
Park- und Glasverbote am Aasee
Aggressive Stimmung, Angriffe auf Ordnungskräfte und Müllberge soweit das Auge reicht. Jetzt wollen Stadt und Polizei ausufernde Partys mit einem Paket von Maßnahmen unterbinden.
Veröffentlicht: Dienstag, 08.06.2021 15:00
Der Aasee hat sich an den letzten Wochenenden vom beliebten Naherholungsgebiet in ein wahres Schlachtfeld gewandelt. Stadt und Polizei wollen nun wieder Ordnung herstellen mit einer Allgemeinverfügung, die konsequent umgesetzt und kontrolliert wird. Unter anderem gilt ein Glasverbot zwischen Torminbrücke und Weseler Straße. Die Neuregelung soll zunächst Freitagsabends und Samstagsabends jeweils bis in den folgenden Morgen gelten.
Dass die Menschen nach einer langen Zeit des Verzichts nun das hervorragende Wetter zum Feiern nutzen wollen, ist nachvollziehbar. Die Freiheit der einen darf aber nicht zu Lasten der anderen, hier insbesondere Anwohnende und Erholungssuchende, gehen. Und über aggressives Verhalten brauchen wir gar nicht zu diskutieren.
Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer
Gegenmaßnahmen der Stadt
Glasverbot: Die Abfallwirtschaftsbetriebe hatten nach Partynächten nicht nur tonnenweise Müll entsorgt, sondern auch zahllose Glasscherben in der Fläche aufsammeln müssen. Das Glasverbot soll die weitere Gefährdung von Erholungssuchenden verhindern.
Laute Musik und störendes Grillen: Zum Schutz der Parkanlagen und der Anwohnerschaft, aber auch zur Vermeidung weiterer erheblicher Müllmengen, wird das Grillen eingeschränkt oder, wo nötig, untersagt. Auch übermäßig laute Musik wird fortan nicht mehr geduldet, die Nachtruhe umgesetzt.
Zutritt: Teile der Fußwegeverbindungen am Aasee und zu den Aaseekugeln werden abgesperrt.
Kontrollen: Ordnungskräfte von Stadt und Polizei werden rund um den Aasee verstärkt kontrollieren.
Da sich im Aasee-nahen Umfeld auch die sogenannte "Poser-, Raser- und Tuningszene" in störender Weise präsentiert, haben Stadt und Polizei weitere Maßnahmen beschlossen. So werden Parkverbotsschilder aufgestellt und Zuwiderhandlungen konsequent geahndet. Außerdem wird mit einer Fahrbahnschikane und einer Schranke in der Annette-Allee der motorisierte Verkehr ausgebremst - nicht zuletzt, um störendes Verhalten der NRW-weit präsenten Szene zu unterbinden. Ein entsprechendes Einsatzkonzept ist nun zwischen den Behörden abgestimmt worden.
Wir werden es nicht zulassen, dass die genannten negativen Begleiterscheinungen noch einmal möglich werden
erklärt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer heute (10.06) im Interview mit ANTENNE MÜNSTER-Morgenmoderator Gerrit Nissen:
Schützenswertes Naherholungsgebiet
Die zuletzt übermäßig für andere Zwecke genutzten Flächen am Aasee sind für diese Menschenmengen nicht konzipiert. Es handelt sich hier um ein attraktives Naherholungsgebiet im Herzen der Stadt - und soll mit Rücksicht behandelt werden.
Wir sind aufgrund der aktuellen Entwicklung gezwungen, die Spielregeln für ein gutes Miteinander aller Beteiligten neu zu bestimmen. Junge Menschen sollen sich hier weiterhin treffen können, aber Anliegende haben auch ein Recht auf Nachtruhe. Das weitere Miteinander entscheidet über die Maßnahmen und deren Dauer.
Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer
AWM reinigen Aaseebereich zukünftig erst ab 5:30 Uhr
Frühaufsteher müssen sich nicht wundern: Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) passen ihre Reinigungszeiten im Aaseebereich den aktuellen Gegebenheiten an. "Statt um 4:00 Uhr morgens beginnen wir jetzt erst um 5:30 Uhr mit der Reinigung", erklärt Einsatzleiter Burkhard Lotz, "dann sind die Feiernden nicht mehr vor Ort und unsere Mitarbeitenden können ihrer Arbeit ungestörter nachgehen." Dadurch werden die Bereiche natürlich erst später als gewohnt sauber.
Aasee-Anwohner:innen sind sauer: Kontrollen nicht konsequent
Zahlreiche Anwohner:innen haben sich nicht nur bei der Stadt beschwert. Auch in der ANTENNE MÜNSTER-Morningshow berichteten direkt Betroffene, die an der Annette-Allee wohnen, über katastrophale Zustände. Wildfremde Menschen würden in ihre Gärten pinkeln oder dort sogar Sex haben. Ständig gebe es auch Pöbeleien: "Man wird beleidigt, man wird beschimpft, man wird mit einem Messer bedroht, es werden Gegenstände geworfen. Man kriegt es regelrecht mit der Angst zu tun.", so Anwohnerin Elisabeth Nockemann im Gespräch mit unserem Sender.
Anwohnerin: "Meine Toleranz ist nicht mehr vorhanden"
Die Anwohner:innen, die rund um den Aasee wohnen, sind mit ihrer Geduld am Ende. Es ist nicht das Feiern und die Partys, die das Problem sind. Was die Situation unerträglich macht sind Beleidigungen, Drohungen und sogar versuchte Körperverletzung. Die Anwohner:innen sind offenbar schon mit Flaschen beworfen worden.
Party hin oder her, wir waren alle mal jung, wir haben alle auch gefeiert [...] aber nicht in diesem Ausmaß
erklärt Anwohnerin Anja Vogt.
OB Markus Lewe antwortet
Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe hat sich zu Beginn der Woche in einem kurzem Statement zur Situation am Aasee geäußert. Er betont vor allem, dass die Stadt in Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei Maßnahmen ergreifen wird um unseren Aasee wieder zu dem friedlichen Ort zu machen als der er eigentlich bekannt ist. Maßnahmen könnte zum Beispiel ein Grill- und ein Glasverbot sein. Störungen wolle man nicht mehr dulden.
