
Omikron bringt Krankenhäuser in Schwierigkeiten
Wegen der steigenden Corona-Fallzahlen könnte es in den nächsten zwei Monaten zu starken Engpässen in der medizinischen Versorgung in den Krankenhäusern kommen. Damit rechnen der neue ärztliche Direktor der Uniklinik, Alexander Friedrich (l.) und der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Hans-Albert Gehle.
Veröffentlicht: Freitag, 21.01.2022 12:29
Die Corona-Zahlen in Münster steigen rasant, denn die neue Virus-Variante ist ansteckender als die bisher vorherrschende Delta-Variante. Dadurch müssen voraussichtlich im Februar und März immer mehr Menschen in den Krankenhäusern behandelt werden, sagt Alexander Friedrich. Zwar ist eine Erkrankung mit Omikron meistens milder, aber weil die Variante besser übertragbar ist, kommen die seltenen, schweren Erkrankungen dann geballt vor. Dadurch könnte das Gesundheitssystem für einige Wochen massiv unter Druck geraten“, so Friedrich.
Infektionen bei Klinik-Beschäftigten
Gleichzeitig werden sich auch immer mehr Krankenhaus-Angestellte infizieren und ausfallen. "Darauf müssen wir uns gut vorbereiten", sagt Friedrich. Trotzdem will er dafür sorgen, dass die Beschäftigten vom UKM entlastet werden. Die Beschäftigten der Uniklinik arbeiten bereits seit zwei Jahren am Limit, deshalb fordert die Gewerkschaft verdi per 100-Tage-Ultimatum bessere Arbeitsbedingungen. Der neue UKM-Chef Friedrich sieht vor allem die Politik in der Pflicht, bessere Rahmenbedingungen für das Klinikpersonal zu schaffen - nicht nur durch mehr Geld, sondern durch mehr Wertschätzung und flachere Hierarchien.
Und Friedrich will sich dafür einsetzen, dass die Beschäftigten im UKM "mehr Raum zum Atmen" haben. Das heißt: Wer frei hat, soll auch wirklich frei haben und nicht ständig für Kollegen einspringen müssen. Und: Patienten, die nicht wegen eines Notfalls kommen, sollen nicht sofort behandelt werden müssen.
Vierte Impfung wichtig
UKM-Chef Friedrich geht außerdem davon aus, dass die Früh-Geimpften bald noch eine Booster-Impfung brauchen, d.h. vor allem Corona-Risikogruppen und das Krankenhauspersonal. Noch besser wäre allerdings die vierte Impfung mit einem neuen Impfstoff, sagt Friedrich. Er hofft auf einen neu entwickelten im März oder April, der an Delta oder Omikron angepasst ist - und somit noch wirksamer gegen die neuen Varianten ist.
Damit die weiteren Impfungen schnell und rechtzeitig zu schaffen sind, plädiert Hans-Albert Gehle, der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe dafür, dass neben den Hausarztpraxen dann auch wieder in Impfzentren geimpft wird. Die Experten setzen außerdem viel Hoffnung auf den sogenannten Totimpfstoff, der kurz vor der Zulassung steht. Dieser funktioniert ähnlich wie bekannte Grippe-Impfstoffe. Damit könne man vor allem diejenigen erreichen, die nicht mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden wollen.