
Kritik am "Reallabor" Wolbecker Straße
Münster diskutiert aktuell intensiv über den Verkehrsversuch auf der Wolbecker Straße. In den sozialen Netzwerken gibt es die unterschiedlichsten Standpunkte, vor allem aber viel Kritik. Die Stadt lässt sich nicht verunsichern und verteidigt das "Reallabor".
Veröffentlicht: Dienstag, 21.09.2021 05:00
Bis Ende dieser Woche gilt noch auf der Wolbecker Straße zwischen der Bremer und der Dortmunder Straße: Autos fahren hier Tempo 20, Radfahrer fahren auf der Straße und Fußgänger nutzen Bürgersteig und Radweg. Das soll den Verkehr hier insgesamt sicherer und grüner machen - die Stadt prüft mit diesem "Reallabor", ob eine solche Maßnahme ins Zukunftsverkehrskonzept für Münster passt.
Wie läuft es denn bisher? Seit dem vergangenen Wochenende gelten die neuen Regeln auf dem Teilstück der Wolbecker Straße und viele haben seitdem ganz unterschiedliche Meinungen dazu entwickelt. Auf die ANTENNE MÜNSTER-Instagram Story reagieren Hörer äußerst ambivalent. Während Chris den Versuch gut findet ("Super nice! Autos sollten ganz raus aus der Innenstadt und dann wäre es ein Paradies für alle."), kritisieren nicht nur Autofahrer wie Tobi ("Schon nervig für Autofahrer!") oder Kadahoo ("Überall werden Fahrradwege gebaut, nur um die Radfahrer dann auf der Straße zu haben.") das Reallabor, sondern auch Radfahrer. Henry zum Beispiel hat den Eindruck, durch den Verkehrsversuch mit seinem Rad auf der Wolbecker Straße länger zu brauchen. Cora empfindet es jetzt als anstrengender, hier mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Und FarAway schreibt: "Es nervt. Ich möchte mit meinem Fahrrad mit Kindern im Anhänger gar nicht auf der Straße fahren."
Die Stadt hält dagegen: Andreas Bentler vom Tiefbauamt weist im ANTENNE MÜNSTER-Interview Kritik zurück: "Ich kann den Unmut nur bedingt nachvollziehen, weil der Verkehr im Bereich des Reallabors auf der Wolbecker Straße fließt. Bisher haben wir noch nicht gesehen, das es sich hier erheblich staut. Es läuft alles soweit flüssig - zwar mit Tempo 20 statt vorher mit 30 - aber wir reden hier auch über ein sehr kurzes Teilstück von 400 Metern, das doch recht zügig überwunden ist."
Auf der ANTENNE MÜNSTER-Facebookseite gehen die Meinungen dazu ebenfalls auseinander. Kritik kommt unter anderem von Jessica: Sie befürchtet durch solche Regeln weniger Besucher in der Innenstadt und glaubt auch, dass Münster so zum Pendeln noch unattraktiver wird. "Wen wollt ihr so noch in unsere Stadt holen? Auf sowas hat keiner Lust...", schreibt sie. Uwe schreibt, dass er für einen kurzen Weg durch die Stadt dadurch rund eine Stunde gebraucht hat. Und auf's Fahrrad könne er nicht umsteigen, da er einen 90-Jährigen Papa hat - um ihn von A nach B zu bringen, sei er auf's Auto angewiesen. Gut findet dagegen Sabine das Verkehrsprojekt auf der Wolbecker Straße: "Es ist doch mal ein Versuch wert, oder? Andere Städte - sogar Großstädte wie Kopenhagen - versuchen es ebenfalls mit solchen Verkehrsprojekten, um die wachsenden Automassen aus den Städten zu bekommen." Und Helga erinnert sich: "Wir haben uns auch daran gewöhnt, mit dem Auto nicht mehr über die Salzstraße, den Prinzipalmarkt oder die Ludgeristraße zu fahren. Dann schaffen wir das auch mit der neuen Regel auf der Wolbecker Straße."