Catcalls of Münster

Vom Weiten sehen die Sprüche aus wie witzige bunte Kreide-Kritzelein von Kindern. Seit einigen Wochen finden wir sie in der gesamten Stadt verteilt. Wenn wir genauer hinschauen, dann haben die Kreide-Sprüche aber einen ernsten Hintergrund. Sie sind die sogenannten "Catcalls of Münster".

© Catcalls of Münster

Mit Kreide malen vier junge Frauen seit Anfang September sogenannte "Catcalls" auf die Straßen, Bürgersteige und Plätze in unserer Stadt. Es sind "Catcalls", die Frauen hier Münster erlebt haben.

Was sind "Catcalls"?

"Catcalls" - das sind Pfiffe, übergriffige Kommentare, anzügliche Gesten, sexuelle Belästigung und Beleidigungen in der Öffentlichkeit, oft von Männern gegenüber Frauen. Es kann jedoch jeder Opfer von Catcalls werden.

Vier Studentinnen gründen Instagram-Account

So etwas haben auch die vier Studentinnen Kristina, Julia, Teresa und Johanna schon selbst erfahren und deshalb die Instagram-Seite "Catcalls of Münster" angelegt. Ihr Motto dabei: "Mit Kreide gegen Belästigung". Darüber können Betroffene per Nachricht melden, was ihnen widerfahren ist und an welchem Ort. Alternativ haben die vier Frauen jetzt auch einen extra E-Mail-Zugang eingerichtet. Ihr könnt ihnen eine E-Mail schreiben an: catcalls@muenster.de

In den meisten Fällen malen Kristina, Julia, Teresa und Johanna die Sprüche dann auch an der Stelle auf den Boden, an der die Opfer die sexuelle Belästigung erfahren haben.

© ANTENNE MÜNSTER

Anonymität

Ganz wichtig dabei: Wer sich bei "Catcalls of Münster" meldet, bleibt anonym. Manche möchten nicht, dass die Sprüche, die ihnen nachgerufen wurden, genau an der Stelle angekreidet werden, an der das Ganze passiert ist. Aus Sicherheitsgründen. In diesen Fällen malen die vier Studentinnen den Catcall zum Beispiel auf dem Arbeitsweg der betroffenen Person auf.

Nur einige wenige der Catcalls bislang

Schuld der Täter, nicht der Betroffenen

Viele Betroffene berichten davon, dass sie sich ärgern, dass sie nicht schlagfertig auf das Catcalling reagiert haben, so Kristina.

Es ist nicht die Verantwortung der Person, in dem Moment richtig zu reagieren, in dem sie sexuell belästigt wird. Sondern es ist der Fehler des Täters/der Täterin (meistens des Täters), diese Person zu belästigen und sie in eine solche unangenehme Situation zu bringen, sie zu verängstigen, ihr dieses eklige Gefühl zu geben. Die Schuld liegt niemals bei den Betroffenen, sondern immer bei der Person, die catcalled oder sexuell belästigt.

Die vier Studentinnen aus Münster hoffen, dass durch ihre Aktionen auch die Menschen, die solche Kommentare machen, verstehen, dass es sich dabei nicht um ein Kompliment handelt. Und sie hoffen, dass einige ihr Verhalten hinterfragen", so Kristina. Außerdem fordern sie, dass Catcalling in Deutschland strafbar wird.

Erschreckend viele Nachrichten

Dabei erhalten die vier Studentinnen aus Münster erschreckend viele Nachrichten. Bereits im September haben sich 73 Frauen bei ihnen gemeldet. Im Oktober sind es bislang rund 25 gewesen.

Ursprung in New York

Vorbild ist die Instagram-Seite über Catcalls für die Stadt New York, die als erste dieser Art 2017 online ging. Seitdem kamen etliche Städte auf der ganzen Welt dazu - über 200 Aktionen auf sechs Kontineten. Seit Anfang September gibt es jetzt auch eine in Münster.

Wie könnt ihr sie unterstützen?

Ihr könnt "Catcalls of Münster" bei Instagram folgen und die vier Studentinnen freuen sich außerdem über Kreidespenden. Diese könnt ihr beim Café Teilchen und Beschleuniger abgeben.

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