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Größerer Bedarf an psychosozialer Unterstützung
© Alexianer
Die Gerontopsychiatrische Beratung der Alexianer Münster GmbH stellt Jahresbericht vor und zieht positive Bilanz (v.l.n.r.): Wilma Dirksen, Suzanne Reidick, Cornelia Domdey und Dr. Birgit Leonhard
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Größerer Bedarf an psychosozialer Unterstützung

Die gerontopsychiatrische Beratung der Alexianer veröffentlicht ihre Jahresbilanz.

Veröffentlicht: Donnerstag, 27.02.2020 15:00

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Die Zahlen im Jahresbericht der Gerontopsychiatrischen Beratung sprechen eine eindeutige Sprache: In Münster leben 53.545 über 65-jährige (Stand 31.12.2018), ein Viertel davon leidet an psychischen Störungen. Am stärksten vertreten sind Demenzerkrankungen und Depressionen. Mit 1.012 Einzelberatungen wurde erstmals die 1.000er Marke überschritten, auch die 191 Familienberatungen und Gruppenangebote in 2019 sind eine Antwort auf den steigenden Bedarf. „Für die Betroffenen, aber auch für deren Familien, stellen Depressionen, Demenzen oder auch Angststörungen eine große Herausforderung dar“, berichtet Wilma Dirksen. „Die Familien benötigen bei der Bewältigung dieser anspruchsvollen Aufgabe Informationen und Unterstützung.“

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Der Bedarf an längerfristigen Beratungen und psychosozialer Begleitung steigt weiter an: In 2019 erhöhte sich die Zahl der Menschen, die eine Folgeberatung in Anspruch nahmen, um 29%.

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Ein Grund für diese Veränderung sind sicherlich komplexer werdende Lebenssituationen in den betroffenen Familien. Kinder leben häufig nicht in der gleichen Stadt, so dass die Pflege und Betreuung der Eltern oft durch die Kombination verschiedener Helfer organisiert werden muss. Des Weiteren ist die Begleitung eines psychisch erkrankten älteren Menschen besonders herausfordernd. Rollenmodelle in der Familie geraten ins Wanken, unbearbeitete familiäre Konflikte brechen wieder auf und die pflegenden Angehörigen sehen sich einer großen emotionalen Belastung ausgesetzt. „In persönlichen Gesprächen ermutigen wir sie, nicht nur die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen zu sehen. Auch das eigene Wohlergehen und persönliche Wünsche während des Pflegeprozesses müssen im Auge behalten werden“, so Dr. PH Birgit Leonhard. Für Erkrankte und Angehörige ist die Gewissheit, eine zuverlässige Anlaufstelle für ihre sich verändernden Anliegen zu haben, von großer Bedeutung.

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80% der Pflegenden in Deutschland sind weiblich. Dabei kümmern sich zumeist Ehefrauen oder (Schwieger-)Töchter um ihre Angehörigen. Mit 69% bilden sie auch die größte Gruppe der Ratsuchenden in der Beratungsstelle der Josefstraße.

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Ein weiterer Anstieg ist in der Nachfrage nach Pflegekursen für Angehörige zu verzeichnen. In Kooperation mit der AOK NordWest wurden 2019 vier Kurse für Angehörige von Menschen mit Demenz durchgeführt – ein Kurs in Verbindung mit einer „Auszeit am Meer“ an der Ostsee. Bei den Kursen steht die Vermittlung von Wissen kombiniert mit der Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch im Vordergrund. „Mit diesen Kursen ermöglichen wir Angehörigen einen Einstieg ins Hilfesystem und machen ihnen bewusst, was sie täglich leisten und was sie auch für sich selbst tun können“, informiert Dirksen.

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Auch Betroffene selbst suchen verstärkt die Beratungsstelle auf. „Ich werde immer vergesslicher, habe ich eine Demenz?“ ist der Ausdruck einer Angst und Sorge, vielleicht eine Gedächtnisstörung zu entwickeln. Hier braucht es eine einfühlsame Beratung und behutsame Hinführung zur Diagnostik und Therapie. Die Beratungsstelle verzeichnete einen Zuwachs um 17% der betroffenen Ratsuchenden in 2019.

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Vervollständigt wird das komplexe Angebot der Gerontopsychiatrischen Beratung durch Beratungen für Institutionen. In 2019 konnten laut Leonhard 124 Einzelberatungen sowie 32 Fortbildungen, Vorträge und Konzeptberatungen für Einrichtungen umgesetzt werden. Beispielhaft waren hierfür in 2019 öffentliche Vorträge über Depressionen im Alter oder zu Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige sowie eine Veranstaltung zum Thema Schwerbehinderung und Demenz.

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Bereits seit 1992 steht die Gerontopsychiatrische Beratung psychisch erkrankten älteren Menschen, ihren Angehörigen und Bezugspersonen mit Rat und Tat zur Seite. Das Team der Gerontopsychiatrischen Beratung bilden Wilma Dirksen (Soziotherapeutin), Cornelia Domdey (Dipl. Sozialpädagogin), Birgit Leonhard (Dr. PH, Pflegefachkraft) und Suzanne Reidick (Dipl. Sozialarbeiterin). Die Mitarbeiterinnen setzen sich in ihrer täglichen Arbeit dafür ein, dass psychisch erkrankte ältere Menschen und ihr soziales Umfeld informiert, unterstützt und gestärkt werden.

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Finanziert wird die Gerontopsychiatrische Beratung im Clemens-Wallrath-Haus durch die Stadt Münster und die Alexianer Münster GmbH als Träger, sie berät trägerunabhängig und kostenfrei.

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Bei Fragen und Beratungsbedarf ist die Gerontopsychiatrische Beratungsstelle unter Telefon (0251) 5202 276 71 zu erreichen.

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