
"Müllsammler" ab heute vor Gericht
Im größten Saal des Amtsgerichts Münster startet heute (11. Mai) der Prozess gegen den "Müllsammler von Kinderhaus" - mit vielen Vorwürfen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.05.2023 04:30
In Münster ist er als "Müllsammler von Kinderhaus" oder als "Kran-Kletterer" bekannt. Ab heute steht er vor Gericht. Am Amtsgericht startet um 14 Uhr der Prozess gegen ihn. Das Gericht hat für den Prozessauftakt den größten Saal reserviert.
Angeklagt ist der Mann aus Kinderhaus schon seit Monaten. Immer wieder wurde der Prozessauftakt aber verschoben, weil Gutachter den 59-Jährigen für nicht vernehmungsfähig einschätzten. Auf ANTENNE MÜNSTER-Nachfrage bestätigte ein Amtsgerichtssprecher nun aber, dass es heute tatsächlich los geht.
Was wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor?
Es gibt eine ganze Liste an Vorwürfen, die die Staatsanwaltschaft Münster formuliert hat. Der 59-Jährige sammelt ja seit Jahren Müll. Er häuft ihn regelrecht auf seinem Grundstück in Kinderhaus an. Und das, obwohl es ihm vom Gericht eigentlich verboten wurde, das zu tun. Die Stadt hat deshalb schon des Öfteren Einsatzkräfte zum Grundstück geschickt, die es entrümpeln sollten. Und dabei soll der Müllsammler die Einsatzkräfte, aber auch Polizisten und Nachbarn immer wieder beleidigt und bedroht haben. Einmal soll er sogar versucht haben, einen Aufräum-Helfer mit einer Metallstange zu schlagen. Und dann soll er eine Nachbarin in einem Streit verletzt haben - obwohl es ein gerichtlich verordnetes Kontaktverbot gab.
Des Weiteren gibt es noch einige Anklagepunkte im Zusammenhang mit dem durch ihn besetzten Bau-Kran auf dem Baustellengelände im Josephsviertel: Gleich zweimal war er in der Nähe der Hammer Straße auf diesen geklettert - im Frühjahr eine Woche lang und im Sommer dann ganze drei Wochen. Hier soll er Hausfriedensbruch begangen und diverse Gegenstände wie Vorhängeschlösser zerstört haben, um auf das Baustellengelände und oben in die Kran-Kabine zu kommen. Dann beleidigte er unter anderem Polizisten und eingesetzte Wachmänner, die ihn da oben im Auge behalten sollten - und auch Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe.
Urteil spätestens Ende Juni
Unterm Strich wirft ihm die Staatsanwaltschaft Münster heute Beleidigung, Nötigung und Bedrohung in mehreren Fällen, Körperverletzung und versuchte Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung in mehreren Fällen und den Verstoß gegen ein geltendes Kontaktverbot vor. Ende Juni soll es spätestens das Urteil geben. Das Gericht plant aktuell 9 Prozesstermine.
