
Jung und alt unter einem Dach
"Wohnen für Hilfe Münster" vermittelt ältere und jüngere Menschen, die im besten Falle - wenn's passt - zusammenleben und gegenseitig voneinander profitieren. Wir stellen euch das Projekt vor!
Veröffentlicht:
Studierende und Auszubildende können ein Lied davon singen: Vier Wände in Münster zu finden, ist eine echte Herausforderung. Vor dem Hintergrund lohnt es sich schon mal, nach rechts und links zu schauen und nach alternativen Wohnformen zu schauen. In Münster gibt es zum Beispiel das ehrenamtliche Projekt "Wohnen für Hilfe Münster". Die Idee: Alt und jung leben gemeinsam unter einem Dach und profitieren voneinander. Ältere Menschen teilen ihren Wohnraum und Studierende oder Auszubildende finden Wohnraum, müssen nur die Nebenkosten zahlen und helfen und unterstützen die älteren Menschen im Alltag, zum Beispiel im Garten, beim Kochen oder Einkaufen. Außerdem leisten sie ihnen Gesellschaft.
Anneliese & Margarita in Nienberge
In Münster gibt es viele solcher Konstellationen. Immerhin gibt es "Wohnen für Hilfe Münster" bereits seit 2006. Unter anderem haben sich Anneliese und Margarita gefunden. Sie wohnen zusammen in Nienberge. Nachdem die Kinder ausgezogen und der Mann verstorben war, lebte Anneliese (80 Jahre) alleine in ihrem Haus, sehnte sich nach Unterstützung und vor allem nach Gesellschaft. Und so kam es, dass Margarita einzog. Die junge Frau lebt seit vier Jahren in Münster, stammt ursprünglich aus der Ukraine und macht hier jetzt eine Ausbildung als Bauzeichnerin. Sie freut sich, bei Anneliese zu leben, und es fühlt sich wie Familie an, sagte sie uns. Margarita hilft im Garten und kann - als positiver Nebeneffekt - ihr Deutsch verbessern. Und Anneliese freut sich über gemeinsame Stunden bei Tee und Kaffee.
Hier und da hakt es auch mal
Marliese Kosmider, Ulla Leopold und Dr. Ruth Risch engagieren sich ehrenamtlich für das Projekt "Wohnen für Hilfe Münster". Und sie sagen uns, dass es in den meisten Fällen passt, aber natürlich gibt es auch ein paar Ausreißer. Das seien aber Ausnahmen. Und da hakt es in den meisten Fällen in der Küche. Ältere Leute seien es eventuell nicht gewohnt, sich Kochtopf und -löffel teilen zu müssen und sich an neue Routinen zu gewöhnen. Hinzu komme, dass in einigen Fällen auch mal Kulturen aufeinanderprallen. Marliese Kosmider erinnert sich, dass eine Studierende, die gebürtig aus Lateinamerika kommt, immer mit Knoblauch kochte. Das wiederum konnte die ältere Dame, mit der die Studierende zusammenlebte, nicht haben. Manchmal passt es also auch einfach nicht - wie im echten Leben.
Schöne Momente über die Jahre
Bei so vielen Begegnungen, die entstehen, gibt es natürlich auch viele Momente, die in Erinnerung bleiben. Marliese Kosmider erinnert sich zum Beispiel an einen Mann (über 90), der schon mehrmals mit Studierenden zusammenlebte und nach dem Zuckerfest von einer Marokkanerin positiv überrascht wurde. Die Teilnehmenden haben durch das Projekt also auch die Gelegenheit, über den Tellerrand zu blicken und neue Kulturen kennenzulernen. Und das nicht nur auf Zeit, sondern manchmal auch über Jahre. Das Zusammenleben ist durch die Zeit der Ausbildung/des Studiums begrenzt, aber manchmal bleibt der Kontakt auch darüber hinaus erhalten. Marliese Kosmider beschreibt beide Beispiele im ANTENNE MÜNSTER-Interview:
Wenn ihr auch Lust habt beim Projekt "Wohnen für Hilfe Münster" mitzumachen, könnt ihr euch über die Homepage bewerben oder erstmal die Ansprechpartnerinnen kontaktieren. Einen Hinweis: Einen Mangel an Studierenden gibt es nicht, es könnten aber mehr ältere Menschen mitmachen, sagte uns Dr. Ruth Risch vom Orga-Team. Also: Wenn ihr jemanden kennt, fragt mal nach.


