
Sportwissenschaftler der Uni optimieren Torhüter-Leistungen
Wie können Keeper noch besser werden? Das untersuchen Sportwissenschaftler der Uni Münster zusammen mit der Gesellschaft für Biomechanik Münster (GeBioM) und dem von Oliver Kahn gegründeten Unternehmen Goalplay.
Veröffentlicht: Mittwoch, 04.09.2019 16:00
Torwarte stehen in fast jedem Fußballspiel auf dem Platz im Mittelpunkt. Umso wichtiger ist es, dass sie ihre Leistungen stets verbessern. Prof. Dr. Heiko Wagner, Professor für Bewegungswissenschaft des sportwissenschaftlichen Instituts der Uni Münster, erklärt im ANTENNE MÜNSTER-Interview, wie hier die Wissenschaft helfen kann:
"Das sind inzwischen so kleine Veränderungen, die optimiert werden müssen, dass man sie nicht mehr einfach sehen oder fühlen kann. Sondern an der Stelle ist einfach moderna Messetechnik gefragt."
Deswegen haben Sportwissenschaftler der Uni Münster zusammen mit GeBioM und Goalplay ein Verfahren entwickelt, wie bestimmte Bewegungsabläufe eines Keepers gemessen und ausgewertet werden können. Goalplay wurde unter anderem vom ehemaligen Trainer von Oliver Kahn, Markus Raupp, bei dem Live-Test vertreten.
Großes Interesse auch bei prominenten Vereinen
Die Live-Demonstration des Messverfahrens auf dem Sportplatz am Horstmarer Landweg stieß auf reges Interesse, sowohl bei Vereinen der Bundesliga als auch bei Münsters Fußballvereinen, wie zum Beispiel bei Preussen Münster. Neben den Torwart-Trainern von Werder Bremen, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und dem Torwart-Trainer in der Jugend von Borussia Dortmund (Thomas Schlieck) waren sogar Trainer von Ajax Amsterdam vertreten. Thomas Schliek zeigte sich noch eher skeptisch, das Verfahren sei noch in den Kinderschuhen:
"Die Situationen, die wir jetzt gerade abbilden, sind nicht so spielnah. [...] Es ist ein sehr statischer Vorgang, das heißt, der Torwart steht in der Position, aus der er reagiert und da müsste man schon dahinkommen, dass man mit mehr bewegten Bällen arbeitet. Vielleicht mit dem Pass, der vor der Situation ist, um dann zu sehen, wie er sich in die entscheidende Position bewegt."
Technik auf dem neusten Stand
Spezielle Druckmesssohlen in den Schuhen des Torwarts messen die Druckverteilung beim Absprung. Je stärker der Druck, desto wärmer der Farbton in der Auswertung hinterher. Der Torhüter wird für die Messung außerdem mit mehreren Markern am Körper ausgestattet. Diese reflektieren Infrarotblitze, die von mehreren empfindlichen High-Speed-Videokameras ausgesendet werden. Die Kameras filmen gleichzeitg die Bewegungsabläufe des Torwarts und des Torschützen. Die Reflektionen der Marker sind dann als rote Lichtpunkte vor schwarzem Hintergrund auf dem Bildschirm zu erkennen. Alle Punkte zusammen ergeben ein dreidimensionales Bild.
Prof. Dr. Wagner von der Uni Münster erklärt die Messtechnik noch einmal im Detail:
Was kann gemessen werden?
Aus den Daten können unter anderem Erkenntnisse über den Laufweg des Torspielers, den Moment des Schusses, über die Kraftverteilung des Torwarts beim Absprung und seine Hüftposition als auch über die zeitliche Koordination der Beinarbeit gewonnen werden. Auch die Trefferfläche lässt sich berechnen und minimieren.
Ziel der Forschung ist es, das Training der Torwarte auf die Auswertungergebnisse ausrichten und somit auch die Technik der Keeper perfektionieren zu können. Einziger Knackpunkt: Die Technik ist sehr teuer und kann daher nicht von jedem Verein genutzt werden.

