Wieder mehr Kirchenaustritte

Stadtdekanat Münster veröffentlicht kirchliche Statistik für 2018

Bischof Dr. Felix Genn firmt Jugendliche
© Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Stadtdekanat Münster im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: 1.436 Katholiken erklärten ihren Austritt, das waren 387 mehr als im Vorjahr. 40 Personen, die die Kirche früher einmal verlassen hatten, traten im Stadtdekanat im vergangenen Jahr wieder in die katholische Kirche ein, hinzu kamen 25 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen. Ungefähr gleich geblieben ist die Zahl derjenigen, die durch die Taufe neu in die Kirche aufgenommen worden sind. 2018 waren dies 1.122 Menschen, im Vorjahr 1.135. Wie die Bischöfliche Pressestelle am 19. Juli in Münster weiter mitteilte, lag die aktuelle Katholikenzahl im Stadtdekanat Münster Ende 2018 bei 143.244. (2017: 144.464).

Fast überall rückläufige Zahlen

Einen leichten Rückgang gab es im vergangenen Jahr im Stadtdekanat Münster bei den Menschen, die sonntags an der Messe teilnehmen. 2018 waren es 11.910 Katholiken und damit 505 weniger als im Vorjahr. Ebenfalls leicht zurückgegangen sind die kirchlichen Trauungen (2018: 289; 2017: 303) und die Erstkommunionen (2018: 974; 2017: 1.033). Gesunken ist auch die Zahl der Firmung (2018: 582; 2017: 684). Gestiegen sind hingegen die Bestattungen: (2018: 1.301; 2017: 1.255).

Bischof: "Haben Relevanz verloren"

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erklärt zu den Zahlen:

"Die Zahlen lassen sich nicht schönreden. Die Menschen stimmen mit den Füßen darüber ab, ob sie uns für glaubwürdig und vertrauensvoll halten und ob die Gemeinschaft in der katholischen Kirche ihnen grundsätzlich als notwendig für ein gutes und gelingendes Leben erscheint. Für viele gilt das leider nicht mehr. Wir haben an Relevanz für das Leben der Menschen verloren.
Sicher waren die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, bei vielen Menschen das auslösende Moment, um zu sagen: Jetzt reicht es mir endgültig. Die Verbrechen, die Priester an Kinder und Jugendlichen begangen haben, können wir nicht ungeschehen machen. Wir können nur alles in unserer Macht Stehende tun, um die Vergangenheit schonungslos aufzuarbeiten und um Betroffene erfahren zu lassen, dass sie im Mittelpunkt der Aufarbeitung stehen. Und natürlich müssen wir alles tun, um sexuellen Missbrauch künftig zu verhindern: von Anstrengungen im Bereich der Prävention bis hin zu Änderungen bei den systemischen Faktoren, die sexuellen Missbrauch in der Kirche begünstigen.
Die Austritts-Zahlen zeigen auch: Wenn wir nicht schon sehr bald nur noch eine kleine Minderheit sein wollen, bleiben große Herausforderungen, denen wir uns beherzt stellen wollen. Nicht, um einfach dem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern um Kirche in der Zeit und mit den Menschen zu sein. Wir sollten das tun, nicht um unserer selbst willen, sondern um der Menschen willen, für die und mit denen wir Kirche sind. Die Menschen müssen erfahren können, dass wir dialog- und veränderungsbereit sind, dass wir nicht uns selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern dass wir für sie da sein möchten. Wir wollen eine offene, lernfähige und auch demütige Kirche sein. Wir wollen eine Kirche sein, die das Leben bereichert und den Menschen dient. Das muss uns besser gelingen als in der Vergangenheit."

Bistumssprecher Stephan Kronenburg zu den Zahlen:


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