geäußert.

Tagung an der Uni Münster

Von Mittwoch bis Freitag veranstaltet das Germanistische Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität verschiedene Vorträge und Diskussionen im Rahmen der Tagung. Genaue Zahlen und Statistiken sind nicht das Ziel, so Dr. Kerstin Wilhelms von der WWU im ANTENNE MÜNSTER-Interview. Viel mehr gehe es darum, wie politische Botschaften in der Musik vermittelt werden: "Pop kann aber auch politisch sein, wenn er gar nicht so offensichtlich politische Botschaften vermittelt, sondern eher durch die Performances oder durch Zugehörigkeitsangebote Politik betreibt." Dies betreffe die Vorstellung von Geschlechterrollen, ethnischer und nationaler Identität.

Bei der Konferenz werden Beispielanalysen von Songtexten, Musik, Musikvideos und Auftritten durchgeführt. Damit möchten die Teilnehmer unter anderem herausfinden, wie Pop politische Botschaften propagiert und in wieweit Pop auch subversiv und kritisch sein kann.

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