
Probleme im Zugverkehr bleiben
Bahnfahrgäste in Münster werden wohl noch lange mit Zugausfällen leben müssen. Der Zweckverband NWL gibt eine düstere Prognose ab.
Veröffentlicht: Dienstag, 27.09.2022 10:00
Pendler:innen sind schon seit einigen Wochen Kummer gewohnt. Einige Fahrpläne im Raum Münster sind ausgedünnt, insbesondere auf der Strecke über Dülmen und Recklinghausen nach Essen. Dazu kommen immer wieder kurzfristige Zugausfälle. Hauptgründe für die Misere bleiben der Personalmangel und technische Störungen an Fahrzeugen sowie Strecken. Obwohl alle Beteiligten massive Anstrengungen unternehmen, werde sich die Situation eher noch verschärfen als entspannen, heißt es vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL).
Die Kombination aus Infrastrukturschäden, Fachkräftemangel und Fahrzeugdefekten macht inzwischen so gut wie jeden Betriebstag für Beschäftigte wie für Fahrgäste zur Herausforderung. Während einerseits die Instandhaltung der Infrastruktur mehr und mehr zum Kraftakt wird, so ist andererseits der zunehmende Personalmangel zum alles beherrschende Problem geworden. Grundsätzlich haben diverse Krisen, permanentes Nachsteuern und Dauerbelastung die Krankenstände in bisher nicht gekannte Höhen schnellen lassen. Da die Belastungen perspektivisch nicht geringer werden, gehen Fachleute davon aus, dass sich die Krankenstände auf einem Niveau einpendeln werden, das deutlich über früheren Quoten liegt.
In NRW werden bis 2030 jährlich 300 neue Triebfahrzeugführer:innen (Tf) benötigt, um den demografischen Wandel auszugleichen. Weitere 100 Tf fehlen als Basis, um zuverlässigen Nahverkehr sicherzustellen. Da auch im Güter- und Fernverkehr die gleichen Probleme existieren, wird insgesamt noch eine wesentlich höhere Anzahl neuen Personals benötigt. Und dies nicht nur im Tf-Bereich: Auch im Zugbegleitdienst, in den Werkstätten, in den Leitstellen und auch in der Verwaltung ist die Situation angespannt. Obwohl alle beteiligten Player mit Hochdruck Initiativen zur Personalrekrutierung und -ausbildung ergriffen haben, ist mit einer weiteren Verschärfung der Personallage zu rechnen.