Die Mehrwertsteuer sinkt - Belastung für kleinere Läden steigt

Mit der Mehrwertsteuersenkung in Deutschland als Teil des Corona-Konjunkturpakets will die Politik die Wirtschaft wieder ankurbeln. Aber welche Händler und Kunden profitieren tatsächlich von der Senkung der Mehrwertsteuer?

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Durch die Mehrwertsteuersenkung ab dem 1. Juli wird der Steuersatz von aktuell 19 auf 16 Prozent abgesenkt, der ermäßigte Steuersatz, der vor allem für Lebensmittel gilt, von sieben auf fünf Prozent. Wer zum Beispiel für eine gute Bohrmaschine bisher mit dem regulären Mehrwertsteuersatz einen Nettopreis von 100 Euro bezahlt hat, hatte dabei inklusive der Steuer 119 Euro auf der Rechnung. Für das nächste halbe Jahr wären es 116 Euro, also drei Euro weniger.

Welche Unternehmen senken die Preise?

Eine wichtige Frage für die Verbraucher: Geben überhaupt alle Unternehmen die günstigere Mehrwertsteuer weiter? Denn verpflichtet sind die Händler dazu nicht. Zumindest bei den Lebensmitteldiscountern können wir jetzt schon sagen: Auf jeden Fall! Lidl hat bereits den Preiskampf vor dem offiziellen Stichtag gestartet und hat Preise gesenkt. Konkurrent Aldi will nachziehen und sogar seine Preise noch mehr senken. Auch größere Möbel- oder Klamottenläden dürften die Senkung der Mehrwertsteuer an ihre Kunden weitergeben.

Anders sieht es bei vielen kleineren Läden aus. Viele hatten während Corona wochenlang geschlossen und nach der Wiedereröffnung nur wenig Kundschaft. Deswegen ist es wohl er unwahrscheinlich, dass hier die Mehrwertsteuersenkung im großen Stil weitergegeben wird.

Für den Karten-, Kalender- und Buchladen "Salamon" auf der Windthorststraße bedeutet die Senkung der Mehrwertsteuer eher eine Be- statt Entlastung© Salamon
Für den Karten-, Kalender- und Buchladen "Salamon" auf der Windthorststraße bedeutet die Senkung der Mehrwertsteuer eher eine Be- statt Entlastung
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Für kleinere Läden eher Be- statt Entlastung

Linde und Jürgen Salamon, zum Beispiel, betreiben seit 15 Jahren den Karten-, Kalender- und Buchladen "Salamon" auf der Windthorststraße.

Für sie und ihren Steuerberater bedeutet die Senkung der Mehrwertsteuer zusätzlichen Stress und auch zusätzliche Kosten. Sie mussten ihre Kasse für ein halbes Jahr umprogrammieren lassen, um sie dann Ende des Jahres wieder auf den ursprünglichen Stand zurückzusetzen. Die Senkung der Mehrwertsteuer können sie nicht an ihre Kunden weitergeben - und das würde sich auch bei einer Postkarte, die 1,20 € kostet, kaum lohnen, so Linde Salamon im ANTENNE MÜNSTER-Interview mit den Morningshow-Moderatoren Anja Brukner und Christoph Hausdorf. Das ganze Interview gibt es hier noch mal zum Nachhören:

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Gerlinde und Jürgen Salamon© Salamon
Gerlinde und Jürgen Salamon
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