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Coronavirus: Kein Grund zur Panik
© WWU - Peter Grewer
Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für molekulare Virologie der Universität Münster
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Coronavirus: Kein Grund zur Panik

Erstmals ist in Deutschland eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern hat sich mit dem Erreger infiziert. Das Virus kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind. Der Virologe Stephan Ludwig von der Uni Münster warnt aber vor Panik.

Veröffentlicht: Dienstag, 28.01.2020 10:00

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WWU-Pressesprecher Norbert Robers sprach mit Prof. Dr. Stephan Ludwig, dem Leiter des Instituts für molekulare Virologie an der Universität Münster, über die Gefahren der Ausbreitung und Ansteckung.

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Kommt diese Entwicklung mit der schnellen Ausbreitung überraschend?

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Ja, denn zunächst war nur von einigen wenigen Fällen die Rede, wobei der Erreger wahrscheinlich von Tieren auf den Menschen übertragen worden ist. Aber nun ist es bereits zur Übertragung von Mensch zu Mensch gekommen. Damit hat der Ausbruch eine andere Qualität, auch wenn dieser Übertragungsweg noch limitiert scheint und beispielsweise lange nicht an die Verbreitungsraten des letzten pandemischen Influenzavirus von 2009 heranreicht.

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Was macht das Coronavirus so gefährlich?

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Es gibt sechs Typen von Coronaviren die beim Menschen auftreten oder aufgetreten sind. Die häufigsten Typen lösen beim Menschen nur schwache grippeartige Symptome aus. Anders ist das beim SARS-Coronavirus, das in den Jahren 2002 und 2003 sehr schwere Erkrankungen ausgelöst und Todesfälle verursacht hat. Über die aktuelle Gefahr des neuen Coronavirus können wir noch nicht viel sagen, außer dass die bereits berichteten schweren Ausbrüche und Todesfälle sowie die Mensch-zu-Mensch-Übertragung ein Alarmsignal dafür sind, dass wir sehr wachsam sein müssen. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass die schwer erkrankten und verstorbenen Patienten Vorerkrankungen oder andere Beeinträchtigungen hatten. Es ist zudem davon auszugehen, dass die schweren Fälle nur die Spitze des Eisberges sind und dass wir darüber hinaus viele unerkannte, weniger schwere Infektionen haben.

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Wie kann das Virus behandelt werden, und welche Überlebenschancen haben Infizierte?

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Gegen Coronaviren gibt es keine zugelassenen spezifischen Medikamente, sodass nur die Behandlung der Symptome möglich ist. Bezüglich der Frage nach Überlebenschancen sollte man die Kirche im Dorf lassen. Wie bereits gesagt, kennen wir die Vorgeschichte der Verstorbenen und Erkrankten nicht genau genug. Auch das Verhältnis der Todesfälle zu den Erkrankten sagt wegen der möglichen Dunkelziffer noch nicht viel aus.

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Kann man das Coronavirus mutmaßlich schnell in den Griff bekommen?

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Für konkrete Aussagen ist es zu früh. Die Verbreitung durch Reisende ist natürlich ein Problem, das einer Eindämmung entgegensteht, gerade weil in China große Reiseaktivitäten wegen des chinesischen Neujahrsfests bevorstehen. Es ist sehr positiv, dass China schnell mit Gegenmaßnahmen reagiert hat, zum Beispiel mit der Schließung und Desinfektion von Tiermärkten. Das Land geht offen mit der Situation um und nimmt die Sache ernst. Es kommt insbesondere darauf an, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Gefahr zu schaffen, damit Erkrankte mit Symptomen schnell zum Arzt gehen und isoliert werden können. Auch die Nachbarländer stehen in Alarmbereitschaft. Es ist nicht falsch, mit dem Schlimmsten zu rechnen und sich entsprechend vorzubereiten, auch wenn es hoffentlich nicht dazu kommen wird. Also: Wir sollten wachsam bleiben, aber es gibt keinen Grund für Panik.

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Was sollten Reisende nach China und Asien beachten?

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Auch in Asien ist derzeit das Risiko, sich zu infizieren, sehr gering. Man sollte aber möglichst die Metropole Wuhan meiden. Auch sollte man vorsichthalber keine Märkte mit lebenden Tieren oder Tierprodukten besuchen. Ansonsten sollte man so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen, sobald grippeartige Symptome auftreten.

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Australische Wissenschaftler züchten Virus nach

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Australische Wissenschaftler haben im Labor das neue Coronavirus nachgezüchtet. Das hat ein Institut für Infektionen und Immunität in Melbourne mitgeteilt. Zusammen mit anderen Instituten und der Weltgesundheits-Organisation könne jetzt an einem Gegenmittel gearbeitet werden, heißt es. In Deutschland gibt es bislang vier bestätigte Coronavirus-Fälle in Bayern und einen Verdachtsfall in Siegen.

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