Handwerk: Hervorragende Herbstkonjunktur

"Hervorragende Laune herrscht bei den Betriebsinhabern im Handwerk des Kammerbezirks Münster, wenngleich der Zenit des Konjunkturhochs überschritten ist. Die Wachstumskurve verläuft aber immer noch weit oben." Dieses Ergebnis der aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer (HWK) stellte Präsident Hans Hund am Freitag (22.11.) vor. Für eine Stärkung des "Wachstumsmotors Handwerk" forderte Hund seitens der Politik eine wettbewerbsfähigere Unternehmensbesteuerung, die Soliabschaffung für alle Betriebe und mehr Bürokratieabbau.

© Handwerkskammer Münster

Von 474 Handwerksbetrieben im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region sagen 62 Prozent, dass ihre Geschäfte "gut" laufen. Das ist die zweithöchste Gut-Bewertung in 42 Jahren Konjunkturbeobachtung durch die HWK. Nur 6 Prozent reden von "schlechter" Geschäftslage. Jeder dritte Befragte findet seine Situation "befriedigend".

Die Betriebe arbeiten mit einer extrem hohen Kapazitätsauslastung von 83 Prozent. Die Auftragsreichweiten betragen wie im Rekordherbst des Vorjahres 8,7 Wochen. Die immer noch kräftige Nachfrage nach handwerklichen Leistungen spiegelt sich bei der positiven Auftragslage wider; diese ist jedoch spürbar unter dem Boom im Herbst 2018. "Eine Abkühlung der erhitzten Märkte zeichnet sich ab", bewertete Hund (r.).

Die Verkaufspreise sind im Saldo gestiegen. Hauptursache seien Kostenerhöhungen bei Personal, Energie und Material, so der Kammerpräsident. Die Mehrheit der Betriebe (57 Prozent) habe die Preise aber unverändert gelassen.

Personal eingestellt

Zugelegt hat auch die Beschäftigung: 30 Prozent der Betriebe stellten in den vergangenen sechs Monaten zusätzliches Personal ein. Einen Abbau in der Belegschaft gab es bei 13 Prozent. Investitionen wurden im vergangenen Halbjahr kräftig ausgeweitet.

Optimistischer Blick auf 2020

Der Blick in die Zukunft ist von Optimismus geprägt. Die Betriebe rechnen mit einer nochmaligen Verbesserung ihrer Geschäfte im kommenden Halbjahr, nur nicht mehr so kräftig wie bislang. Es werden minimale Auftragsverluste befürchtet. Die erwarteten Beschäftigungszuwächse fallen niedriger aus als im Vorjahr, aber die Unternehmen wollen immer noch zusätzliches Personal einstellen. Hund sah deshalb weiterhin beste Aussichten für Arbeitnehmer auf dem handwerklichen Arbeitsmarkt.

Der Geschäftslage-Indikator, der aktuelle Lage und Prognose zusammenfasst, erreicht 127,6 Prozentpunkte und sinkt damit gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozentpunkte. "Er bleibt aber auf einem sehr hohen Niveau. Die Konjunktur im Handwerk ist stabil", resümierte Hund.

Das nördliche Ruhrgebiet holt auf

Ein Vergleich der beiden Regionen des Kammerbezirks zeigt: Das nördliche Ruhrgebiet holt auf. Die Geschäftslageindikatoren näherten sich erneut an. Der Index sackte im Münsterland auf 128,5 Prozentpunkte ab (minus 8,4 Punkte gegenüber 2018). In der Emscher-Lippe-Region ging er im Jahresvergleich dagegen nur um 3,2 Punkte zurück und liegt jetzt bei 124,3 Prozentpunkten. Der Abstand der Indikatoren zwischen den Regionen verringerte sich merklich.

Im nördlichen Ruhrgebiet gibt es zudem eine stärkere Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Gegenüber dem Vorjahr schnellte der Saldo hier um 19 Prozentpunkte nach oben, während er im Münsterland nur um 2 Prozentpunkte zulegte. Auch die Beschäftigungsprognose ist im nördlichen Ruhrgebiet besser als im Münsterland. "Der Grund dürfte im unterschiedlichen Fachkräfteangebot liegen", vermutete Hund.

Die einzelnen Gewerbe

Kammerweit läuft es im Bauhauptgewerbe mit 80 Prozent "guter Geschäftslage" am besten. Die Kapazitäten sind zu 91 Prozent ausgelastet. Mit Blick auf das kommende Winterhalbjahr rechnen die Betriebe mit weniger Aufträgen. Sie sehen eine leichte Verschlechterung der Geschäftslage auf sich zukommen.

