
Zeugen belasten "Müllsammler"
Im Prozess gegen den als "Müllsammler" und "Kran-Kletterer" bekannten Mann aus Kinderhaus haben Zeugen den Angeklagten enorm belastet.
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.06.2023 14:30
Am vergangenen Mittwoch (7. Juni) ging es in diesem Prozess vor allem um den Vorwurf der Staatsanwaltschaft Münster, dass der Angeklagte eine Nachbarin vergangenen Herbst angegriffen und geschlagen haben soll. Die Nachbarin wurde über zwei Stunden lang von der Richterin befragt. Sie sei vom Einkaufen zurückgekommen und habe gemeinsam mit einer Bekannten den Althausweg erreicht – der Straße, wo der Angeklagte und sie nebeneinander wohnen. Er sei auf sie zugekommen und es habe sich ein lautstarkes Gespräch entwickelt. Dann habe er ihr mit einem Faustschlag ins Gesicht gehauen. Das sahen zwei Männer, die spazierend - genau in diesem Moment - um die Ecke kamen. Sie bestätigten vor Gericht diesen Angriff. Der Angeklagte hatte bisher immer bestritten, die Nachbarin geschlagen zu haben.
Der Prozess gegen den "Müllsammler" - ein Überblick
Einige andere Taten hat der Angeklagte dagegen schon zugegeben: Diverse Menschen beleidigt und bedroht zu haben, hat er schon zugegeben. Auf den Baukran an der Ecke Hammer Straße/Hermannstraße geklettert zu sein, hat er zugegeben. Und diverse Dinge auf dem Baustellengelände zerstört zu haben, hat er auch zugegeben. Aber einiges ist noch weiter offen: Beispielsweise sei die Baustelle bei seiner Kran-Aktion völlig unzureichend gesichert gewesen. Da sei er so drauf gekommen. Ebenso der mutmaßliche Angriff auf die Nachbarin.
Für Aufsehen erregte in den vergangenen Wochen ja auch immer wieder sein Verhalten vor Gericht: Er unterbricht ständig die Richterin, gibt Widerworte, verstrickt sich in Schimpfereien und Vorwürfen, dass beispielsweise die Richterin und der Gutachter ihre Arbeit nicht ordentlich machen würden. Er verteidigt sich ja auch selbst: Seine Anwälte lehnt er ab, weil er sich von denen nicht ordentlich vertreten fühlt. Und insgesamt verblüfft er immer wieder mit seinem Auftreten im Gerichtssaal: Am ersten Prozesstag hatte er sich ja beispielsweise auf der Anklagebank eine Zigarette gedreht.
Wie geht es an den kommenden Prozessterminen weiter? Am Freitag (9. Juni) kommen einige Polizisten zu Wort, die in Einsätzen mit dem Mann aus Kinderhaus zu tun hatten. Dann – am nächsten Mittwoch (14. Juni) – sind die für’s Erste letzten Zeugengespräche geplant. Danach entscheidet sich, wann genau es das Urteil gibt. Bisher ist es ja für Ende des Monats geplant, es könnte sich dann bei Bedarf um ein paar Tage verschieben. Bisher deute darauf aber noch nichts hin, sagte ein Amtsgerichtssprecher auf ANTENNE MÜNSTER-Nachfrage. Und spannend dürfte noch die Aussage des Psychologen sein, der den Prozess begleitet, ehe die Staatsanwälte sich äußern, welche Strafe sie für angemessen halten. Er muss dann sein Gutachten vorstellen, in dem er der Richterin rät, was mit dem Angeklagten nach dem Prozess passieren sollte.
Feueralarm unterbrach Prozess am Mittag
Eine Alarm-Sirene hatte den Prozess im Amtsgericht am Schlossplatz am Mittwochmittag (07.06.) gut eine Dreiviertelstunde lang unterbrochen. Alle Menschen mussten das Gebäude verlassen. Mittlerweile ist klar, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Die Beteiligten haben kurze Zeit später wieder das Gerichtsgebäude betreten. Als der Alarm losging, sagte gerade die Nachbarin des Angeklagten aus.

