UKM-Virologe äußert sich zu Corona-Impfstoff

Professor Stephan Ludwig vom Institut für Virologie der Uni Münster ist froh, dass es jetzt einen Impfstoff gegen Corona gibt. Im ANTENNE MÜNSTER-Interview warnte Ludwig jedoch auch vor zu hohen Erwartungen. 

© UKM

Erstmals gibt es zu einem für Europa maßgeblichen Corona-Impfstoff Zwischenergebnisse aus der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase. Das Mainzer Unternehmen "Biontech" und der Pharmakonzern "Pfizer" teilten am Montag (09.11.) mit, ihr Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. Schwere Nebenwirkungen seien nicht registriert worden. "Biontech" und der Pharmariese "Pfizer" wollen voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen.

Virologe Stephan Ludwig im ANTENNE MÜNSTER-Interview

Auch Professor Stephan Ludwig vom Institut für Virologie der Uni Münster ist froh, dass es den Impfstoff gegen Corona gibt. Dennoch bleibt er vorsichtig und "nicht überschwänglich":

Die ersten Daten sehen gut und vielversprechend aus. Aber natürlich ist diese Studie noch nicht abgeschlossen und bis wir das Endergebnis haben, wird es noch etwas dauern.

Dass die Entwicklung des Corona-Impfstoffes jetzt weniger als ein Jahr - also kürzer als normalerweise - gedauert hat, kann Ludwig erklären. Denn zum einen gab es eine Technologieplattform, die relativ schnell zu Ergebnissen führen könne. Außerdem haben Zulassungsbehörden schnell gearbeitet und beispielsweise weitere Schritte schon früher erlaubt. "Natürlich war der Druck jetzt da und es musste schnell gehen", erklärt Ludwig. Trotzdem müsse man sich natürlich trotzdem weiterhin an die geltenden Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen halten, da es dauern werde, bis der Impfstoff ausreichend verteilt sei.

"Es ist zu hoffen, dass der Impfstoff für alle geeignet ist, eine genaue Aussage ist aber noch nicht möglich", sagt Stephan Ludwig im ANTENNE MÜNSTER-Interview mit Morgenmoderatoren Miriam Gerding und Gerrit Nissen. Da erzählt er auch, wie die Abwägungen aussehen, wer den Impfstoff dann zuerst bekommen soll:

© ANTENNE MÜNSTER

Liefervertrag über Corona-Impfstoff schon ausgehandelt

Der vielversprechende Corona-Impfstoff soll den Menschen in Deutschland und den übrigen EU-Staaten nach der Zulassung rasch zur Verfügung stehen. Aus EU-Kommissionskreisen hieß es am Dienstag, der Liefervertrag mit den Pharmaunternehmen sei in trockenen Tüchern. Am Mittwoch werde der fertig ausgehandelte Liefervertrag über 300 Millionen Impfdosen nun noch von der EU-Kommission gebilligt, erklärte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Sobald die Verträge für den europäischen Markt unterzeichnet sind, haben alle Länder in der EU gleichzeitig Zugriff auf den Impfstoff. Dann werde nach Bevölkerungsstärke aufgeteilt. Von zunächst 200 Millionen Impfdosen will sich Deutschland bis zu 100 Millionen sichern, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Für einen erfolgreichen Impfschutz seien zwei Impfdosen pro Person notwendig.

Land NRW bereitet sich vor

Das Land NRW rüstet sich schon jetzt für Impfungen gegen das Corona-Virus. Bislang habe das Gesundheitsministerium in NRW rund 2,2 Millionen Spritzen und etwa 8,8 Millionen Kanülen bestellt, so eine Sprecherin. Zusätzliche 18 Millionen Spritzen seien auch schon fest vereinbart.

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