Der Kampf mit dem Kopf: Depression bei jungen Menschen

Jeder dritte Notarzteinsatz in Deutschland hat mit psychischen Krisen zu tun. Jeder fünfte Schüler hat psychische Probleme, jeder sechste Student die Diagnose "Psychische Erkrankung". Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden.

Eine Depression wird oft viel zu spät erkannt. Fakt ist, dass junge Erwachsene zwischen 15 und 35 Jahren immer öfter von Angststörungen betroffen sind. Ursachen sind oft Prüfungsängste, Einsamkeit, finanzielle Sorgen.Bei Frauen wird dabei zwei mal häufiger eine Depression diagnostiziert.

Ein persönliches Wort

Wir möchten euch von unserer ehemaligen Kollegin Jasmin erzählen. Viele in der Redaktion haben sie Mini genannt. Und Mini war der fröhlichste und offenste Mensch, den man sich vorstellen kann. Kurz vor Weihnachten hat Jasmin sich das Leben genommen. Ursache: Schwere Depressionen. Ausgerechnet Jasmin. Das war außerhalb unserer Vorstellungswelt, dass so etwas passieren konnte. Deshalb haben wir uns entschlossen, euch davon zu erzählen. Weil reden hilft, weil viele unter Depressionen leiden und wenige sich trauen, darüber zu sprechen. Jasmins Schwester Lisa sieht das genauso. Anja und Christoph haben in der ANTENNE MÜNSTER Morningshow mit Jasmins Schwester Lisa gesprochen. Das Interview könnt ihr hier noch einmal anhören:

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Ein Gespräch über Offenheit und Vertrauen

Eines ist uns in unserer Themenwoche sehr klar geworden: Reden hilft. Wer offen redet, wer sich Menschen anvertrauen kann, der merkt ganz schnell: Ich bin nicht allein mit meinen Problemen. Aber: Offen reden ist nicht leicht. Wir müssen über unseren eigenen Schatten springen. Vertrauen kann man aber auch lernen: Das sagt Eva Schulte-Austum. Sie ist Münsteranerin, Buchschreiberin und Deutschlands einzige Vertrauensexpertin (bekannt z.B. aus Spiegel, Welt oder FAZ).

Eva Schulte-Austum©
Eva Schulte-Austum
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Eva Schulte-Austums erstes Buch "Vertrauen kann jeder" erscheint am 2. Mai im Knaur-Verlag.


10 Fakten über Depressionen

Was heißt das eigentlich: Depression?

Schlecht drauf sind wir alle mal. Wer eine Depression hat, ist allerdings für einen längeren Zeitraum (mindestens zwei Wochen am Stück) sehr niedergeschlagen, traurig, ohne zu wissen warum, und lebt in einer ganz eigenen Welt. Die Betroffenen haben keine Lust, etwas zu unternehmen, meistens auch keinen Hunger, wollen nicht mehr unter Leute gehen und haben häufig auch Selbstmordgedanken. Sie werden schnell müde, haben aber trotzdem Schlafprobleme.

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Was sind die Ursachen?

Für eine Depression kann es genetische oder biologische Gründe geben. Es kann aber auch an Denkmustern liegen, wie man mit Problemen umgeht. Und es kann auch an Ereignissen liegen, die sehr belastend sind. Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen gibt es auch hier einen Mix aus Faktoren, die zu einer Depression führen können. Das hat uns Prof. Dr. Gereon Heuft erklärt. Er ist der Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am UKM.

Prof. Gereon Heuft, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie (UKM)©
Prof. Gereon Heuft, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie (UKM)
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Was tun bei Problemen?

Am besten ist es immer, mit jemandem darüber zu sprechen. Das können Freunde oder andere Vertrauenspersonen sein. Rund um die Uhr gibt es verschiedende Hotlines, die wir unten aufgelistet haben. Dort sitzen professionelle Berater, mit denen Ihr anonym sprechen könnt. Da psychische Erkrankungen individuell sehr verschieden sind, findet ihr hier nur erste Infos und Anlaufstellen. Erster Rat ist immer, eure Probleme zunächst mit eurem Hausarzt zu besprechen. Dr. Florian Kästner ist Oberarzt und Leiter der Krisen- und Depressionsstation in der LWL-Klinik. Ihn haben wir gefragt: Was tun bei Problemen?

Dr. Florian Kästner, Oberarzt und Leiter der Krisen- und Depressionsstation (LWL-Klinik)©
Dr. Florian Kästner, Oberarzt und Leiter der Krisen- und Depressionsstation (LWL-Klinik)
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Freunde fürs Leben e.V.

Der Verein "Freunde fürs Leben" bietet auf seiner Homepage Soforthilfe-Hotlines, ausführliche Infos zu Therapiemöglichkeiten (z.B. Online-Therapie), Videos mit Betroffenen, einen Selbsttest und Geschichten von prominenten Unterstützern wie Clueso, Klaas Heufer-Umlauf, Markus Kavka oder Nicolas Müller aus Münster (Ex-Jupiter Jones), die zum Teil selbst betroffen sind oder waren. Eine der Mitbegründerinnen ist Diana Doko.

