
Urteile im Missbrauchskomplex: 14 Jahre Haft für Adrian V.
Die Urteile im Hauptprozess um den Missbrauchskomplex von Kinderhaus wurden gesprochen.
Veröffentlicht: Dienstag, 06.07.2021 07:34
Die Urteile im Missbrauchskomplex von Münster stehen fest: Der heute 28 Jahre alte IT-Techniker aus Münster, Adrian V., wurde vom Landgericht Münster zu 14 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ordnete für die Zeit danach Sicherungsverwahrung an, da eine Wiederholungsgefahr bestehe. Eine Strafe von fünf Jahren Haft hat die Mutter des Hauptangeklagten, Carina V., erhalten. Die ehemalige Erzieherin soll von den Taten ihres Sohnes gewusst haben.
Der Hauptangeklagte Adrian V. soll seinen heute elfjährigen Ziehsohn über Jahre hinweg schwer sexuell misshandelt, vergewaltigt und anderen Männern zugeführt haben. Alle Männer erwarten ebenfalls hohe Haftstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung: Tobias S. aus dem hessischen Staufenberg muss für zwölf Jahre ins Gefängnis. Gegen Enrico L. aus Schorfheide in Brandenburg verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren. Marco S. aus Hannover muss für zehn Jahre hinter Gitter. Bei allen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie sich nach ihrer Haftstrafe wieder an Kindern vergehen könnten.
Gerichtsreporter Dirk Anger
Gerichtsreporter Dirk Anger hat die Urteilsverkündung - wie auch die vorherigen Sitzungstage des überwiegend unter Ausschluss geführten Prozesses - im Gerichtssaal verfolgt. "Es gab Momente in dem Verfahren, die haben mich schaudern lassen und die lassen mich auch jetzt nicht mehr ganz los", so Anger im Interview mit ANTENNE MÜNSTER-Nachmittagsmoderatorin Luisa Meng.
Die Gartenlaube in Kinderhaus
Haupttatort in dem Fall ist eine mittlerweile abgerissene Gartenlaube in Kinderhaus, die der Mutter des Hauptangeklagten gehört hatte. Im Juni 2020 fanden die Ermittler hier riesige Mengen kinderpornografisches Datenmaterial: 500 Terrabyte, was ausgedruckt etwa 3 Milliarden DinA4-Seiten bedeuten würde. Bis heute hat die Polizei erst etwas mehr als die Hälfte davon sichten können.
Ermittlungen im In- und Ausland
Der Fall Münster zieht bis heute weite Kreise. Mehr als 50 Verfahren gegen weitere Verdächtige laufen im Moment und es kommen immer wieder weitere dazu. Die Ermittler finden in den Aufnahmen auch immer wieder Hinweise auf weitere Opfer: Über 30 Kinder hat die Polizei auf den Aufnahmen ausgemacht. Noch sind nicht alle davon namentlich bekannt.
Weitere Verfahren
Allen Angeklagten im Hauptprozess drohen danach noch weitere Verfahren. Die bisher verhandelten Taten sollen nur die Spitze des Eisbergs sein. Viele Fälle, in denen sich die Angeklagten gegenseitig Kinder für schwerste sexuelle Handlungen vermittelt haben sollen, waren noch gar nicht Gegenstand des Hauptprozesses. Auch die Mutter des 11-Jährigen Ziehsohns wird sich noch vor Gericht verantworten müssen. Sie sitzt zur Zeit in Untersuchungshaft, weil sie nicht nur von den Taten ihres Lebensgefährten gewusst, sondern auch dabei geholfen haben soll.