
Neue Tierart im Allwetterzoo
Der Allwetterzoo Münster ist um eine Tierart reicher. Zwei Alpenkrähen sind gegenüber der Großvogelvoliere eingezogen.
Veröffentlicht: Mittwoch, 05.02.2020 12:52
Charakteristisch für sie ist, dass sie neben tief schwarzen aber glänzenden Federn einen feuerroten Schnabel und Krallenfüße haben. Die beiden Tiere sollen aber nicht nur die Besucher begeistern. Der Zoo will mit ihnen auch züchten, um an einem Auswilderungsprojekt teilzunehmen. Denn die Alpenkrähe ist in ihrem Namensgebenden Gebirge nur noch selten anzutreffen und es gelte sie als typischen Vogel der Alpen zu bewahren.
Insgesamt hat die Alpenkrähe ein riesiges Verbreitungsgebiet, das sich über weite Teile der eurasischen Gebirge erstreckt. Als typischer Vertreter der Eiszeitfauna war sie früher weiter verbreitet und hat sich auf steppenartige Lebensräume mit Brutfelsen spezialisiert. „Von der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources; Internationale Union zur Bewahrung der Natur) wird sie zwar als ungefährdet eingestuft, gerade aber in den Alpen nehmen die Bestände deutlich ab – in den Ostalpen ist sie seit Jahrzehnten verschwunden“, sagt Artenschutzkurator Dr. Philipp Wagner, der sich freut, dass der Allwetterzoo Münster sich an diesem wichtigen Beitrag zur Arterhaltung beteiligt.
Um eine Wiederansiedelung überhaupt möglich zu machen beteiligen sich einige weitere Zoos in Europa an einem Zuchtprogramm. Derzeit wird die Art nur in wenigen deutschen Zoos gehalten: dem Tiergarten München sowie dem Tierpark Nürnberg, dem Wildpark Reuschenberg und dem Westküstenpark. Auch der Allwetterzoo gehört nun zu dem kleinen Kreis und hat ein Zuchtpaar vom Tiergarten Nürnberg übernommen. „Wir hoffen so mit viel Nachwuchs unseren Beitrag zum Erhalt einer heimischen Vogelart beizusteuern“, blickt Dr. Philipp Wagner in die Zukunft.
Die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Alpenornithologie „Monticola“ hat nun zusammen mit dem Natur- und Tierpark Goldau, dem Tierpark Dählhölzli, dem Tiergarten Nürnberg und dem Alpenzoo Innsbruck, ein Projekt zur Wiederansiedelung der Alpenkrähe in den Ostalpen initiiert. Dieses Projekt beinhaltet auch eine Vorstudie, die zum Ziel hat den notwendigen Forschungsbedarf zu evaluieren und entsprechende Studien, vor allem den Lebensraumvergleich mit den Westalpen, durchzuführen. Auf Basis dieser Ergebnisse sollen dann die Chancen auf eine Wiederansiedelung bewertet werden.
Die Alpenkrähe
Die Alpenkrähe ist ein typischer Vertreter der Eiszeitfauna und bewohnte in dieser Zeit weite Teile der vorherrschenden Mammutsteppe. An die steppenartigen Lebensräume ist sie so gut angepasst, dass sie im Holozän durch das Vorrücken der Wälder in den gemäßigten Breiten verschwunden ist und sich ihr Vorkommen heute vorwiegend auf Gebirgslandschaften konzentriert. Die Aufkommende Weidetierhaltung bewirkte dann eine weitere Ausbreitung der Alpenkrähe, da so nicht nur wieder freie Flächen entstanden sind, sondern so auch Nahrungsgrundlagen geschaffen wurden. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft, dem Rückgang der Schafhaltung und der aktiven Bejagung verschwand die Alpenkrähe aber ab dem 19. Jahrhundert großflächig aus ihren europäischen Brutgebieten. In den namensgebenden Alpen ist sie stark bedroht und in den Ostalpen seit den 1960iger Jahren verschwunden. Hier gelten der Erhalt von Trockenrasen und der Schutz vor touristischer Erschließung und direkter Verfolgung als die Hauptfaktoren, wenn man die Art in den Alpen retten will. Erfolge in der Auswilderung dieser Tiere kann aktuell der „Durrell Wildlife Conservation Trust“ verbuchen. So sind Alpenkrähen erfolgreich auf der Insel Jersey ausgewildert worden.