Diana Doko, Mitbegründerin "Freunde fürs Leben e.V."© Freunde fürs Leben e.V.
Diana Doko, Mitbegründerin "Freunde fürs Leben e.V."
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Der berühmte schwarze Hund

"Mein schwarzer Hund" ist ein Buch von Matthew Johnstone. Der schwarze Hund, das ist die Depression, die Matthew Johnstone viele Jahre begleitete. In einer berührenden Bildergeschichte erzählt er davon, wie sie ihn fast umgebracht hätte und wie er es schließlich schaffte, sich Schritt für Schritt wieder von ihr zu befreien. Für Betroffene, deren Angehörige und Freunde ein Helfer, um miteinander ins Gespräch zu kommen und nie die Hoffnung zu verlieren.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) erzählt gemeinsam mit dem Schriftsteller und Zeichner Matthew Johnstone die Geschichte „I had a black dog, his name was depression“. Der Verein "Freunde fürs Leben" hat dafür eine deutsche Übersetzung produziert.

Jasmins Freundinnen organisieren Vorlesungsreihe an der Uni

Vier Freundinnen unserer ehemaligen Kollegin Jasmin haben diese tragische Geschichte zum Anlass genommen, eine Vorlesungsreihe zum Thema "Mentale Gesundheit und Depressionen" zu organisieren. "Wir wünschen uns mit dieser freiwilligen, persönlich motivierten Initiative etwas Nachhaltiges zu bewegen und den gesellschaftlichen Diskurs zu den Themen zu öffnen", schreiben die Vier in einer Ankündigung.

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Hier sind die Termine der Vorlesungen:

Autonomy, handicap, capability: what we talk about when we talk about mental health

10. Mai – Alain Ehrenberg, Sociologist and Research director emeritus, CNRS, Paris

19 Uhr, JO 1, Johannisstr. 4

Gelassener im Alltag - Praktische Tipps zum Umgang mit Stress und Alltagsbelastungen

07. Juni – Melanie Kaczerowski, Diplompsychologin Pausenraum, Essen

19 Uhr, JO 1, Johannisstr. 4

Depression: Symptome, Entstehung, Verlauf und psychologische Behandlungsmöglichkeiten

14. Juni - Prof. Dr. Nexhmedin Morina, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie

19 Uhr, S 9 im Schloss

Das Krankheitsbild der Depression und Behandlungsmöglichkeiten in der Psychoanalyse

28. Juni - Dr.med. Bettina Jesberg, Psychoanalytikerin, Berlin

19 Uhr, H 2, Schlossplatz 46

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Hilfsangebote "Depressionen" in Münster

Auch hier in Münster gibt es viele Beratungsstellen mit Angeboten, die Betroffenen und Angehörigen weiter helfen. Solltet ihr jemanden kennen oder selbst betroffen sein, meldet euch hier:


Das "Bündnis gegen Depression Münster" bietet professionelle, persönliche und kostenlose Beratung zu allen Fragen rund um das Thema Depression an. Diese Einzelberatung findet regelmäßig am letzten Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr im Erdgeschoss des Paritätischen Zentrums, Dahlweg 112, 48153 Münster statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Info-Telefon Depression: 0800 / 33 44 533

Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr

Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr


Die Krisenhilfe Münster e. V. bietet für Münsteraner Bürgerinnen und Bürger in Krisensituationen Hilfe in Form von persönlichen Gesprächen an. Im Vordergrund steht die schnelle und persönliche Kontaktaufnahme: Innerhalb von 24 Stunden nach eurem Anruf kann ein persönliches Gespräch stattfinden.

Terminanfrage: Montag – Freitag von 17:30 – 19:30 Uhr

Bürozeiten: Montag – Donnerstag von 09:00 – 13:00 Uhr

Tel: 0251 - 51 90 05 (Falls wir gerade im Gespräch sind, hinterlasst bitte eine Nachricht auf Band – wir rufen zurück!)

https://krisenhilfe-muenster.de/


Das Gesundheitsamt bietet Rat und Hilfe bei seelischen Belastungen und psychischen Störungen, in Krisensituationen, bei lebensverneinenden Gedanken, bei Suchtproblemen und bei altersbedingten seelischen Störungen.

Bürozeiten: Montag bis Mittwoch 8.00 – 16.00 Uhr, Donnerstag 8.00 – 18.00 Uhr, Freitag 8.00 – 13.00 Uhr

Sozialpsychiatrischer Dienst für Erwachsene: Tel. (02 51) 4 92-53 60, E-Mail: sozialpsychiatrie@stadt-muenster.de

Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst, Tel. (02 51) 4 92-53 52, E-Mail: sozialpsychiatrieKj@stadt-muenster.de

 

Kontakt an Wochenenden: Krisen-Notdienst für das Stadtgebiet Münster

Münster bietet in Zusammenarbeit mit allen psychiatrischen Kliniken einen psychiatrischen und psychosozialen Krisen-Notdienst am Wochenende für das Stadtgebiet von Münster an. Von Freitag 20:00 Uhr bis Montag 08:00 Uhr wendet euch an den Krisennotdienst der Stadt Münster, erreichbar unter:

0251 - 91 55 50


Telefonseelsorge

Beratung gibt es unter 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222


Westfälische Wilhelms-Universität

Psychologische Beratung bei der Zentralen Studienberatung (ZSB)

https://www.uni-muenster.de/ZSB/psychologische-beratung/erstgesp/erstgesp.html

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