Anzeige
Kegelbrüder quält die Ungewissheit
© privat
Teilen: mail

Kegelbrüder quält die Ungewissheit

Seit sechs Wochen sitzen die acht Männer aus Münster-Albachten auf Mallorca in Untersuchungshaft. Der evangelische Pfarrer dort erzählt im Interview mit uns, wie es ihnen geht.

Veröffentlicht: Donnerstag, 30.06.2022 18:54

Anzeige

Am 20. Mai ändert sich das Leben der Kegelbrüder im Grunde von einer Minute auf die andere. Was eine lustige Reise unter Freunden werden sollte, endet (vorerst) im Gefängnis: Den zunächst 13 Mitgliedern des Kegelclubs wird vorgeworfen, eine Bar am Ballermann in Brand gesteckt zu haben. Anfang Juni wurden fünf von ihnen freigelassen. Einer stand zum Tatzeitpunkt nachweislich unter der Dusche, die vier anderen durften auf Kaution raus. Die restlichen acht Kegelbrüder sitzen aber weiter im Gefängnis.

Anzeige

Stimmung: Von niedergeschlagen bis hoffnungsfroh

Anzeige

Pfarrer Holmfried Braun von der evangelischen Gemeinde auf Mallorca betreut die Männer nach wie vor. Alle zwei Wochen darf er sie besuchen. Im ANTENNE MÜNSTER-Interview mit Moderatorin Lena Zils berichtet er von der Stimmung:

Die Stimmung ist von niedergeschlagen bis traurig, weil es eben schon so eine lange Zeit ist, bis auch ein bisschen hoffnungsfroh, dass es irgendwann auch mal zu Ende ist. Natürlich ist immer die Frage da: Wie geht es weiter?


Anzeige
Lena Zils
Interview mit Pfarrer Holmfried Braun
Anzeige

Alltag im Gefängnis: Hofdienst und Malkurse

Anzeige

In der Untersuchungshaft gehe es den Männern den Umständen entsprechend gut, sagt Holmfried Braun. Sie berichten von einer guten Behandlung und einem großen Zusammenhalt untereinander. So gut es geht versuchen sie, ihren Alltag irgendwie zu stukturieren, berichtet Braun weiter:

Sie machen Hofdienste, helfen bei der Essensverteilung, sie fegen und putzen. (...) Sie nehmen an Angeboten des Gefängnisses teil, d.h. da war jetzt ein Malkurs oder sportliche Beschäftigung haben sie vor, dass sie auf jeden Fall ihre Zeit auch nutzen.

Trotzdem bleibt viel Zeit zum Grübeln. Die Ungewissheit, wie und wann es für sie weitergeht, sei das quälendste Problem, so Braun weiter. Die Männer bräuchten jetzt vor allem Geduld und Hoffnung, dass ihre Unschuld bald erwiesen wird.


Anzeige

Sorge um die Familien

Anzeige

Bei allen Sorgen um sich selbst, haben die Männer vor allem Angst um ihre Angehörigen, sagt Holmfried Braun. Sie fragen sich: Wie kommen Familie und Freund:innen mit der Situation klar? Auch sie werden von Holmfried Braun betreut - entweder telefonisch oder persönlich, wenn sie mal wieder auf der Insel sind. Viele Vertraute der Kegelbrüder versuchen, mindestens alle zwei Wochen nach Mallorca zu reisen, um den Männern beizustehen und ihnen Kraft für die bevorstehende Zeit zu geben. Große Unterstützung kommt von den Arbeitgebern der Männer: Sie halten die Stellen weiter frei. Einer der Chefs sei sogar auf die Insel geflogen, um die Kegelbrüder im Gefängnis zu besuchen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige