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Elf Festnahmen nach Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs
© ANTENNE MÜNSTER
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Elf Festnahmen nach Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs

Die Polizei Münster hat in den vergangenen dreieinhalb Wochen bundesweit elf Personen festgenommen, sieben von ihnen befinden sich noch in Untersuchungshaft. Ihnen wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Drei Opfer konnten bisher identifiziert werden. Hauptbeschuldigter ist ein 27-jähriger Münsteraner.

Veröffentlicht: Samstag, 06.06.2020 13:01

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Die Ermittlungen stehen erst am Anfang, doch bereits jetzt zeigt sich das schwerwiegende Ausmaß. Sechs Männer und eine Frau hat die Polizei bisher festgenommen. Bei dem mutmaßlichen Haupttäter aus Münster handelt es sich um einen IT-Experten, der in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Coesfeld gearbeitet hatte.

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Dem Münsteraner werden bislang 15 Taten zwischen November 2018 und Mai 2020 vorgeworfen. Er soll seine Taten teilweise auf Videos und Fotos dokumentiert haben und über das Darknet verbreitet haben. Bei den weiteren Beschuldigten handelt es sich um Männer aus Staufenberg bei Gießen, Hannover, Schorfheide, Kassel und Köln. Die inhaftierte Frau ist die Mutter des Beschuldigten aus Münster.

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Eine IP-Adresse führte die Ermittler im Mai 2019 zu dem landwirtschaftlichen Betrieb in Coesfeld, als sie zuvor in einem Fall ermittelten, in dem ein Unbekannter kinderpornographische Inhalte im Internet angeboten hatte.

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Daraufhin durchsuchten die Polizeibeamten die Wohnung des 27-jährigen Münsteraners und stellten umfangreiche Mengen an Datenträgern sicher, die hochprofessionell verschlüsselt waren und teilweise immer noch verschlüsselt sind. Die Ermittler fanden zahlreiche Dateien, in denen der Münsteraner einen zehnjährigen Jungen sexuell missbraucht haben soll. Der Junge ist der Sohn der Lebensgefährtin des Mannes.

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Schockierende Taten in einer Gartenlaube in Kinderhaus

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Nach der Festnahme des Münsteraners am 14. Mai durchsuchten die Ermittler eine Gartenlaube im Stadtteil Kinderhaus, die der Mutter des Hauptbeschuldigten gehört. Dort fanden die Beamten in einer Zwischendecke versteckte Technik wie Festplatten und Videoaufzeichnungsanlagen und PCs.

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Elf Festnahmen nach Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs
© Polizei Münster
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In der Gartenlaube sollen vier der Beschuldigten über Stunden den zehnjährigen Jungen aus Münster und den fünfjährigen Sohn des beschuldigten Staufenbergers abwechselnd „aufs schlimmste“ sexuell missbraucht haben, sagt Kriminalhauptkommissar Joachim Poll. „Es werden Gegenstände benutzt, Sie können es sich nicht vorstellen.“ Die 45-jährige Mutter des Münsteraners soll ihrem Sohn die Schlüssel für ihre Gartenlaube überlassen haben - im Wissen über den sexuellen Missbrauch. Der Münsteraner suchte über Pädophilie-Foren außerdem Kontakt zu anderen und bot den zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin zum sexuellen Missbrauch an.

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Mehrere Hundert Asservaten festgestellt

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In einem Kellerraum des Münsteraners fanden die Ermittler einen professionell eingerichteten und klimatisierten IT-Raum mit sieben Servern. Die Ermittler haben mehrere hundert Asservaten beschlagnahmt, die ein Speichervolumen von mehr als 500 Terabyte umfassen. Die Infrastruktur in diesem Keller sei „hoch professionell“, wie Poll sagt. Mithilfe des beschlagnahmten Datenmaterials des Münsteraners wurde außerdem ein Mann aus Kassel festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, seinen 12-jährigen Neffen missbraucht zu haben.

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Elf Festnahmen nach Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs
© Polizei Münster
Bei einer Durchsuchung der Gartenlaube fanden die Ermittler in einem klimatisierten Serverraum unter anderem einen Schrank mit sieben Servereinheiten; auf einem Teil davon soll ein Speichervolumen von 160 Terabyte vorhanden sein.
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Die Opfer hätten keine körperlichen Schäden davon getragen und befinden sich in der Obhut der zuständigen Jugendämter, sagt Poll.

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Der Münsteraner ist bereits vorbestraft. Er wurde bereits 2016 und 2017 zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil er kinderpornographische Schriften im Internet verbreitete. Außerdem musste er sich wegen seiner pädophilen Neigungen therapieren lassen. Dieser Strafe sei er nachgekommen, so Poll.

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Reaktionen

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Der Schock über die Berichte der Behörden geht tief. Weil die Ermittlungen nach knapp dreieinhalb Wochen erst am Anfang stehen und es eine riesige Menge an gesicherten Daten gibt, rechnen Ermittler damit, dass in den kommenden Monaten noch mehr Fälle ans Tageslicht gelangen werden. Die Gewerkschaft der Polizei befürchtet, dass die Erkenntnisse noch Dimensionen erreichen könnten, die sich bislang niemand vorstellen kann.

Politik und Prominente verurteilen die schlimmen Missbrauchsfälle in einer Gartenlaube in Kinderhaus. Jan-Josef Liefers, der Schauspieler aus dem Münster-Tatort, würdigte gestern Nachmittag (08.06.) die Polizeiarbeit. Er bedankte sich, dass die Polizei Münster und die Staatsanwaltschaft mit elf Festnahmen und sieben Haftbefehlen rigoros durchgegriffen hat.

Nach den Geschehnissen in Kinderhaus hat CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer härtere Strafen für Vergewaltiger gefordert. Bisher ist Kindesmissbrauch nur ein Vergehen und kein Verbrechen. Innenminister Herbert Reul hatte die Polizeiarbeit zuletzt auf Kindesmissbrauchsfälle fokussiert. Dadurch könne es in den kommenden Monaten mehr Ermittlungserfolge in diesem Bereich geben, sagt die Gewerkschaft der Polizei. Alle Täter zu fassen sei aber aufgrund der hohen Dunkelziffer enorm schwierig, sagt der Innenminister.

Der Oberbürgermeister unserer Stadt Markus Lewe dankte den Ermittlern in einer Stellungnahme für ihre Leistungen. Wie auch SPD-Fraktionschef Michael Jung sprach Lewe sein tiefes Mitgefühl für die Opfer aus.

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