Der Schulanfang - Fotografieren erlaubt?

Der Schulanfang ist sowohl für Kinder als auch für Eltern aufregend. Im klassischen Familienalbum darf das Foto vom ersten Schultag mit der Schultüte deshalb ebenso wenig fehlen wie das erste Babyfoto und die Bilder von der Taufe. Doch seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 sind viele Eltern und verunsichert – und Schulen für das Thema sensibilisiert. Mehrere Schulen in Sachsen-Anhalt planen, bereits ein vollständiges Fotoverbot zu erlassen, um Datenschutz-Verstöße zu verhindern. Droht uns sowas auch in Münster? Darf man bei der Einschulung noch fotografieren?

Was bedeutet die Datenschutzverordnung (DSGVO) eigentlich?

Die DSGVO sagt zum Vorgang des reinen Fotografierens erst einmal gar nichts. In ihr geht es darum, was anschließend mit den Fotos geschieht, wie sie gespeichert, verarbeitet und verbreitet werden. Als Einschulungsfotos noch auf Film mit der Kleinbildkamera gemacht wurden, war alles ganz einfach: Der Film kam ins Labor, über die Abzüge freuten sich neben dem stolzen Schulkind auch Oma, Opa, Tanten und Onkel. Das war und ist trotz DSGVO auch weiterhin nicht grundsätzlich verboten, selbst wenn neben dem eigenen Kind fremde Kinder auf dem Foto zu sehen sind. Denn die DSGVO findet zunächst keine Anwendung auf die Verarbeitung personenbezogener Daten „durch natürliche Personen zur Ausübung ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten“ (Art. 2 Abs. 2 c) DSGVO). Das Problem ist die Veröffentlichung in sozialen Medien - Facebook, Twitter, Instagram und ähnliche Plattformen und Netzwerke sind grundsätzlich nie privat, da die Fotos in Datenbanken kommerzieller Unternehmen gespeichert werden.


Leere Schulbänke, aber keine Kinder - darf bald gar nicht mehr fotografiert werden?©
Leere Schulbänke, aber keine Kinder - darf bald gar nicht mehr fotografiert werden?
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Das sollte man wissen

Die wichtigste Regel lautet ganz schlicht: Vorher einfach immer um Erlaubnis fragen, wer fotografiert werden möchte und wer nicht! Und zwar sowohl die Schule, ob das Fotografieren zu privaten, nicht-kommerziellen Zwecken erlaubt ist als auch andere Kinder und ihre Eltern, die mit aufs Bild geraten können. "Privat" schließt übrigens eine Verbeitung in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram aus, sondern meint, dass das Fotografieren für's eigene Fotoalbum okay ist. Wer die Fotos dennoch im Netz teilen möchte, braucht auch dazu die Einwilligung aller Abgebildeten bzw. ihrer Erziehungsberechtigten. Die Einwilligung muss nicht schriftlich erteilt werden, aber sie sollte für den Fall eines Rechtsstreits beweisbar sein. Im Zweifelsfall: Lieber auf das Teilen bei Facebook & Co verzichten.

Umgekehrt wird auch die Schule immer fragen, ob die Eltern damit einverstanden sind, dass die Kinder in schulischen Zusammenhängen fotografiert werden und Fotos veröffentlicht werden dürfen, etwa auf der Schulhomepage. Natürlich beschränk sich diese Regel nicht nur auf den ersten Schultag, sondern gilt für alle schulischen Ereignisse. Grundsätzlich entscheidet die Schulleitung, ob sie das Fotografieren (und Filmen) auf dem Schulgelände und im Gebäude grundsätzlich untersagt oder aber mit entsprechenden Hinweisen und Einschränkungen erlaubt.

Wer fotografiert, ist verantwortlich

Auch wenn die Schule das Fotografieren nicht untersagt, so ist das kein Freibrief für die Person, die auf den Auslöser drückt. Denn mit oder ohne Erlaubnis der Schule muss niemand dulden, dass sein Kind für private Fotos Dritter mitfotografiert wird. Die ungefragte, nicht erlaubte und nicht erwünschte Fotografie durch Dritte kann nach gängiger Rechtsprechung durch alle Instanzen einschließlich des Bundesverfassungsgerichts einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht darstellen, das sich aus aus Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Ab. 1 des Grundgesetzes ergibt. Zum Schutzbedürfnis gegen unerwünschte Fotografie hat das BverfG 2008 ausgeführt: „Das Schutzbedürfnis ergibt sich vor allem aus der Möglichkeit, dass auf eine bestimmte Situation bezogene Erscheinungsbild eines Menschen von ihr zu lösen und das Abbild jederzeit unter für den Betroffenen nicht überschaubaren Voraussetzungen vor Dritten zu reproduzieren. Je leichter dies ist, umso größer kann das Schutzbedürfnis sein.“ (Az.: 1 BvR 1602/07).

Heißt im Klartext: Wenn jemand nicht fotografiert werden möchte, sollte man das auch respektieren.

Schultüten, aber keine Kinder - die müssten nämlich vor dem Foto gefragt werden©
Schultüten, aber keine Kinder - die müssten nämlich vor dem Foto gefragt werden
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