Plastikmüll reduzieren - Wie geht das?

In Münster haben wir 2017 fast 10.000 Tonnen Plastikmüll verursacht. Deutschlandweit waren das etwa 220 Kilogramm im Jahr pro Kopf. Das ist eindeutig zu viel. Dagegen hat sich eine Gegenbewegung gegründet - Zero Waste!

Nirgendwo sonst wird so viel Plastikmüll verursacht wie in Deutschland. Die Stimmen gegen die Verschwendung von Ressourcen und die daraus folgende Verschmutzung der Umwelt werden immer lauter. Auch hier in Münster ist die Zero Waste-Bewegung vertreten. Regelmäßig gibt es Treffen von Gleichgesinnten, die sich austauschen und informieren.

Leben ohne Plastikmüll

Ein ganzes Jahr Plastikmüll in einem Glas© ANTENNE MÜNSTER
Ein ganzes Jahr Plastikmüll in einem Glas
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Julia Larionova ist ein fester Bestandteil der Zero Waste-Gemeinschaft in Münster. Sie lebt mit Ehemann und Kind seit 2016 Plastik-frei. Zumindest so gut es geht, berichtet sie im ANTENNE MÜNSTER-Interview. Mancher Plastikmüll lässt sich einfach nicht vermeiden, vor allem was die medizinische Versorgung angeht.

Ihr Einstieg in den Zero Waste-Lebensstil war der Blick darauf, wo der Müll überhaupt anfällt. Dort setzte sie gezielt an und fing an zu reduzieren, wo es ging. Erst verbrauchten ihre Familie und sie alles, was sie noch im Haushalt hatten. "Dadurch hatten wir nicht den Moment, in dem alles zu teuer war". Danach ersetzte sie Schritt für Schritt Plastik mit Edelstahl und Baumwolle. Gar nicht so einfach, gibt sie zu. Vor allem mit einem Baby. Sie schwört trotz des Aufwands auf Stoff-Windeln. "Mit einem Kind ist man sowieso die ganze Zeit am Waschen", lacht sie.

Wie genau Julia jetzt lebt, um Plastikmüll möglichst zu vermeiden, hat sie unseren ANTENNE MÜNSTER-Morgenmoderatoren Miriam Gerding und Gerrit Nissen erzählt.

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Nicht überall lässt sich Plastik vermeiden

Ein Großteil ihres Plastikmülls aus dieser Zeit kam durch medizinische Utensilien, wie Fieberzäpfchen, zusammen. Auf die Bitte Interessierter hat sie den Müll aus dem letzten Jahr in einem Glas gesammelt, was sie zur Anschauung zu ihren Vorträgen mitbringt. Damit möchte sie Menschen ermutigen und zeigen, was möglich ist. Julia ist es wichtig, dass niemand davon ausgeht, dass man den Schritt ins Zero Waste-Leben von heute auf morgen tun muss. Man kann langsam anfangen: Erst alles aufbrauchen, dann Schritt für Schritt reduzieren, und dann komplett auf umweltfreundliche Alternativen umsteigen.

Für Anfänger in Zero Waste hat sie Tipps, wie man Plastikmüll vermeiden kann. Wir haben sie für Euch zusammengefasst und noch ein paar hinzugefügt:

Wie man Plastik reduzieren kann - Tipps und Tricks

Verwende alles wieder, was wiederverwendbar ist. Das heißt, wirf Plastiktüten nicht direkt in den Müll, sondern benutze sie solange es geht. Wenn sie dann tatsächlich kaputt sind, steige auf Baumwoll- und Jutetaschen um. Diese können gewaschen werden und sind umweltfreundlicher.

Verwende Plastikflaschen mehrfach und wechsel langfristig zu BPA-freien Trinkflaschen oder Flaschen aus Glas oder Edelstahl.

Taschentücher aus Stoff sind eine umweltfreundlichere Alternative für Stofftaschentücher und können auf viele unterschiedliche Arten verwendet werden: Zum Naseputzen, als Lätzchen für Kinder, als Geschirrtuch, als Abschminktuch oder als Lappen.

