
Gewalt gegenüber Polizisten und Rettungskräften
In dieser Woche wurde die aktuelle Kriminalstatistik veröffentlicht. Sie zeigt: Es gibt immer mehr Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte. Im vergangenen Jahr gab es bei uns in der Stadt 46 Angriffe auf Polizisten - Das sind vier mal mehr als noch im Vorjahr!
Veröffentlicht: Mittwoch, 04.03.2020 04:58
Probleme von Streifenpolizisten
Sie wollen uns eigentlich nur helfen! Doch immer wieder kommt es vor, dass Einsatzkräfte durch Respektlosigkeit und Gewalt an ihrer Arbeit gehindert werden. Sie werden geschlagen, beleidigt, bespuckt oder bedroht.
Laura Meinersmann ist Streifenpolizistin von der Innenstadt-Wache. Sie hat uns erzählt, dass sie uns ihre Kollegen in der Innenstadt sehr oft beleidigt werden. Außerdem werden gerade Polizistinnen oft nicht ernst genommen werden - etwa bei Verkehrskontrollen. Angst vor körperlicher Gewalt hat sie aber nicht.
Betreuung durch Polizeipsychologen
Der Job der Polizisten und Polizistinnen ist nicht immer ganz einfach. Auch für Polizisten gibt es deshalb Psychologen - hier ist die Polizei breit aufgestellt. Einer davon ist Pfarrer Johannes Gospos. Er macht diesen Job schon seit 17 Jahren und betreut Polizisten aufgrund von negativen Erlebnissen in ihrem Job. Oft ist er auch auf Streife mit dabei und erlebt daher immer wieder selbst, wie mit den Polizisten und Polizistinnen umgegangen wird. Im ANTENNE MÜNSTER-Interview hat er von seinen persönlichen Erfahrungen berichtet:
Reaktion: Bodycams
Als Reaktion auf die Gewalt gegenüber Streifenpolizisten sollen diese in Münster bis Ende diesen Jahres mit sogenannten Bodycams ausgestattet werden. Die Kameras werden an den Uniformen angebracht und sollen durch ihre deeskalierende und abschreckende Wirkung helfen, Gewalt gegen Polizisten zu verhindern. Außerdem können die Aufnahmen im Fall einer Gewalttat dazu beitragen, diese besser verfolgen zu können. Die Bodycams sind Teil der Modernisierungsoffensive des Innenministeriums. Insgesamt investiert das Land für ganz NRW rund sieben Millionen Euro in die Maßnahme.
Auch Sanitäter und Feuerwehrleute haben mit Gewalt zu kämpfen
Aber nicht nur Polizisten, sondern auch Sanitäter und Feuerwehrleute haben täglich mit Gewalt und Respektlosigkeit vieler Menschen zu tun. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Probleme: Zum einen sind es die Patienten selbst, die z.B. oft betrunken sind, sich wehren und in ihrem Zustand den Rettungskräften gegenüber handgreiflich werden. Diese Problematik bezieht sich allerdings nicht nur auf die Party-Abende am Wochenende - auch tagsüber kommt es immer wieder zu solchen Vorkommnissen.
Außerdem sind gerade Gaffer für die Rettungskräfte ein enormes Problem. Sie behindern die wichtige Arbeit der Einsatzkräfte. Für das Gaffen und das Fotografieren von Personen, die versorgt werden, sind Gefängnisstrafen für bis zu zwei Jahren angesetzt. Das scheint aber dennoch wenig abzuschrecken. Besonders frustriert sind die Rettungskräfte darüber, dass selbst bei Erstattung einer Anzeige die Ermittlungen häufig wegen Geringfügigkeit eingestellt werden. Die Gewerkschaft Ver.di fordert hier deutlich mehr Rückendeckung für die Einsatzkräfte. Sie sollten beispielsweise juristische Unterstützung bekommen. Gefordert sind also die Dienstherren, z.B. die Stadtverwaltungen.
Ver.di fordert unter anderem auch dazu auf, dass mehr Leute im Rettungswagen oder im Feuerwehrwagen sitzen, damit genügend Kollegen vor Ort sind, um z.B. Gaffer zurechtzuweisen oder zumindest die Taten bezeugen zu können. Außerdem müssten alle Rettungskräfte regelmäßiger trainiert werden, damit sie wissen, wie sie mit solchen Situationen umgehen können.
