
Museen ab dem 5. Mai wieder geöffnet
In die meisten Museen in Münster können jetzt nach der Corona-Zwangspause die Besucher zurückkommen.
Veröffentlicht: Montag, 04.05.2020 16:00
Die Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind ab Dienstag (5.5.) wieder geöffnet. Wie LWL-Direktor Matthias Löb (r.)und LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (l.) am Montag (04.05.) in Münster erläuterten, sind alle Vorkehrungen getroffen, um die Museumsbesucher durch Hygiene-Maßnahmen, genügend Abstand und weitere Vorkehrungen vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen.
"Je länger der Ausnahmezustand dauert, desto mehr spüren wir, dass auch Kultur systemrelevant ist. Sie gehört zur Grundversorgung wie Nahrung", sagte Löb. "Wir möchten unseren Besucherinnen und Besuchern mit der Öffnung ein wenig Kraftfutter für Geist und Seele liefern und damit ein kleines feines Stück Normalität zurückbringen." Die LWL-Museen waren seit dem 14. März wegen der Corona-Pandemie geschlossen.
Museumsgänger müssten sich zwar auf Einschränkungen wie Mundschutzpflicht und beschränkte Besucherzahl einstellen. "Aber unser Ziel ist: Wir wollen dem Besucher ein paar coronafreie Stunden ermöglichen, weil er sich mit den Themen unserer Ausstellungen beschäftigen kann. In kleinen Schritten wird jedes LWL-Museum mit seinen speziellen Möglichkeiten für ein Kulturerlebnis sorgen", so Löb. Man richte sich darauf ein, dass der "Betrieb unter Corona" noch Monate dauern könne.
Löb sieht den LWL auch in einer "Vorbildfunktion" für andere Museen. Darum biete das LWL-Museumsamt Beratung für andere Häuser an, wie auch mit kleinen Maßnahmenpaketen zumindest "Teilzeit-Eröffnungen" möglich werden könnten (im Internet unter http://www.museumsamt-corona.lwl.org).
Mundschutzpflicht und "Besucherdosierung"
Die Museen des Landschaftsverbandes haben nach Angaben von LWL-Kulturdezernentin Rüschoff-Parzinger die vergangenen Wochen genutzt, um die Voraussetzungen vor Ort zu schaffen, die eine Wiedereröffnung möglich machen. "Eine Wiedereröffnung in der Corona-Krise ist kein business as usual", so Rüschoff-Parzinger. "Die Entwicklung eines einheitlichen Hygiene-Sicherheitskonzeptes für unsere Kultureinrichtungen hat allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der LWL-Kultur ein Höchstmaß an Planung, Flexibilität und Einsatz abverlangt."
Als wichtigste Maßnahme nannte sie, dass alle LWL-Beschäftigten Mund-Nasen-Schutz und alle Besucherinnen und Besucher ab sechs Jahren in den Innenbereichen der Museen Mund-Nasen-Bedeckungen tragen müssten. "Hier sind wir allerdings auf die Unterstützung unserer Besucher und Besucherinnen angewiesen", sagt Rüschoff-Parzinger. "Masken sind ein rares Gut momentan, wir können sie nicht ausgeben oder verkaufen. Daher bitten wir unser Publikum, OP-Masken, aber auch selbstgenähte Masken sowie Tücher oder Schals selbst mitzubringen."
Außerdem regulieren alle LWL-Kultureinrichtungen den Besucherstrom, so dass die Besucherinnen im Museum den Mindestabstand von 1,5 Metern untereinander auch einhalten können. Zur "Dosierung" der Besucherzahlen gibt es Einlasskontrollen bzw. elektronische Zählsysteme. Bodenmarkierungen und Absperrbänder zeichnen Gehwege vor, markieren Mindestabstände und trennen Bereiche ab, in denen es eng werden könnte. Plexiglasscheiben schützen Mitarbeiter und Besucherinnen vor Tröpfcheninfektionen, an den Ein- und Ausgängen gibt es Desinfektionsmittelspender, und es wurden zusätzliche Reinigungszyklen organisiert. In fast allen Museen können die Besucher an der Kasse und im Shop auch Kleinstbeträge bargeldlos zahlen.
Keine Führungen, eingeschränkte Gastronomie
"Trotz solcher Sicherheitsvorkehrungen sollen sich unsere Gäste bei uns wohlfühlen", betont Rüschoff-Parzinger. "Unser Personal heißt sie herzlich willkommen und steht ihnen mit Rat und Tat und vielen wichtigen Informationen zur Verfügung. Das ist umso wichtiger, weil wir aufgrund von Corona dazu gezwungen sind, auf jegliche Form von Führungen und Veranstaltungen im Innen- und Außenbereich zu verzichten und Hands-On-Objekte abzudecken." Auch die Gastronomie-Betriebe in den Museen des LWL blieben geschlossen. Allerdings gibt es im LWL-Museum für Naturkunde einen Außer-Haus-Verkauf."
Kultur und Digitalität
Während die "analogen Museumsbesucherinnen" für die LWL-Kultureinrichtungen weiterhin von zentraler Bedeutung sind, ist auch für den LWL in der Corona-Krise das digitale Kultur-Publikum ins Zentrum der Aufmerksamkeit der LWL-Kultur gerückt. Und das soll in Zukunft auch so bleiben. "Das Digitalangebot wird den analogen Museumsbesuch unterstützen", so Rüschoff-Parzinger, "und Ausstellungseröffnungen, die weiterhin ohne Publikum stattfinden müssen, werden gestreamt und so online erlebbar. Die Zugriffszahlen auf unsere Webseiten belegen das große Interesse an den LWL-Museen. Das ermutigt uns, digitale und analoge Besuche in den kommenden Wochen noch intensiver zu verschränken und dem Museumsbesuch so eine neue Qualität zu verleihen."
Die Möglichkeiten, die LWL-Kultureinrichtungen analog zu besuchen, so Rüschoff-Parzinger, sind von Museum zu Museum unterschiedlich:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Im LWL-Museum für Kunst und Kultur sind alle Ausstellungen geöffnet, nur die Atelierräume der Kunstvermittlung sind geschlossen. Neu sind die Sonderausstellungen "Karel Dierickx" und ab dem 10. Mai die Sonderausstellung "Norbert Tadeusz" - sie wird am 9. Mai um 18 Uhr ohne Besucher per Live-Stream eröffnet.
In der "Tadeusz"-Ausstellung dürfen sich pro Ausstellungsraum maximal vier Besucherinnen gleichzeitig aufhalten, in den Sammlungsräumen maximal drei. Die Mitarbeiter an der Kasse und im Aufsichtspersonal informieren über die Wegeführung. Zusätzlich stehen "Cicerones" in der Sonderausstellung "Tadeusz" bereit und beantworten Fragen zur Ausstellung.
Das Museum hat seine Kunstvermittlung in den digitalen Raum überführt und bietet auf diversen Internet-Kanälen Filme zu einzelnen Ausstellungen, Kunstwerken und Workshops an.
EC-Kartenzahlung ist möglich.
Weitere Informationen unter: http://www.lwlmkk-digital.lwl.org/de/
LWL-Museum für Naturkunde
Im LWL-Museum für Naturkunde kann man neben der Dauerausstellung die Sonderausstellung: "Beziehungskisten - Formen des Zusammenlebens in der Natur" besichtigen. Der öffentliche Pausenraum steht den Besuchern momentan nicht zum Verweilen und Treffen zur Verfügung. Das Planetarium ist bis auf Weiteres geschlossen.
Auch die "augmented reality Sandkiste" ist für Besucher geschlossen, da der Sand nicht regelmäßig ersetzt oder gereinigt werden kann.
Neu ist "Das große Schlämmen" - Forschung live im Museumsgarten. Dabei können Besucherinnen im Museumsgarten live beobachten, wie Paläontologen Fossilien suchen. Die Forscherinnen freuen sich, wenn Besucher sie ansprechen und zu ihrer Arbeit und den Hintergründen befragen. Die Gastronomie bleibt zwar geschlossen, der Pächter wird jedoch bald auf dem Museumsvorplatz Take-Away-Food anbieten.
EC-Kartenzahlung ist möglich.
Weitere Informationen unter: http://www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de/de/
Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung
Die Burg Hülshoff in Havixbeck hat verkürzte Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 12 bis 17 Uhr. Die gesamte Dauerausstellung des Droste-Museums ist ebenso geöffnet wie die Parkanlage rund um die Burg Hülshoff.
Der zweite Standort der Droste-Museen im Haus Rüschhaus in Münster bleibt bis auf Weiteres geschlossen, da dieses Gebäude nur im Rahmen von persönlichen Führungen besucht werden kann.
In die Burg Hülshoff werden nur Kleingruppen von zwei Personen oder ein Familienverbund (zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder) - im Abstand von 15 Minuten eingelassen. Die Führung läuft ausschließlich über Audioguides, von denen eine ausreichende Anzahl vorhanden ist, damit eine sorgfältige Desinfektion gewährleistet ist.
Neben den persönlichen Führungen fehlen die im Droste-Museum sonst eingesetzten Hörstationen und weitere Utensilien zum Spiel "LIT" für Kinder und Jugendliche. Diese werden aus den Museumsräumen entfernt, sind aber an der Rezeption erhältlich, wo sie nach der Benutzung desinfiziert werden können.
