Münster soll Hauptstadt der Freundlichkeit sein

Noch bis Sonntag läuft die "Woche der Freundlichkeit" - eine Aktion des Künstlers Thomas Nufer zusammen mit der Stadt Münster, mit der "Initiative Starke Innenstadt Münster" (ISI), dem NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration und der Ev. Apostelkirchengemeinde Münster & Ev. Andreaskirche Münster. Deshalb waren auch wir von ANTENNE MÜNSTER diese Woche ganz besonders freundlich.

© ANTENNE MÜNSTER

Ein Polizeipräsident, der Schuhe putzt oder ein Roboter am Hauptbahnhof, der Hände schüttelt und nett grüßt: Die Woche der Freundlichkeit ist ein vorläufiger Höhepunkt des Experiments "Hauptstadt der Freundlichkeit". Eine Woche lang, vom 18. bis 24. November, soll Münster mit verschiedenen Aktionen Hauptstadt der Freundlichkeit sein.

Deshalb waren auch wir von ANTENNE MÜNSTER diese Woche ganz besonders freundlich. Unsere Reporterin Flavia Doster war unterwegs. Was sie besonders Freundliches gemacht hat und welche Reaktionen sie darauf bekommen hat, das hört ihr hier:

© ANTENNE MÜNSTER
© ANTENNE MÜNSTER

Kommentar des Redaktionsnetzwerks Deutschland

Die Aktion hat durch einen Artikel des Redaktionsnetzwerks Deutschland bereits viele Münsteraner voller Selbstironie und auch bundesweit viele Leser zum Lachen gebracht. Hier der Kommentar von Matthias Schwarzer (8.11.) in voller Länge:

„Hauptstadt der Freundlichkeit”: Warum Münster einfach nur total aggressiv macht

  • Die westfälische Stadt Münster ist viel zu perfekt.
  • Jetzt wird sie auch noch “Hauptstadt der Freundlichkeit”.
  • Unser Autor fragt sich: Wie lässt sich die grenzenlose Glückseligkeit der Münsteraner stoppen?

Münster. Immer, wenn in Deutschland irgendwas richtig doll läuft, hört man dazu einen Namen: Münster. Jetzt will die westfälische Provinzstadt auch noch „Hauptstadt der Freundlichkeit“ sein. Um es gleich ganz klarzumachen: Ich bin dagegen. Es gibt wirklich kaum eine andere Stadt im Land, die so aggressiv macht wie das Kaff hinter Telgte.

Denn Münster ist einfach übertrieben perfekt. Wer durch Münsters Wohnviertel läuft, hat Angst, sich vorher nicht gründlich genug die Schuhe abgeputzt zu haben. Hier gibt es nichts, was nicht stimmt. Und wenn doch, dann wird es behoben – von Menschen, die Brömmelkamp oder Uppelhoff heißen. Oder Schulze-Bummelmann. Selbst die Nachnamen klingen hier nach Spaß.

In Münster sieht selbst die Uni aus wie ein verdammtes Schloss. Überall wohin man blickt: Schnörkel und Klimbim. Die komplette Altstadt ist so schön und voller Freundlichkeit, dass man einen Regenbogen erbrechen möchte.

In Münster macht nicht einmal der Regen unglücklich, denn die Stadt hat einen „Allwetterzoo“. Und die Altstadt hat allen Ernstes Fußgängerwege mit Überdachungen! Sie spinnen einfach komplett.

Tümpel mit glücklichen Tieren

Dann dieser Aasee. Ein großer Tümpel mitten in der Stadt, auf dem sogar Schwäne so glückselig sind, dass sie sich in Tretboote verlieben. So viel Kitsch hält doch kein Mensch aus.

Nicht zu vergessen das Offensichtlichste: die Radfahrer. Münster ist Vorreiter in Sachen Umweltschutz, aber man kommt kaum noch mit dem SUV über die B 51. Wer kann da von Glück sprechen?!

Apropos Umwelt: Davon hat Münster ganz viel vor der Tür. Im Münsterland gibt es Wälder und Heidelandschaften und Moore. Im Sommer hängen sie in Münster am Kanal ab und mein Gott, wer hält all diese Zufriedenheit aus?!

Münster ist so glücklich, es kann nicht mal angemessen brutale Krimis. Der „Tatort“ aus Münster oder auch „Wilsberg“. Was soll das sein? Ein einziger Witz.

Glücklich ist man in Münster sogar in der Nacht, dank Fusion, Heaven und unzähliger Bars. Glücklich ist auch der Einbrecher, der 2004 an der Kneipenmeile am Hafen meinen Lupo aufgebrochen hat, aber das ist eine andere Geschichte.

Münster muss gestoppt werden

Habe ich schon diese Sprache erwähnt? Pöggsken, Pilsken, plümsen, jovel. Das klingt alles so niedlich und putzig und freundlich. Es ist zum Heulen.

Es gibt nicht einmal Nazis in Münster. Bei der Bundestagswahl 2017 hat die AfD in Münster so schwach abgeschnitten wie in keiner anderen Stadt. Und wenn sie sich doch mal in die Stadt wagt, wird sie mit voller Glückseligkeit wieder rausgepfiffen. So viel Einigkeit kann doch nicht normal sein.

Eins steht fest: Die grenzenlose Glückseligkeit der Münsteraner muss gestoppt werden. Nur wie? Vielleicht mit ein paar Gegenvorschlägen für die „Hauptstadt der Freundlichkeit“. Wie wäre es mit Mordor? Oder wenigstens Gelsenkirchen?

Kriegen wir das hin?

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