
Nach CSD-Anschlag: Münster gedenkt Opfern
Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin gedenkt Münster heute Nachmittag (28.07., seit 16:30 Uhr) im Rathausinnenhof den Opfern. Es gibt Raum für Trauer, Mitgefühl und Solidarität.
Veröffentlicht: Dienstag, 28.07.2026 14:50
Viele Menschen sind zur Gedenkveranstaltung in den Rathausinnenhof gekommen, um den Opfern des Anschlags beim CSD in Berlin zu gedenken. 500 Menschen nehmen nach Angaben der Polizei teil. CSD-Vereinsvorstand Jan Mittelstaedt sagt im ANTENNE MÜNSTER-Interview:
Der Anschlag von Berlin hat uns sehr betroffen gemacht.
Vor vier Jahren war Malte C. am Rande des CSD in Münster bei einer Attacke tödlich verletzt worden. Nach der Gedenkveranstaltung will der CSD Münster heute Abend (28.07.) darüber beraten, wie am 15. August der CSD in Münster ablaufen soll. Schon jetzt ist klar, dass die Polizei am 15. August mit verstärkten Kräften im Einsatz sein wird. Jan Mittelstaedt:
Fuchs: Münster bleibt weltoffen und tolerant
Oberbürgermeister Tilman Fuchs:
Der schreckliche Angriff in Berlin richtet sich gegen einen Grundwert unserer Gesellschaft: Freiheit. Diese werden wir uns nicht nehmen lassen. Als Stadtgesellschaft wollen wir der Opfer gedenken und zeigen, dass Münster weltoffen und tolerant bleibt.
Fuchs erinnert auch an die Attacke vor vier Jahren in Münster, bei der der junge trans* Mann Malte C. am Rande des CSD tödlich verletzt wurde.
Dass Menschen, die für ihre Rechte demonstrieren, besonderen Schutz brauchen, ist traurig. Wir stehen an der Seite der queeren Gemeinde und weichen nicht davon ab, dass solche Versammlungen dort stattfinden, wo sie hingehören: in die Mitte der Stadt.
Sicherheitsmaßnahmen für Veranstaltungen werden geprüft
Der Anschlag auf den CSD in Berlin hat zur Folge, dass Sicherheitsmaßnahmen für Veranstaltungen in Münster geprüft werden. Der CSD in Münster ist am 15. August. Die Teilnehmenden ziehen vom Aasee zum Prinzipalmarkt. Die Polizei ist mit verstärkten Kräften vor Ort und schützt die Teilnehmenden. Über alles Weitere wird, wie oben geschrieben, heute Abend (28.07.) beraten. Ende August feiert das Land Nordrhein-Westfalen seinen 80. Geburtstag in Münster, beim NRW-Tag werden Hunderttausende Gäste erwartet und auch das Stadtfest "Münster Mittendrin" ist am letzten August-Wochenende (28.-30.08.). Die Stadt Münster prüft in Beratung mit der Polizei die Sicherheitsmaßnahmen dafür. Die Konzepte werden vor diesem Hintergrund neu bewertet und gegebenenfalls angepasst, heißt es von der Stadt.
Stände am Lambertibrunnen
Die Rathaus-CDU hat sich dafür eingesetzt, dass Stände beim CSD in Münster am Lambertikirchplatz aufgestellt werden können. Sollte die Fläche nicht ausreichen, werde auch die Nutzung benachbarter Flächen am Prinzipalmarkt möglich sein.
Pride-Flagge am Prinzipalmarkt
Als Zeichen der Solidarität hat die Stadt gestern (27.07.) die Inter-Progress-Pride-Flagge, eine Variante der Regenbogenflagge, mit Trauerflor am Sentenzbogen des Stadtweinhauses gehisst. Dort hängt sie auch heute (28.07.) während der Gedenkveranstaltung. Neben den sechs Regenbogenfarben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett hat die Progress-Pride-Flagge sieben weitere Farben mit symbolischer Bedeutung: Schwarz und Braun stehen als Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung von People of Color. Weiß, Rosa und Hellblau gelten als Symbol der Emanzipationsbewegung von trans*Personen; Lila und Gelb für die Emanzipationsbewegung von inter* Personen.
So entstand der CSD
Der Christopher Street Day geht auf Proteste im Juni 1969 zurück. Damals widersetzten sich in der New Yorker Christopher Street bei den "Stonewall-Aufständen" Homosexuelle und Transgender nach wiederholten Razzien der Polizei im "Stonewall Inn", einem Ort für LSBTIQ* Personen. Die Ereignisse damals waren der Beginn der zweiten Emanzipationsbewegung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, intergeschlechtlichen und queeren Menschen. Seit 1979 finden in Deutschland jedes Jahr im Sommer in Erinnerung daran "Christoper Street Days" (CSD) statt. Im April 1972 fand in Münster die erste Homosexuellendemonstration in der Bundesrepublik Deutschland statt.