Im Gesundheitsgewerbe machen zwei Drittel der befragten Betriebe "gute" Geschäfte. Die Gruppe hat sich im Jahresvergleich am stärksten verbessert; bei Umsätzen, Auftragslage und Investitionen gibt es das größte Plus aller Handwerksgruppen. Gesund entwickelt sich auch die Beschäftigung. Die Prognose lässt ein gemäßigtes Wachstum und weitere Einstellungen erwarten.

Im Ausbaugewerbe finden 70 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage "gut". Es ist jedoch gegenüber dem Vorjahr abgerutscht. Die immer noch sehr gute Auftragslage und Auftragsreichweite ist leicht gesunken. Die Branche geht von einem nur noch geringen Wachstum in den nächsten sechs Monaten aus. Der Bau insgesamt profitiert von niedrigen Zinsen, dem hohen Wohnraumbedarf und öffentlichen Investitionen.

Das Kfz-Gewerbe ist die Gruppe mit dem größten Personalzuwachs, obwohl sich die Geschäftslage im Jahresvergleich abgeschwächt und die Auftragslage am wenigsten verbessert hat. Umsätze und Investitionen stiegen lediglich mittelmäßig. Die Branche erwartet fürs nächste Halbjahr eine schleppende Konjunktur mit geringer Aufwärtsbewegung.

Die Anbieter für den gewerblichen Bedarf müssen im Vergleich zum Vorjahr die stärkste Verschlechterung der Geschäftslage verkraften. Sie profitieren zwar von robust gestiegenen Umsätzen, aber neue Aufträge werden zögerlicher erteilt. Die Gruppe hat kräftig investiert, ist aber durch Handelskonflikte, den Brexit sowie stagnierende Industrieproduktionen in der Eurozone und den USA verunsichert. Die Erwartungen weisen ein deutliches Minus der Geschäfte im nächsten Halbjahr aus.

Die Geschäfte im Nahrungsmittelgewerbe sind dynamisch. Die Verbraucher schätzen handwerklich hergestellte Nahrungsmittel: Auftragslage, Umsätze und Beschäftigung stiegen deutlich. Die Gewerke haben den größten Zukunftsoptimismus aller Gruppen in Bezug auf Geschäftslage, Umsatz, Auftragslage und Personaleinstellungen.

Zu den Gewinnern gehören auch die Personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe mit einer Verbesserung der Geschäftslage. Die Umsätze sind gestiegen, es wurde tatkräftig investiert. Allerdings haben die Dienstleister als einzige Gruppe im Saldo Personal verloren. Sie gehen von weiteren Verlusten in der Zukunft aus. Dabei ist die Prognose der Geschäftsentwicklung vielversprechend.

Viele Existenzgründungen

Von einem erfreulich hohen Plus der Existenzgründungen im Kammerbezirk berichtete Thomas Banasiewicz (l.), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Zum Stichtag hätten seit Jahresbeginn 2.038 Handwerkerinnen und Handwerker den Schritt in die Selbstständigkeit getan, indem sie einen neuen Betrieb gründeten. Das seien plus 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresstichtag. Zusätzlich seien 95 bestehende Betriebe übernommen worden.

Generationenwechsel

"Die Betriebsnachfolgen stehen ebenso wie das Finden und Binden von Fachkräften im Fokus unserer Unternehmensberatung", unterstrich Banasiewicz. Der Anteil der Betriebsinhaber, persönlich haftenden Gesellschafter und gesetzlichen Vertreter im Alter zwischen 55 und 64 Jahren sei in den vergangenen 5 Jahren von 20 auf 27 Prozent hochgesprungen. Heute stünden rund 8.700 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk vor dem Generationenwechsel, erklärte der Hauptgeschäftsführer.

Die Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Münster

Aktuell erwirtschaften 28.711 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Münster einen Jahresumsatz in Höhe von 26,4 Milliarden Euro – 1,8 Milliarden mehr als im Vorjahr. Sie beschäftigen rund 198.700 Mitarbeiter, darunter 15.460 Auszubildende.

Die größte Gruppe bilden die Ausbaugewerbe mit 35 Prozent aller Betriebe. Es folgen die Persönlichen Dienstleistungen, zu denen jeder vierte Betrieb zählt. Die Anbieter für den Gewerblichen Bedarf und das Bauhauptgewerbe stellen gut jeden zehnten Betrieb. Aus dem Kraftfahrzeuggewerbe kommen 7 Prozent der Betriebe. Die kleinsten Gruppen sind die Nahrungsmittel- und die Gesundheitsgewerbe, denen jeweils 3 Prozent der Betriebe angehören.

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