
Energiepreisschock trifft regionale Wirtschaft
Die Energiekrise belastet die regionale Wirtschaft immer stärker. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen in Münster.
Veröffentlicht: Dienstag, 25.10.2022 13:55
"Nach einer kurzen Erholung Anfang des Jahres spitzt sich die Lage jetzt zu“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen sind so gering wie noch nie. 500 Unternehmen wurden zur aktuellen Geschäftslage und zu den Aussichten für die nächsten Monate befragt. Nur fünf Prozent der Betriebe erwarten, dass die Geschäfte bald besser laufen. 55 Prozent der Befragten gehen von schlechteren Geschäften aus. Aktuell bewertet ein Drittel der befragten Betriebe die Situation allerdings noch als gut. Für knapp 15 Prozent ist sie schlecht. Die massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise sind aber für fast alle Betriebe eine Bedrohung.
Energiepreisschock in allen Branchen
"Der Energiepreisschock ist in allen Branchen zu spüren", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel. Selbst in der Bauwirtschaft, die lange Zeit als Konjunkturzugpferd galt, ist die Stimmung deutlich schlechter geworden Für viele Betriebe in der Region sind die hohen Gas- und Strompreise existenzbedrohend. "Die beschlossenen Entlastungsmaßnahmen müssen jetzt schnell bei den Unternehmen ankommen“, fordert Jaeckel.
Höhere Energiepreise werden weiter gegeben
Viele Unternehmen versuchen nicht nur mit der Weitergabe der erhöhten Preise die Energiekrise zu bewältigen. Knapp die Hälfte der Betriebe hat bereits mit Effizienz- und Einsparmaßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs reagiert. "Trotzdem dürfte sich das von hohen Unsicherheiten geprägte Umfeld ungünstig auch auf aktuelle Investitionsentscheidungen der Unternehmen in diesem Bereich auswirken“, befürchtet Jaeckel. Insgesamt ist der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen erhöhen wollen von über 31 Prozent auf 19 gesunken.
Hoffnung auf stabilisierende Wirkung des Arbeitsmarktes
Jaeckel hofft trotz der konjunkturellen Entwicklung auf eine weiterhin stabilisierende Wirkung des Arbeitsmarktes. "Angesichts des gestiegenen Fachkräftemangels versuchen viele Betriebe, ihre Mitarbeitenden auch in konjunkturellen Schwächephasen zu halten“, betont er. Immer noch wertet mehr als die Hälfte der Unternehmen den Mangel an Arbeitskräften als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig ist aber der Anteil der Unternehmen, die neue Mitarbeiter:innen einstellen wollen, im Vergleich zur vorherigen IHK-Umfrage von 28 auf 18 Prozent gesunken.