
Svenja Schulze: Überraschungs-Besuch in Odessa
Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze aus Münster ist überraschend in die Ukraine gereist. In Odessa besuchte sie eine Wärmestube und ein bombardiertes Umspannwerk.
Veröffentlicht: Freitag, 20.01.2023 04:00
In der wichtigen Hafenstadt Odessa im Süden des Landes hat die Ministerin konkrete Unterstützung bei der Strom-, Wärme und Wasserversorgung sowie medizinische Hilfe angekündigt. Dafür sollen 52 Millionen Euro aus Deutschland fließen. Schulze besuchte in Odessa unter anderem eine Wärmestube und ein bombardiertes und wieder repariertes Umspannwerk. Auch ein UNICEF-Zentrum für traumatisierte Kinder und Familien stand auf dem Besuchsplan der Ministerin. Im strategisch wichtigen Hafen von Odessa versprach Svenja Schulze deutsche Unterstützung bei den Getreidelieferungen, insbesondere nach Afrika.
Schulze: "Menschen in der Ukraine sind stark und geben nicht auf"
Schulze sagte bei ihrem Besuch, sie sei tief beeindruckt, wie stark und widerstandsfähig die Menschen in der Ukraine sind und immer wieder Hoffnung schöpften:
Trotz der furchtbaren und doch alltäglichen Bedrohung durch den russischen Angriffskrieg zeigen die Ukrainerinnen und Ukrainer eine beeindruckende Stärke und Widerstandskraft. Die Menschen hier geben nicht auf, sondern reparieren unermüdlich die Schäden des Krieges. Die Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser, gerade jetzt im tiefsten Winter, entscheidet mit über die Widerstandskraft der ukrainischen Gesellschaft in diesem Krieg. Darum braucht die Ukraine nicht nur Waffen, sondern auch zivile Unterstützung, um stark zu bleiben. Die Ukraine beginnt jetzt schon mit dem Wiederaufbau, weil sie an eine bessere Zukunft glaubt. Ich bin hergekommen mit der Botschaft: Deutschland steht Euch auch beim Wiederaufbau solidarisch zu Seite, denn auch unser Ziel ist eine gute, europäische Zukunft einer freien Ukraine.
2022 hatte Schulzes Ministerium die Ukraine mit rund 600 Millionen Euro für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit unterstützt. Auf die anlässlich der aktuellen Reise zugesagten 52 Millionen Euro sollen zudem weitere Mittel in erheblichem Umfang folgen.
Ukraine spendet Getreidelieferungen für Entwicklungsländer
Ein weiterer Termin des Odessa-Besuchs war der Hafen von Tschornomorsk, wo ukrainisches Getreide über das Welternährungsprogramms (WFP) zur Bekämpfung der Hungerkrisen in Entwicklungsländern verladen wird. Der Getreide-Export ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in der Ukraine und für viele Entwicklungsländer überlebenswichtig. Der kriegsbedingt eingeschränkte Seehandel in der Ukraine hatte im vergangenen Jahr dramatische Folgen für die weltweite Ernährungssicherung. Trotz aller eigenen Herausforderungen hat die Ukraine mit der Initiative „Grain from Ukraine“ mit Unterstützung der Vereinten Nationen Weizen für Entwicklungsländer gespendet. Die Initiative wird von der Bundesregierung unterstützt, so Schulze:
Deutschland steht fest an der Seite der Ukraine. Aber wir verlieren auch den Rest der Welt nicht aus dem Blick. Auch das verbindet uns mit der Ukraine. Putin nutzt Hunger als Waffe und nimmt den globalen Süden in Geiselhaft. Wir arbeiten an Lösungen für Ernährungssicherheit und die Ukraine tut das ebenfalls. Dass die Getreidelieferungen jetzt wieder möglich sind, ist gut für alle: für die Entwicklungsländer, für uns Europäer, aber auch für die Ukraine selbst – denn die Landwirtschaft ist das Rückgrat der ukrainischen Wirtschaft.
Ministerin Schulze ist nach ihrem Ukraine-Aufenthalt weiter in die Republik Moldau gereist. Deutschland werde auch dem ukrainischen Nachbarland Moldau helfen, die Folgen des russischen Angriffskriegs zu bewältigen. Moldau nimmt aktuell viele Geflüchtete aus der Ukraine auf.
ANTENNE MÜNSTER-Morgenmoderator Jonas Menke hat mit der Ministerin nach ihrem Ukraine-Besuch telefoniert:

