
Erfolgreiches Jahr 2019 für die Stadtwerke Münster
Mit einem überplanmäßigen Jahresüberschuss von 10,3 Millionen Euro schließen die Stadtwerke Münster das Geschäftsjahr 2019 ab.
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.06.2020 13:30
Mit einem überplanmäßigen Jahresüberschuss von 10,3 Millionen Euro schließen die Stadtwerke Münster das Geschäftsjahr 2019 ab. Davon fließen 6,5 Millionen Euro als Vorabgewinnausschüttung in den Haushalt der Stadt Münster. „Mit dem Ergebnis für 2019 können wir zufrieden sein“, bilanziert Sebastian Jurczyk, Vorsitzender der Geschäftsführung und verantwortlich für den Bereich Energie bei den Stadtwerken Münster. Mit insgesamt 89,3 Millionen Euro leisteten die Stadtwerke Münster im vergangenen Jahr einen erheblichen Beitrag zur lokalen Wertschöpfung. „Wir müssen aber heute die Weichen stellen, um sicherzustellen, dass die Stadtwerke Münster auch künftig mit guten Geschäftsergebnissen zum städtischen Haushalt und der lokalen Wirtschaft beitragen können“, so Jurczyk.
Das bedeute vor allem, die Kunden im Kerngeschäft zu binden und Wachstumspotenziale in verwandten Bereichen zu erschließen, um Zukunftsthemen wie beispielsweise Elektromobilität, Photovoltaik-Ausbau oder digitale Infrastrukturen vor Ort voranzutreiben. Sebastian Jurczyk übernahm die Geschäftsführung der Stadtwerke im September 2019, Mobilitäts-Geschäftsführer Frank Gäfgen komplettierte das Duo im Oktober 2019. Sie verantworten eine neue, integrierte Unternehmensstrategie, die die grüne Transformation der Stadtwerke Münster forcieren und sie für die Zukunft innovativer und agiler aufstellen soll: „Im Ökosystem Stadt – Bürger – Stadtwerke definieren wir unsere Rolle neu“; so Jurczyk. Das erfolgreiche Geschäftsjahr 2019 bildet dafür eine solide Basis.
49 Millionen Fahrgäste transportiert – Rekord
Die Fahrgastzahlen im Busverkehr stiegen 2019 erneut und erreichten mit 49 Millionen Fahrgästen einen neuen Höchststand (+ 5,8 %). Ungeachtet dessen konnten die Stadtwerke die Kostendeckung im Verkehrsbereich auf 71,5 Prozent verbessern. Die Verlustübernahme in Höhe von 16,9 Millionen Euro durch die Stadtwerke Münster stellte auch 2019 angemessene Ticketpreise sicher, so dass die Anzahl der Kunden mit festem Vertrag über ein Abo oder 90 MinutenTicket um knapp neun Prozent auf fast 115.00 stieg.
Die Fahrgastzahlen im Busverkehr stiegen 2019 erneut und erreichten mit 49 Millionen Fahrgästen einen neuen Höchststand (+ 5,8 %). Ungeachtet dessen konnten die Stadtwerke die Kostendeckung im Verkehrsbereich auf 71,5 Prozent verbessern. Die Verlustübernahme in Höhe von 16,9 Millionen Euro durch die Stadtwerke Münster stellte auch 2019 angemessene Ticketpreise sicher, so dass die Anzahl der Kunden mit festem Vertrag über ein Abo oder 90 MinutenTicket um knapp neun Prozent auf fast 115.00 stieg.
Für klimafreundliche Mobilitätslösungen aus einer Hand nehmen die Stadtwerke verstärkt auch andere Verkehrsträger in den Fokus. Im Frühjahr dieses Jahres gab das Unternehmen seine Beteiligung am Carsharing-Anbieter Stadtteilauto bekannt, in diesem Herbst starten die Stadtwerke mit Hiltrup-On-Demand ein Pilotprojekt, das das Nahverkehrsangebot mit einem App-basierten Mikro-Bus-Dienst ergänzt.
„Der ÖPNV ist ein wichtiger Baustein eines nachhaltigen städtischen Verkehrs, aber nur einer. Wir verstehen uns als Mobilitätsdienstleister, der verschiedene Verkehrsmittel und -angebote bestmöglich miteinander verzahnt. Die Verkehrswende besteht aus vielen Bausteinen, die wir kombinieren möchten“, betont Frank Gäfgen, Geschäftsführer Mobilität. Flankiert werden diese Angebote zukünftig von einer zentralen digitalen Plattform und Pilotprojekten wie Hiltrup-on-Demand.
Ihren Plan, die gesamte Busflotte auf Elektrobusse umzustellen, haben die Stadtwerke noch beschleunigt: 2029 soll das Ziel erreicht sein. Dabei setzen die Stadtwerke neben E-Bussen mit Batterie auch auf Wasserstoff als Energieträger. „Um das zu erreichen, benötigen wir eine stabile Förderkulisse, um Elektrobusse ebenso wirtschaftlich betreiben zu können wie Dieselbusse Denn von klimafreundlicher Mobilität profitiert jeder, nicht nur die Busfahrgäste. Zudem müssen die Hersteller ihre Produktion stetig ausbauen, um die Nachfrage zeitnah bedienen zu können“, sagt Gäfgen. Mehr E-Mobilität auf der Straße ist aber nicht nur im Busverkehr ein wichtiges Ziel: Bis 2024 investieren die Stadtwerke eine Million Euro in den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Parallel werden Angebote für Unternehmen und Privatleute geschaffen, die Ladepunkte auf Privatflächen realisieren wollen.
Ökostromabsatz steigt um 24 Prozent
Moderat steigern konnten die Stadtwerke die Absatzmengen und Erlöse im Energievertrieb. 2019 setzten die Stadtwerke Münster 6,6 Prozent mehr Strom ab (1.324 Millionen kWh) und steigerten die Erlöse in nahezu gleichem Maße (+6,3 %). Zwar sanken im Kerngebiet Münster die abgegebenen Strommengen, der Rückgang wurde jedoch durch Gewerbekunden außerhalb Münsters kompensiert.
Besonders stark wuchs das Ökostromsegment: Gegenüber dem Vorjahr lieferten die Stadtwerke Münster 24 Prozent mehr zertifizierten Ökostrom an ihre Kunden als im Vorjahr. „Ein tolles Zeichen der Verbraucher für den Klimaschutz, aber die Zahlen sind noch steigerungsfähig. Denn für jede verbrauchte Kilowattstunde unseres Ökostrom stecken wir einen Cent in den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien“, sagt Sebastian Jurczyk. Das Unternehmen selbst geht mit gutem Beispiel voran: Von der Straßenlaterne über den Ticketautomat bis hin zum Bürogebäude werden alle Liegenschaften der Stadtwerke mit zertifiziertem Ökostrom betrieben.
Im Wärmebereich machte sich der warme Jahr 2019 deutlich bemerkbar. Trotz leicht gestiegener Absatzmenge blieb der Wärmeabsatz mit 2.019 Millionen kWh unter dem geplanten Wert. Der Wasserabsatz hingegen stieg im Vorjahresvergleich leicht um 0,8 Prozent auf 17,2 Millionen Kubikmeter. Damit Strom, Wärme und Wasser zuverlässig in den Haushalten ankommen, investierte die Stadtwerke-Tochter münsterNETZ 31,6 Millionen Euro in die Pflege der Netze und Rohrleitungen für Strom, Trinkwasser und Wärme.
Künftiges Wachstum sehen die Stadtwerke in der Bereitstellung von digitalen Infrastrukturen und Angeboten. Mit dem Glasfasernetz schaffen die Stadtwerke aktuell ein komplett neues Versorgungsnetz und eine entscheidende Infrastruktur für die Zukunft Münsters auf. „Kommunikationsnetze sind die Lebensadern einer modernen Stadt. Ohne sie gelingt die Digitalisierung nicht“, so Jurczyk. „Innerhalb der nächsten Dekade wollen wir Glasfaser in Münster flächendeckend verfügbar machen.“ Die laufenden Glasfaser-Arbeiten im Hansaviertel werden in diesem Sommer abgeschlossen. Noch in diesem Jahr beginnen die Stadtwerke mit der Umsetzung des Bundesförderprogramms Breitband und beseitigen in den kommenden Jahren die weißen Flecken auf der münsterschen Internetkarte. Im dritten Quartal startet außerdem der Netzausbau in Amelsbüren.
Strommix ab 2024 ohne Atom- und Kohlestrom
2019 erzeugten die Stadtwerke Münster mit klimafreundlicher Technik 13 Prozent mehr Strom als im Vorjahr (480 Millionen Kilowattstunden) aus Kraft-Wärme-Kopplung in der Gas-und-Dampfturbinen-Anlage im Hafen und aus Windenergie. „Unser erklärtes Ziel ist es, unsere Erzeugung perspektivisch klimaneutral zu gestalten. Dabei fokussieren wir stärker als bisher die Photovoltaik und haben im Unternehmen neue Strukturen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien geschaffen“, betont Sebastian Jurczyk. Die Solarerzeugung soll bis 2030 massiv auf über 100 GWh Erzeugungskapazitäten ausgebaut werden und ein Drittel der erneuerbaren Erzeugungsleistung stellen. Im Fokus stehen neben den eigenen Dachflächen und städtischen Gebäuden zunächst Dachflächen der städtischen Wohn+Stadtbau.
Auch die Zahl der Windenergieanlagen wollen für die Stadtwerke auf 42 verdoppeln und rund 280 GWh Erzeugungsleistung verdoppeln. „Wir haben das Ziel, alle Münsteraner Haushalte innerhalb den nächsten 10 Jahren komplett mit selbst erzeugten grünem Strom zu versorgen. Schon in den kommenden drei Jahren verbannen wir Atom- und Kohlestrom aus unserem Strommix und ändern unsere Beschaffung“, gibt Jurczyk die Richtung vor. Die Wärme für Münster soll perspektivisch ebenfalls aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Daher gaben die Stadtwerke die Überlegungen für ein Gasmotorenkraftwerk im Hafen auf und erarbeiten ein Konzept, wie die Transformation der Wärmeerzeugung geschafft werden kann.
Stadtwerke Münster setzen auf Partnerschaften
Um die ambitionierten Ziele des Unternehmens für den Klimaschutz und die Digitalisierung zu erreichen, setzen die Stadtwerke Münster verstärkt auf Kooperationen – wie beispielsweise mit der Wohn+Stadtbau. „Über Kooperationen erreichen wir mehr als allein. Deswegen schließen wir gezielt Partnerschaften mit Akteuren, die zu unseren Kompetenzen passen“, so Jurczyk weiter. Auch im Glasfaserausbau streben die Stadtwerke Kooperation an.
Ausblick 2020: Corona-Krise und Emissionshandel
Schon zur Jahresmitte 2020 zeigt sich, dass sich die Corona-Krise deutlich auf das Ergebnis des laufenden Jahres auswirken wird. Um die Effekte zu begrenzen haben die Stadtwerke im Frühjahr gezielt Ausgaben befristet gestoppt.
Das Ergebnis für den ÖPNV wird sich aufgrund der Corona-Maßnahmen deutlich verschlechtern. „Wir haben in der Corona-Krise nur ein Bruchteil der Fahrgäste transportiert, bei gleichbleibenden Fixkosten. Hilfsmaßnahmen aus dem Konjunkturpaket des Bundes wollen wir in Anspruch nehmen, um die Verluste im ÖPNV-Bereich abzumildern“, erläutert Frank Gäfgen.
Deutliche Rückgänge gibt es auch im Stromabsatz. Aufgrund der Corona-Beschränkungen verbrauchten Gewerbekunden deutlich weniger Strom. Wie sich die Krise auf die Strompreise auswirken wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer absehbar. „Auf knapp 70 Prozent des Strompreises haben wir Versorger gar keinen Einfluss. Erst im Herbst wissen wir, ob die Verbraucher von der Absenkung der EEG-Umlage im Konjunkturpaket profitieren“, sagt Sebastian Jurczyk.
Viele Erdgaskunden werden im kommenden Jahr mit dem CO2-Preis eine neue Position auf ihren Energierechnungen finden. Denn zum Jahresanfang 2021 tritt das das Gesetz zum Brennstoffemissionshandel in Kraft, das den Ausstoß von CO2 verteuert. „Es ist vom Gesetzgeber gewünscht, dass der CO2-Preis eine Lenkungswirkung zugunsten des Klimas entfaltet. Für uns ist das Ansporn, neue Energieprodukte und Angebote zu entwickeln, mit denen die Verbraucher ihre Kosten senken können“, kündigt Sebastian Jurczyk an.
Vorstellbar seien beispielsweise besonders günstige Tarife für Haushalte, die einen Teil des Stroms selbst produzieren, oder ein Elektroauto über die heimische Steckdose laden.
