
Preußen Münster zum zweiten Mal viertklassig
In den neun Drittliga-Jahren war Preußen Münster der 2. Liga oft näher als der 4. Liga. Doch nun ist der Traditionsclub in die Regionalliga abgestiegen und steht vor einer ungewissen Zukunft.
Veröffentlicht: Donnerstag, 02.07.2020 12:40
Das war's. Schon am vorletzten Spieltag steht der SCP als dritter Absteiger der Dritten Liga fest. Nach einem 0:3 zu Hause gegen Meppen müssen die Preußen in der kommenden Saison für die Regionalliga planen. Weil der FSV Zwickau im Parallelspiel gegen den Chemnitzer FC mit 2:1 gewinnen konnte, ist der Klassenerhalt für die Preußen am letzten Spieltag auch rechnerisch nicht mehr möglich.
Ausgekontert
Schon nach fünf Minuten ging der SV Meppen durch Guder in Führung. Danach zeigten die Preußen einen engagierten Auftritt und brachten den Ball sogar zwei Mal im Tor der Meppener unter - nur leider standen die Preußen beide Male im Abseits. Auch nach dem Seitenwechsel kamen die Preußen als die bessere Mannschaft aus der Kabine, konnten den Ball aber nicht über die Linie drücken. Im Gegenzug vollendeten die Meppener zwei Konter (50. + 52.) und besiegelten damit den Abstieg des Gründungsmitglied der Bundesliga.
Am ersten Bundesliga-Spieltag der Geschichte empfing Preußen Münster 1963 den Hamburger SV mit Uwe Seeler. Nach dem feststehenden Abstieg in die Regionalliga heißen die künftigen Gegner SV Straelen, FC Wiedenbrück oder FC Wegberg-Beeck. Der zweite Absturz in die Viertklassigkeit nach 2006 bis 2011 hinterlässt beim Bundesliga-Gründungsmitglied fast überall Baustellen.
Die Zukunft von Sportchef Malte Metzelder und Trainer Sascha Hildmann ist ebenso offen wie die der meisten Spieler. Und für die seit Jahren schwelende Stadion-Frage dürfte der Abstieg ebenfalls ein heftiger Rückschlag sein.
Reaktionen
Torhüter Maximilian Schulze Niehues (31), der schon in der Jugend für die Preußen spielte und in allen neun Drittliga-Jahren seit 2011 im Kader stand, setzte sich hinter sein Tor und weinte hemmungslos. Simon Scherder (27), ebenfalls gebürtiger Westfale und seit 2012 im Verein, brach beim TV-Interview mit "Magenta Sport" immer wieder die Stimme. "In einem Endspiel kann man so eine Vorstellung nicht bringen", sagte er: "Es tut mir leid für alle Fans und Mitarbeiter von Preußen."
"Heute macht es keinen Sinn, über die Zukunft zu sprechen, wir sollten den Anstand haben und das Spiel sacken lassen", sagte Malte Metzelder, 17 Monate jüngerer Bruder des früheren Vize-Weltmeisters Christoph Metzelder, den "Westfälischen Nachrichten". In der "Bild" erklärte der 38-Jährige: "Wir werden zeitnah entsprechende Ergebnisse kommunizieren. Ich weiß, dass es Kritik geben wird und stelle mich in den Wind."
NACHTRAG DAZU: Preußen-Sportdirektor Malte Metzelder hört auf. Diese Entscheidung hat er am Donnerstag Nachmittag (02.07., 14:30 Uhr) der Presse verkündet. Sein Vertrag wird nicht verlängert.
Trainer Sascha Hildmann wirkte derweil komplett niedergeschlagen. Nach dem Schlusspfiff zog er sich die Baseball-Cap vom Kopf, fuhr sich verzweifelt durch die Haare und wanderte dann eine Weile alleine über das Spielfeld. "Das ist ein bitterer Augenblick und ein schlimmer Moment", sagte der 48-Jährige: "Ich hätte Preußen so gerne gerettet."
In den sozialen Medien ist von Häme bis Trauer alles dabei: Der Abstieg der Preußen ist ein sehr emotionales Thema. Viele stellen jetzt sogar das neue Preußenstadion in Frage. Aber es gibt auch andere Stimmen, wie Lilly, die uns auf Facebook geschrieben hat: "Mein Verein in guten, wie in schlechten Zeiten". Das scheint auch dem allgemeinen Konsens zu entsprechen: Auch wenn es in der nächsten Saison in der Regionalliga weiter geht, wollen die Fans weiterhin hinter den Preußen stehen.
Experte: Es bleiben viele offene Fragen
ANTENNE MÜNSTER-Nachmittagsmoderator Matthias Kamps im Experten-Interview mit Alexander Heflik, Sportchef bei den "Westfälischen Nachrichten":