
Fridays for Future lädt Münsteranerin aus
Eigentlich sollte Ronja Maltzahn aus Münster am Freitag bei der Fridays for Future-Demo in Hannover auftreten. Jetzt hat die Ortsgruppe ihr aber abgesagt - weil sie Dreadlocks hat.
Veröffentlicht: Mittwoch, 23.03.2022 12:19
Die Klima-Aktivist:innen in Hannover halten es für nicht vertretbar, dass eine weiße Person mit einer solchen Frisur die Gruppe auf der Bühne repräsentiere. Das schreiben sie in einer privaten Instagram-Nachricht an Ronja Maltzahn, die die Sängerin jetzt veröffentlichte. "Dreadlocks bei weißen Menschen sind eine Form der kulturellen Aneignung, da sie mit der Identität von Schwarzen Menschen und es in den Zeiten der Sklaverei von weißen Menschen als ein Zeichen der Unterdrückung genutzt wurde", schreibt die Ortsgruppe Hannover.
Die FFF-Aktivist:innen geben Ronja Maltzahn allerdings eine Möglichkeit, um aufzutreten: Sollte sie sich bis Freitag entscheiden, ihre Dreadlocks abzuschneiden, wären sie bereit, sie auftreten zu lassen, schreiben sie in der Nachricht.
Maltzahn über Absage "schockiert"
Für Maltzahn ist die Absage ein Schock: "Wir schreiben Musik auf verschiedenen Sprachen, wir reisen sehr viel. Interkulturelle Brücken zu bauen und für Toleranz, für Offenheit und Frieden einzustehen, ist für unser Team, das auch aus verschiedenen Nationalitäten besteht, extrem wichtig", sagt sie im ANTENNE MÜNSTER-Interview. Dass sie ausgeladen wird wegen ihres Erscheinungsbildes, ist für sie nicht nachvollziehbar. "Das fühlt sich für mich sehr unstimmig an, deswegen verdaue ich das gerade noch."
Es sei wichtig, mit verschiedenen Kulturen und kulturellen Wert achtsam und respektvoll umzugehen und niemanden zu diskriminieren. Sie könne die Argumentation zum Teil auch verstehen. Allerdings empfinde sie die Art und Weise, wie die Nachricht eine Wende genommen hat, sie persönlich anzugreifen und sie von dieser Veranstaltung nur wegen ihres Äußeren auszuladen als "unstimmig".
Ein "Kommunikations-Fauxpas"
Ronja Maltzahn identifziert sich nach eigenen Aussagen nach wie vor mit den Werten von Fridays for Future. "Ich habe da viele Freunde und Bekannte und weiß, dass da wahnsinnig viele intellligente, junge, tolle Menschen für tolle Werte einstehen." Sie denke eigentlich nicht, dass die Organisation für Diskriminierung stehe und bezeichnet die Absage als ein "Kommunikations-Fauxpas". Inzwischen hat sich die Gruppe aus Hannover für den "unsensiblen Tonfall" bei Ronja entschuldigt, sagt sie in ihrer Instagram-Story.
Die Haare abzuschneiden kommt für sie nicht infrage. "Für mich sind Haare ein Teil meines äußeren Erscheinungsbildes, das ist letztlich auch ein Teil meiner Kunst, ein Teil von mir. Darüber habe ich nicht nachgedacht."
FFF Münster äußert sich nicht
Ronja Maltzahn ist in der Vergangenheit schon häufiger bei Veranstaltungen von Fridays for Future in Münster aufgetreten. Die Gruppe aus Münster wurde von der Entscheidung aus Hannover überrascht. "Wir äußern uns dazu nicht. Das ist eine Entscheidung des FFF-Ortsverbandes Hannover", sagt ein Sprecher auf ANTENNE MÜNSTER-Anfrage.
Das ganze Interview mit Ronja Maltzahn in der ANTENNE MÜNSTER-Nachmittagssendung mit Moderator Matthias Kamps hört ihr hier:

