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Kanonen für den Frieden
© Foto: Stadtarchiv Münster (Sammlung Ansichten Nr. 349)
Flugblatt von 1648 mit dem Friedensreiter: "Freudenreicher Postilion von Münster, den (...) daselbst den 24. und 25 Octob. Anno 1648 Ratificirten, underschriebenen vnd mit grossen Frewden publicierten hochwerthen lieben Frieden pringent"
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Kanonen für den Frieden

Wir feiern 375 Jahre Westfälischen Frieden. Warum die Freude darüber 1648 fast einen Großbrand ausgelöst hätte, erklärt uns ein Stadt-Historiker im ANTENNE MÜNSTER-Interview.

Veröffentlicht: Dienstag, 24.10.2023 05:25

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Der 24. Oktober 1648 ist wohl einer der wichtigsten Tage in der Geschichte der Stadt: Nach 30 Jahren wurde hier und in Osnabrück der Westfälische Frieden geschlossen. Das war das Ende des Dreißigjährigen Kriegs - ein Frieden, den damals kaum jemand für möglich hielt. Um unser und euer Geschichtswissen ein wenig aufzufrischen, haben wir Philipp Brockkötter vom Projekt- und Friedensbüro der Stadt Münster eingeladen. Das Gespräch mit Morningshow-Moderatorin Malena Stöhler hört ihr hier:

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Morningshow-Moderatorin Malena Stöhler
Philipp Brockkötter über 375 Jahre Westfälischer Frieden
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Dass der Frieden von einer Gruppe wichtiger Menschen bei Bier und Wein im Friedenssaal geschlossen und auch vertraglich besiegelt wurde, ist allerdings nur teilweise richtig. Philipp Brockkötter stellt im ANTENNE MÜNSTER-Interview klar:

Den Getränken hat man sicherlich zugesprochen. Das wage ich nicht zu bezweifeln. Allerdings hat man sich nicht im Friedenssaal getroffen, weil man sich nicht auf ein Protokoll einigen. Das bedeutet: Man wusste nicht so richtig 'Wer soll jetzt eigentlich zuerst unterschreiben?', 'Wo genau machen wir das?' und deswegen hat man getrennt voneinander unterschrieben in den gesamten Quartieren und leider nicht im Friedenssaal.
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Die Stunde der Friedensreiter

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Bis ca. 21 Uhr dauerten die Verhandlungen. Die Feierlichkeiten waren an diesem Tag dementsprechend kurz, sagt Brockkötter:

Man hat die 70 Kanonen auf der Stadtmauer abgefeuert, um zu zeigen: Jetzt ist Frieden. Eigentlich paradox, dass Kanonenhall den Frieden einläutet. Und am nächsten Tag sollte dann eben der Frieden verkündet werden.

Friedensreiter wurden in alle vier Himmelsrichtungen ausgesandt, um den Menschen die frohe Kunde mitzuteilen. Und das hat gedauert: Bis alle Menschen mitgekriegt haben, dass der Dreißigjährige Krieg zu Ende ist und bis die Herrscherhäuser den Frieden auch offiziell ratifiziert hatten, ging noch einmal fast ein halbes Jahr ins Land. Klar: Post, Telefon und Internet gab's 1648 noch nicht.

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Der Westfälische Frieden und der Fast-Großbrand

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Im Februar 1649 wurde dann aber groß gefeiert: Mit Kanonensalut und Feuerwerk. Und mit einem kleinen Missgeschick, das fast einen Großbrand ausgelöst hätte, erzählt Philipp Brockkötter:

Ein Feuerdrache, den man vom Lambertikirchturm absteigen lassen wollte, ist zurückgeschnellt und an den Kirchturm geprallt. Das hätte fast einen Großbrand ausgelöst, aber es ist alles gut gegangen.
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Kanonen für den Frieden
© ANTENNE MÜNSTER
Morningshow-Moderatorin Malena Stöhler mit Philipp Brokkötter vom Projekt- und Friedensbüro der Stadt Münster.
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