
Münsteraner sitzen im Gaza-Streifen fest
Noch immer sitzen zwei Münsteraner im Gaza-Streifen fest. Einer von ihnen ist Ahmed Abu Ergaila. In einem Interview schildert er uns seine Situation.
Veröffentlicht: Freitag, 27.10.2023 04:30
Ahmed Abu Ergaila ist Deutsch-Palästinenser und lebt seit 33 Jahren in Münster. Er und sein Sohn sind nach Gaza gereist, um dort die Herbstferien bei seiner Familie zu verbringen. Die beiden waren fünf Tage in Gaza, gingen im Meer schwimmen und verbrachten dort eine schöne Familienzeit. Dann, am 7. Oktober, ereignete sich der Angriff der Hamas auf Israel. Was dort wirklich geschehen ist, erfuhren sie erst im Nachhinein. In der Nacht flüchteten Ahmend Abu Ergaila und sein Sohn in den Süden. Seitdem wohnen sie in einer Fluchtunterkunft bei Bekannten in einem Dorf im südlichen Bereich des Gaza-Streifens, 8 km vom Grenzübergang Rafah nach Ägypten.
Wie ist die Lage gerade?
Momentan gehe es ihm sehr schlecht und er mache sich große Sorgen um sein Leben und um das Leben seines Sohnes. Die Bombardierungen Tag und Nacht seien ein Albtraum. In der Gegend seien etliche Häuser bombardiert worden. Er berichtet, dass die Nacht vom 22. auf den 23. Oktober die heftigsten Nacht in seinem Leben gewesen sei. Es hat Dauerbombardements gegeben. Am nächsten Tag wurde klar, dass mehrere Häuser mit Zivilisten bombardiert worden seien. Teilweise seien die Leichen bis heute noch in den Häusern, da man keine Maschinen habe, um die Leichen zu evakuieren.
Ausreiseversuche am Grenzübergang Rafah
Ahmed und sein Sohn haben insgesamt fünfmal versucht, am Grenzübergang Rafah nach Ägypten auszureisen. Die Ausreiseversuche seien immer wieder aus verschiedenen Gründen gescheitert. Mal hieß es an dem Grenzübergang, dass die israelische Armee dies nicht zulassen würde oder auch, dass die Ägypter die Grenze dichtgemacht hätten. Einmal waren der Münsteraner und sein Sohn dort, nachdem sie von der Deutschen Botschaft eine SMS bekommen haben, dass sie sich zum Grenzübergang begeben sollen, weil es eine kurzfristige Grenzöffnung geben würde. Als sie vor Ort waren, ging die Bombardierung der israelischen Kampfjets los. Dann ging am Grenzübergang nichts mehr. Ahmed Abu Ergaila berichtete uns, dass er sowas noch nie zuvor erlebt habe und er Angst um sein Leben hatte.
Kein fließendes Wasser mehr
Seit zwei Wochen gebe es kein fließendes Wasser mehr. Ahmed berichtet, dass es nur noch leicht salziges Wasser gäbe, dass aus eigenem Erdbrunnen raus gepumpt werden müsse. Zudem sei kein Gas mehr zum Kochen da und auch Nahrungsmittel seien Mangelware, da es keinen Nachschub gebe aufgrund der Grenzblockierung. Er will Frieden für beide Seiten und, dass Juden und Palästinenser in Sicherheit leben können.
Wie geht es weiter?
Wie es weiter gehen soll, weiß Ahmed nicht. Er hofft, dass es eine kurzfristige Lösung für die Menschen gibt, die nicht mehr aus der Region herauskommen. Und wünscht sich, dass es eine humanitäre Lösung und Unterstützung gibt, sodass die Menschen mit Medizin und Nahrungsmitteln versorgt sind. Ahmed Abu Ergaila ist nicht wirklich optimistisch und glaubt, dass das erst der Anfang sei. Informationen darüber, wie es weiter gehen soll, hat er bisher nicht.
Freunde in Sorge
Die Sorge in Ahmeds Freundeskreis ist groß. Seine Bekannten in Münster fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. In offiziellen Mitteilungen und den deutschen Medien gehe es nur um die Bemühungen um Hilfs-Lieferungen nach Gaza und die Freilassung der Geiseln der Hamas. Von den ausländischen Menschen im Gaza-Streifen sei mittlerweile keine Rede mehr, beklagt der Freundeskreis, der sich im Projekt "Münster - Globale Stadt" des Vereins "Die Linse" kennengelernt hat. Sie erwarten mehr Unterstützung und Öffentlichkeit von der Politik.
