Autofreie City schadet dem Handel

IHK und Marktbeschicker appellieren an die Politik: Die Läden und der Wochenmarkt müssen mit dem Auto erreichbar bleiben.

© ANTENNE MÜNSTER

Die IHK Nord Westfalen hat eine Umfrage zum Verkehrsversuch am Hauptbahnhof unter den ansässigen Unternehmen durchgeführt. Dabei kam heraus, dass drei Viertel der Betriebe konkrete Auswirkungen auf ihr Unternehmen spüren. Die durchschnittliche Bewertung der Erreichbarkeit für PKW und Lieferverkehr verschlechterte sich von 2,1 auf 4,2. Und auch Kundenzufriedenheit und Standortimage hat sich für gut drei Viertel der Unternehmen verschlechtert.

"Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich die große Betroffenheit vieler Gewerbetreibenden im Bahnhofsumfeld durch die mit dem Verkehrsversuch einhergehenden Verkehrsbehinderungen auf", fasst Joachim Brendel zusammen, der Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Handel, Verkehr und Infrastruktur.

Die IHK hat den im Rat der Stadt vertretenen Parteien sowie der Verwaltung die Ergebnisse der Umfrage zur Verfügung gestellt. Brendel: "Wir gehen davon aus, dass auf Basis der vorgelegten Umfrageergebnisse sowie der Hinweise weiterer Wirtschaftsverbände und -initiativen auch die Belange der gewerbetreibenden Anlieger:innen und die Betroffenheit der Gesamtwirtschaft in der abschließenden Bewertung des Verkehrsversuches durch Politik und Verwaltung angemessen berücksichtigt werden."

Joachim Brendel, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Handel, Verkehr und Infrastruktur© IHK Nord Westfalen
Joachim Brendel, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Handel, Verkehr und Infrastruktur
© IHK Nord Westfalen

Markthändler:innen in Sorge

Einzelne Marktbeschicker:innen machen sich große Sorgen, sollte die Innenstadt tatsächlich autofrei werden. Der Markt bleibe in seiner jetzigen Strahlkraft nur erhalten, wenn er für Kund:innen auch in Zukunft mit dem Auto bequem zu erreichen sei, schreibt etwa Feinkosthändler Vinzenz Kuhl. Er fragt kritisch: "Würden Sie Ihren Wochenkauf auf dem Domplatz machen, wenn Sie Kartoffeln, Gemüse, Obst, Eier, Käse, Fleisch, Wurst und Honig zum weit entfernten Parkhaus oder zum verfügbaren Schlossplatz tragen müssen?" - Kein Lebensmittelsupermarkt, Discounter oder Verbrauchermarkt Deutschlands wäre bereit mitzuhelfen, die Versorgungs-Sicherheit der Bevölkerung herzustellen, wenn nicht Parkraum in "unmittelbarer" Nähe zur Verfügung gestellt würde, mutmaßt Kuhl.

Und weiter: "Wenn uns die Blumen- und Pflanzenhändler wegbrechen, der Kartoffelbauer und die Obst- und Gemüsestände den Standort Domplatz aufgeben, wird der Domplatz das meiste seiner Strahlkraft einbüßen, nicht mehr zu einem der schönsten Wochenmärkte Deutschlands gehören und nicht mehr ein Aushängeschild für die Qualität der Stadt sein.

Außerdem bemängelt Kuhl, dass die Imbissbetriebe sich seit der Corona-bedingten Neuordnung der Stände gegenseitig zu große Konkurrenz machen.

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