Zahnärzte empfehlen es, die Zahnbürste alle drei Monate zu wechseln. Das heißt also, dass ganz schön viele Plastik-Zahnbürsten auf dem Müll landen. Mittlerweile gibt es aber Zahnbürsten aus Bambus. Auch wenn die Borsten aus BPA-freiem Nylon bestehen, lassen sich die Griffe der Bambus-Zahnbürsten zumindest vollständig kompostieren.

Für Menschen mit Regelblutung gibt es Menstruationstassen als Alternative zu Einwegbinden und Tampons. Anfangs braucht man etwas Übung beim Einsetzen, aber das wird schnell zur Routine. Sie können oft mehrere Jahre verwendet werden und sollten erst ausgetauscht werden wenn sie porös oder rissig werden.

Tipps für Fortgeschrittene und Profis

Auch im Haushalt gilt DIY (Do it yourself = Mach es selbst)

Benutze keine Fertigprodukte, sondern versuche mit möglichst regionalen Produkten zu kochen.

Man kann alles selbst machen, von der Gemüsebrühe bis zum Klarspüler. Man kann alles fermentieren, was schmeckt. Und das selbstgemachte Sauerkraut schmeckt sogar noch doppelt besser als das gekaufte...

Alte Klamotten können entweder weiterverschenkt oder weiterverkauft werden. Mit Apps wie Kleiderkreisel oder Facebookgruppen gar kein Problem. Alternativ können Altkleider auch umfunktioniert werden und aus einem Rock wird ein Kissenbezug oder aus einem Hemd werden Taschentücher.

Ein Kompost hat viele Vorteile. Es gibt für Haushalte ohne Garten sogar verschlossene Kübel für die Wohnung. Die stinken nicht, sondern riechen nur leicht säuerlich, weil sich beim Kompostiervorgang Bakterien bilden. Die entstehende Erde kann direkt wieder für die Zimmerpflanzen verwendet werden. Alternativ freuen sich aber auch (Hobby-)Gärtner darüber.

Unverpackt einkaufen

Es ist zum Geschäftsmodell geworden - unverpackt einkaufen. Das Prinzip ist einfach - man bringt seine eigenen Einmachgläser, Flaschen und Körbe mit. Die befüllt man mit der Menge an Lebensmitteln, die man braucht. An der Kasse wird gewogen.

Man verursacht keinen Müll und kauft auch wirklich nur das, was man selbst verbraucht. Gerade für kleine Haushalte kann das von Vorteil sein. Viele Biomärkte haben mittlerweile eine Ecke mit unverpackten Lebensmitteln, aber auch in Münster gibt es ausgewiesene "unverpackt"-Läden.

In der Hammer Straße gibt es den "Einzelhandel" mit Bistro zum Verweilen. Konventionell hergestellte Produkte werden mit "konv." entsprechend gekennzeichnet. Der Großteil des Sortiments besteht aber aus Bio-Produkten.

In der Warendorfer Straße gibt es außerdem "natürlich unverpackt". Wir haben uns dort etwas genauer umgeschaut.

natürlich unverpackt

Links: natürlich unverpackt-Inhaberin Anja Minhorst© ANTENNE MÜNSTER
Links: natürlich unverpackt-Inhaberin Anja Minhorst
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Anja Minhorst eröffnete den Laden "natürlich unverpackt", weil sie ein Zeichen gegen Konsum und den daraus entstehenden Müll setzen wollte. Ihr ist es wichtig, dass jeder einzelne Mensch etwas gegen die Massen an Verpackungsmüll tun kann. Bei den zirka 80 unverpackt-Läden in Deutschland wird zwar immer noch Müll produziert, aber deutlich weniger als in einem herkömmlichen Discounter zusammenkommt.

Der Fokus liegt auf regionalen Produkten. Alle Lebensmittel sind in Bio-Qualität. Zu dem Laden gehört ein Bistro mit Café. Zwei Mal im Monat trifft sich dort die Gruppe "Zero Waste Münster", eine Gruppe von Menschen, die sich dort austauschen. Das nächste Treffen findet am 10. April um 17 Uhr statt.

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