
Durchsuchungen bei Westfleisch - Ermittler prüfen Untreueverdacht
Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen führende Mitarbeiter der Firma Westfleisch im Zusammenhang mit dem Export von Schweinefleisch nach China.
Veröffentlicht: Dienstag, 16.06.2020 16:15
"Wir gehen dem Anfangsverdacht der Untreue nach", sagte am Dienstag (16.06.) ein Behördensprecher. Beschuldigte seien ein Vorstandsmitglied, ein Aufsichtsrat und ein Vertriebsleiter von Westfleisch sowie ein Verantwortlicher einer an dem Geschäft beteiligten dänischen Firma. Die Ermittler prüfen, ob Gewinne an Westfleisch vorbei geflossen sind.
Ein Westfleisch-Sprecher sagte: "Wir können den Vorwurf nicht nachvollziehen." Westfleisch sei "zuversichtlich, den Anfangsverdacht kurzfristig ausräumen zu können".
Am Dienstag (16.06.) seien Geschäftsräume von Westfleisch in Münster sowie der Firma in Dänemark durchsucht worden, sagte Oberstaatsanwalt Dirk Ollech. Verhaftet worden sei niemand. Die Ermittlungen seien nach einem Hinweis aufgenommen worden.
Westfleisch hatte den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge im vergangenen Jahr einen Vertrag über die Lieferung von 12.000 Tonnen gefrorenem Schweinefleisch abgeschlossen. Damals habe es wegen eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in China einen hohen Bedarf an Fleischimporten gegeben, sagte Ollech. Westfleisch habe das Schweinefleisch aber nicht direkt nach China verkauft, sondern an eine Firmen in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Beim Weiterverkauf nach China seien Westfleisch möglicherweise Gewinne entzogen worden. Um welchen Betrag es sich dabei gehandelt hat, stehe noch nicht fest. Zunächst sei man von einem zweistelligen Millionenbetrag ausgegangen. Der Schaden könne aber auch deutlich darunter liegen, sagte der Sprecher.