"Maria 2.0" geht um die Welt

Weltweit haben sich mehrere Tausend Frauen am Kirchenstreik "Maria 2.0" beteiligt.

© Maria 2.0

Im Bistum Münster streikten Frauen an 30 Orten

Weltweit haben sich mehrere Tausend Frauen am Kirchenstreik "Maria 2.0" beteiligt. Das sagt Lisa Kötter, eine der Initiatorinnen aus dem Kreuzviertel in Münster. Der Schwerpunkt der Proteste in der Woche vom 11. bis 18. Mai lag dabei auf Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Während im Bistum Münster allein an 30 Orten Frauen in den Streik traten, waren in anderen Bistümern nur vereinzelte Aktionen bekannt geworden. Exakte Zahlen liegen den Initiatorinnen nicht vor, weil die Streikwoche nicht zentral organisiert wurde. Unterstützung gab es im Ausland insbesondere auch aus Österreich, der Schweiz und den USA.

Rund 1.000 Teilnehmer bei der Mahnwache am Muttertag

In Münster waren am Sonntag (12.05.) bis zu 1.000 Teilnehmer zu einer Mahnwache auf den Domplatz gekommen - auch Männer. Danach zogen alle zum benachbarten Bischofssitz.

Ausgehend von Münster und unterstützt von der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) haben bundesweit Frauen ihre ehrenamtlichen Ämter in den Gemeinden niedergelegt und Gottesdienste außerhalb der Kirchen gefeiert (Foto oben: Kreuzkirche Münster). Symbolisch drückten die Frauen mit weißen Betttüchern ihre Trauer und ihr Mitgefühl, aber auch die Hoffnung auf einen Neuanfang für die Katholische Kirche aus. Zu allen Aktionen waren auch Männer eingeladen.

Das Symbolbild der Initiative "Maria 2.0", gemalt von der Künstlerin Lisa Kötter aus Münster
Das Symbolbild der Initiative "Maria 2.0", gemalt von der Künstlerin Lisa Kötter aus Münster© Lisa Kötter
Das Symbolbild der Initiative "Maria 2.0", gemalt von der Künstlerin Lisa Kötter aus Münster
© Lisa Kötter

Die Forderungen der Maria 2.0-Initiatorinnen

Bei der zentralen Mahnwache hielten die Maria 2.0-Initiatorinnen und der kfd-Diözesanverband Münster e. V. eine kurze Ansprache, die ihre Klagen, Forderungen und Sehnsucht nach einer glaubwürdigen Kirche zum Ausdruck bringt. Zusammen forderten sie:

• Eine radikale Erneuerung der Katholischen Kirche und den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern!

• Kein Amt für Missbrauchstäter und Vertuscher sowie die selbstverständliche Überstel-lung der Täter an weltliche Gerichte und Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden!

• Die Aufhebung des Pflichtzölibats!

• Die Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen!

Der Vorstand des kfd-Diözesanverbandes Münster e. V.
Der Vorstand des kfd-Diözesanverbandes Münster e. V. (v.l.): Gaby Reimann, Maria Terbeck, Barbara Richter-Hoffschlag, Reinhilde Riesenbeck, Judith Everding, Barbara Issel, Elisabeth Jansen, Ute Albrecht© Andrea Niemann
Der Vorstand des kfd-Diözesanverbandes Münster e. V. (v.l.): Gaby Reimann, Maria Terbeck, Barbara Richter-Hoffschlag, Reinhilde Riesenbeck, Judith Everding, Barbara Issel, Elisabeth Jansen, Ute Albrecht
© Andrea Niemann

Ohne Frauen geht in den Gemeinden nichts

Frauen sind die Säulen der Gemeinden, ohne ihre vielfältigen ehrenamtlichen Dienste kann keine Pfarrgemeinde auskommen. Zu sagen haben sie jedoch in der katholischen Kirche so gut wie nichts, der Zugang zu Ämtern bleibt ihnen bislang verwehrt. Daher der zugeklebte Mund.

Die Amtskirche schweigt weitestgehend

Weder aus dem Vatikan noch vom Bischof in Münster gab es eine Stellungnahme dazu. Vereinzelt haben sich deutsche Bischöfe zu Wort gemeldet. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann etwa kritisierte den Streik als "eher kontraproduktiv". Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück dagegen zeigte Verständnis für den Unmut der Frauen: "Es wird zu Spaltungen kommen, wenn fundierte Reformforderungen nicht ernst genommen werden und wir in den Veränderungen der Welt nicht auch zu neuen Antworten kommen." Der Boykott von Gottesdiensten könne aber kein Instrument eines solchen Protests sein, so Bode.

Mit-Initiatorin Lisa Kötter im Gespräch

In der ANTENNE MÜNSTER-Morningshow am Freitag (10.05.) haben Anja Brukner und Christoph Hausdorf mit Lisa Kötter gesprochen. Sie gehört zu den Initiatorinnen von "Maria 2.0" in der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster. Hier das ausführliche Interview:

Und was kommt jetzt?

Wie es jetzt mit "Maria 2.0" weitergeht, ist noch offen. Lisa Kötter kann sich zum Beispiel vorstellen, den Protest an jedem zweiten Sonntag im Monat fortzusetzen. Auch "Küchengespräche" mit kirchlichen Würdenträgern fände sie gut, also einen ungezwungenen Dialog auf Augenhöhe. Die kfd plant unterdessen bereits eine weitere Aktionswoche Ende September unter dem Motto "Frauen, worauf warten wir? Macht Euch stark für eine geschlechtergerechte Kirche."

Zum Abschluss der Aktion "Maria 2.0" am Samstag (18.05.) hat ANTENNE MÜNSTER-Reporter Michael Wessels noch einmal mit Lisa Kötter gesprochen:


Weitere Infos

unter

http://www.mariazweipunktnull.de

https://www.kfd-muenster.de

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