
Preußen-Gastspiel auf Schalke
Wenn der SC Preußen Münster heute (28.02., 18:30 Uhr) beim FC Schalke 04 antritt, prallen zwei Fußballwelten aufeinander.
Veröffentlicht: Freitag, 28.02.2025 05:30
Das renommierte Schalke mit einem riesigen Fanaufkommen hat eins der größten Budgets der 2. Fußball-Bundesliga, Münster gehört zu den Underdogs. Allein der Gästeblock in der Arena auf Schalke fasst beinahe halb so viele Zuschauer wie das gesamte Stadion der Münsteraner.
Beide Vereine befinden sich im Umbruch - doch die Entwicklungen gehen in gegensätzliche Richtungen. Schalke stürzte innerhalb weniger Jahre von der Champions League in den Abstiegskampf der 2. Liga ab. Hinzu kamen zahlreiche Trainerwechsel. Zudem muss der Club unter großem Druck einen Schuldenberg in dreistelliger Millionenhöhe abtragen. In Münster geht es dagegen langsam bergauf.
Abstiegskampf ohne Trainerdiskussionen
Der SCP versucht gerade, eine Art SC Freiburg der zweiten Liga zu werden. Zwar steckt auch Münster mitten im Kampf um den Klassenerhalt, doch von Hektik oder Trainerdiskussionen ist hier keine Spur. Sascha Hildmann ist bereits seit fünf Jahren als Chefcoach im Amt. Eine neue kaufmännische Gelassenheit prägt das Handeln.
Nach zwei überraschenden Aufstiegen in Serie von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga möchte der Verein - immerhin einst Gründungsmitglied der Bundesliga - wieder langfristig Erfolg im Profifußball haben. Ohne jedoch zu große Erwartungen zu schüren oder über die eigenen Ambitionen zu stolpern.
"Mit dem Überraschungscoup des Doppelaufstiegs wollen wir sehr verantwortlich umgehen", sagt Geschäftsführer Ole Kittner. Den unverhofften Geldregen durch die beiden Aufstiege habe man nicht in einen teuren Kader investiert, sondern stattdessen Rücklagen gebildet, "damit wir auch bei einem Abstieg finanziell stabil bleiben".
"Eine Mannschaft, die sich über das Kollektiv definiert"
Mit dem Rücken zur Wand steht hier trotz Abstiegskampf niemand. "Die Zukunft von Preußen Münster sieht sehr, sehr positiv aus", sagt Kittner. Sportlich läuft es in der Liga bisher nicht schlecht: Bis auf das Auswärtsspiel beim HSV (1:4) war der Aufsteiger in dieser Saison in allen Spielen auf Augenhöhe und verlor nur zweimal mit mehr als einem Tor Unterschied.
"Wir haben eine Mannschaft, die sich über das Kollektiv definiert. Jeder Spieler in der Kabine hat eine klare Rolle und eine Perspektive für sich. Da ist keiner dabei, der einfach nur in der Mannschaft ist, aber nicht weiß, wann er eigentlich zum Zuge kommen kann. Das ist zum einen wirtschaftlich effizient, aber auch für die Teamdynamik ein ganz wichtiger Faktor."
Parallelen zum SC Freiburg
Münsters Auftritt erinnert nicht nur sportlich an den SC Freiburg, der über Jahre trotz verhältnismäßig bescheidener finanzieller Mittel überdurchschnittlich großen Erfolg in der Bundesliga hatte.
Auch abseits des Platzes gibt es viele Parallelen: Wie Freiburg ist Münster eine Fahrradstadt mit einem etablierten Bildungsbürgertum, einer großen Universität und vielen mittelständischen Familien-Unternehmen in der Region.
Das wirtschaftliche Potenzial des Münsterlandes möchte der Verein jetzt in langfristigen sportlichen Erfolg übersetzen - mit Hilfe der Einnahmen aus einem neuen Stadion, das derzeit im laufenden Spielbetrieb umgebaut wird. Der Umbruch des Vereins ist quasi bei jedem Heimspiel zu beobachten.
Neue Beziehung zwischen Stadt und Verein
Der Umbau des Stadions ist auch ein Symbol für eine gewandelte Beziehung zwischen Verein und Stadtgesellschaft. Noch vor wenigen Jahren galt der Club mit seiner Fanszene als eine Art Schmuddelkind in der wohlhabenden, konservativ geprägten und auf Ordnung bedachten Stadt.
Doch mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Immer mehr Kinder tragen Trikots der Preußen, die Sponsoren kommen fast alle aus der Region, und erstmals in der Geschichte des Vereins stehen einige der Münsteraner Kaufleute hinter dem Club.
Aktuell belegt Münster Platz 15, mit fünf Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsrang. "Wenn wir die Klasse jetzt halten, dann ist das wie ein Brandbeschleuniger für die Entwicklung von Preußen Münster", sagt Kittner.
Und wenn nicht? "Dann ist das nicht das Ende der Entwicklung, sondern eigentlich nur ein Vorgriff auf das, was noch kommt", sagt sein Geschäftsführerkollege Markus Sass.
Text von Maximilian von Klenze, dpa

