Geisterfahrten: Oft mit voller Absicht
Wie kommt es, dass Autofahrer:innen falsch auf der Autobahn fahren? Eine Studie hat das untersucht. In Wolbeck wurde sie vorgestellt.
Veröffentlicht: Mittwoch, 23.08.2023 12:00
Falschfahrten auf Autobahnen werden nach einer Studie in vielen Fällen bewusst begonnen. Bei einem Drittel der dabei rund 220 untersuchten Fälle haben die Fahrer:innen im fließenden Verkehr gewendet. Bei über 40 % der in der Studie beleuchteten Falschfahrten sind die Geisterfahrer:innen älter als 75 Jahre, wie Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), auf dem Crashtest-Gelände in Wolbeck erklärte.
Bei den Senior:innen spielt nach seiner Schilderung oft Verwirrtheit und Demenz eine Rolle, während bei den jungen Geisterfahrer:innen Selbsttötungsgedanken eine Rolle spielen oder die Flucht vor der Polizei.
Brockmann und sein Team haben für die Studie die Schadensakten der Versicherer, Unfallinformationen der Polizei und Medienberichte ausgewertet. Zu 80 % stammen die rund 220 Fälle auf deutschen Autobahnen, die nun untersucht wurden, aus dem Zeitraum ab 2015. Einen Jahresvergleich, also eine Aussage dazu, ob Geisterfahrten zunehmen, ist nicht möglich. Die amtlichen Unfallstatistiken sagen zum Thema Geisterfahrer:innen laut Brockmann praktisch nichts aus. Hier werden auch Unfälle innerorts und zum Beispiel mit Radfahrer:innen als Falschfahrten ausgewiesen.
Brockmann setzt in der Zukunft auf die Software in den Autos. "Das Fahrzeug müsste selbst einbremsen, wenn die Software merkt, dass der Fahrer falsch auf die Autobahn fährt", erklärt der Wissenschaftler. "Stopp-Hände" an den Auffahrten wie in Österreich (Foto oben) würden zwar nicht schaden. Bei bewussten Falschfahrten oder Demenz seien sie aber unwirksam.
Ein Video von dem Crashtest in Wolbeck ist auf den Facebook- und Instagram-Seiten von ANTENNE MÜNSTER zu sehen. Über die Studie berichtet ANTENNE MÜNSTER-Reporter Thorsten Ortmann im Gespräch mit Nachmittagsmoderator Chris Overmann:


