
Ratsantrag: Das 1-Euro-Ticket
Wie bekommen wir mehr Menschen dazu, vom Auto auf den Bus umzusteigen? Die neue Ratsmehrheit hat einen Plan.
Veröffentlicht: Dienstag, 08.12.2020 12:27
„Für mehr Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit im Nahverkehr: Das 1 Euro Ticket für Münster“ - der Titel des Ratsanstrags verspricht viel in Sachen Verkehrswende. Bevor es soweit ist, wird aber noch einige Zeit ins Land gehen. Die neue Ratsmehrheit aus Grünen, SPD und Volt schlägt mehrere Schritte für günstigeres Busfahren vor. Zunächst soll das bestehende 8-Uhr-Ticket auf den frühen Morgen ausgeweitet werden, damit dann auch Pendler weniger für den Bus bezahlen müssen. Später soll es dann ein Jahresabo für 365 Euro geben. Und geprüft werden soll dann auch, ob irgendwann mal Einzelfahrten nur 1 Euro statt jetzt gut 2 Euro kosten könnten. Die Stadtverwaltung soll gemeinsam mit den Stadtwerken dazu einen Plan erarbeiten und auch die regionalen Busunternehmen dabei mit einbeziehen.
Wie könnte das 1-Euro-Ticket finanziert werden?
Fakt ist: Den Stadtwerken würden durch so günstige Bustickets Einnahmen von etwa 6 Millionen Euro entgehen. Außerdem müsste das Unternehmen zusätzliches Geld in mehr Busse und mehr Fahrer/-innen investieren, weil durch die günstigen Ticketpreise mehr Menschen vom Auto auf den Bus umsteigen - so zumindest der Plan. Nach dem Willen der Ratsmehrheit soll die Stadt dazu verschiedene Vorschläge zur Finanzierung prüfen. Es könnte Geld aus den städtischen Parkhaus- und Parkplatzeinahmen genutzt werden und außerdem sind Fördermittel von Bund und Land denkbar.
ANTENNE MÜNSTER-Chefreporter Matthias Menne fasst zusammen.
Wie läuft es in anderen Städten?
In Wien gibt es zum Beispiel das Jahresabo für 365 Euro. Also das, was im Ratsantrag für Münster auch vorgeschlagen wird. Dort wird dieses Abo sehr gut angenommen. Allerdings ist der ÖPNV in Wien mit vielen Haltestellen und sehr dichter Bustaktung auch besser ausgebaut als bei uns in der Stadt. Anders sieht es in Bonn aus. Dort funktioniert der Plan, mit einem günstigen Jahresabo mehr Menschen vom Auto in die Busse zu locken, noch nicht so gut - unter anderem, weil das Angebot nur in der Stadt und nicht für Fahrten über die Stadtgrenze hinaus gilt. In Münster soll die Stadt deswegen nicht nur mit den Stadtwerken, sondern auch mit den Betreibern des Regionalverkehrs sprechen.
ANTENNE MÜNSTER-Chefreporter Matthias Menne fasst zusammen.
Kommt nach dem 1-Euro-Ticket das kostenlose Busfahren?
In einigen Städten können die Menschen schon jetzt kostenlos Bus fahren. Als Vorreiter gilt Tallinn, die Hauptstadt von Estland. Dort ist der ÖPNV schon seit 2013 kostenlos. Luxemburg bietet seit diesem Jahr ebenfalls kostenloses Busfahren an, genauso wie Augsburg (in der Innenstadt) und Monheim am Rhein. Die Angebote werden entweder vom Staat oder aus den städtischen Haushalten finanziert. Danach sieht es in Münster auf längere Sicht noch nicht aus.