Auf der Website burg-huelshoff.de hat das Museum das "Free Care-Projekt" gestartet, das alle zwei bis drei Tage digitale Care-Pakete aus Audio, Video oder Text veröffentlicht.
Außerhalb des Droste-Museums gibt es auf dem Burghof ein Angebot von "Essen und Getränken To Go".
EC-Kartenzahlung ist noch nicht möglich, es ist aber sichergestellt, dass bei Barzahlung keine Hand-zu-Hand-Übergabe nötig ist.
Weitere Informationen unter: http://www.burg-huelshoff.de
Picasso-Museum wieder geöffnet
Das Picasso-Museum ist ab Dienstag (05.05.) wieder geöffnet. „Wir freuen uns sehr, dass wir die beiden aktuellen Ausstellungen Beauty Is A Line“ und „Von Bonnard bis Picasso“ noch drei Wochen bis zum Ausstellungsende am 24. Mai zeigen können“, berichtet Andrea Hagemann, Vorstand des Picasso-Museums. Aber auch die Zeit der Schließung blieb im Museum nicht ungenutzt: „Wir haben unsere Ausstellung, das museumspädagogische Programm und eine Lesung digital zugänglich gemacht und sind mit der hohen Wahrnehmung in den Sozialen Medien sehr zufrieden. Dennoch steht der echte Museumsbesuch natürlich an erster Stelle, weshalb wir uns über die Öffnung besonders freuen.“
Öffnungszeiten der Ausstellung „Beauty Is A Line – Von Cy Twombly bis Gerhard Richter“ und „Von Bonnard bis Picasso – Die Bücher des Monsieur Vollard“: Dienstag bis Sonntag jeweils 11 Uhr bis 17 Uhr
Freilichtmuseum Mühlenhof
Auch das Freilichtmuseum Mühlenhof öffnet wieder. Als besonderes Dankeschön haben dort alle Pflegekräfte, die während der Corona-Krise unermüdlich im Einsatz sind, bis Ende Mai freien Eintritt.
Stadtmuseum
An diesem Dienstag, 5. Mai, öffnet das Stadtmuseum wieder regulär seine Pforten. Neben der hochwertigen Schausammlung, den Sonderausstellungen "Münster auf alten Postkarten" und "Form-Fläche-Farbe: Hans Kraft als Werbegrafiker 1920 bis 1960" bietet sich auch ein Rundgang durch die neueste Präsentation "Münster 1945 - 75 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg" an. Aktuell lässt sich das Stadtmuseum nur über den Seiteneingang an der Salzstraße betreten. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, sowie Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.
Kunsthalle
Auch die Kunsthalle Münster wird fortan wieder zu den gewohnten Zeiten geöffnet sein – dies allerdings erst ab Mittwoch, 6. Mai. Kein Grund, nun in Hektik zu geraten: Die hiesige Ausstellung "Tobias Euler, Thies Mynther, Veit Sprenger: Moon Machine, Landing" ist vorsorglich bis zum 22. Juni 2020 verlängert worden. Zeit genug also, die interventionistische Musikmaschine zu begutachten - eine Bricolage mit pneumatischen Instrumenten und mechatronischen Klangautomaten, Sonnenschirmen, Signalhörnern und akustischen Kollisionswarngeräten. Künstler Tobias Euler hat die Corona-Pause dazu genutzt, die Maschine weiterzuentwickeln: Orgeln, Triangeln und Klanghölzer ergänzen das bisherige Arrangement. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr.
Villa ten Hompel
Die Wiedereröffnung der Villa ten Hompel ist für Freitag, den 8. Mai, geplant – dabei ist das Datum nicht zufällig gewählt. Die Erforschung und Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen und an die Verfolgten, die Vermittlung und Dokumentation, sind das Thema des Geschichtsortes am Kaiser-Wilhelm-Ring. Am 8. Mai 2020 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa zum 75. Mal. Raum für die Auseinandersetzung mit Geschichte und aktuellen Ereignissen gibt es hier genug, allerdings nur für zeitgleich zehn Personen im Haus. Die Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag 18 bis 21 Uhr, Freitag, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr.
WWU-Museen bleiben geschlossen
Die Westfälische Universität Münster (WWU) weist im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie darauf hin, dass mit dem Bibelmuseum, dem Archäologischen Museum und dem Botanischen Garten alle drei WWU-Museen bis mindestens 31. Mai geschlossen bleiben. Bis zu diesem Datum konzentriert sich die WWU darauf, alle Pflichtangebote für das Studium inklusive der Prüfungen zu organisieren und anzubieten.
Über die anstehende Wiedereröffnung der Museen berichtet ANTENNE MÜNSTER-Chefreporter Matthias Menne im Gespräch mit Nachmittagsmoderator Matthias Kamps: