
Bistum kämpft gegen Missbrauch
Nach einer Missbrauchsstudie im Juni hatte der Bischof Konsequenzen und mehr Transparenz versprochen. Jetzt gibt es einen ersten Zwischenstand.
Veröffentlicht: Freitag, 18.11.2022 11:22
Das Bistum Münster will eigene rechtliche Strukturen gegen sexuellen Missbrauch schaffen. Die sollen in Kraft bleiben, bis es einheitliche Regelungen von der deutschen Bischofskonferenz und aus Rom gibt. Der Prozess gestaltet sich aber komplizierter als gedacht, meldet das Bistum in einer Zwischenbilanz. Zwei Kirchenrechtler der Uni Münster wollen jetzt bis Mai kommenden Jahres ein Konzept ausarbeiten, wie das Bistum eine vorübergehende Verwaltungsgerichtsbarkeit schaffen kann. Das ist schon der zweite Anlauf, ein Kirchenrechtler hat sich bereits von dem Projekt zurückgezogen. Es habe Differenzen zwischen ihm und dem Bischof gegeben, so das Bistum. Aktuell arbeitet das Bistum auch weiter daran, wie mit den Gräbern von Tätern umgegangen wird, die etwa im Umfeld der Bischofsgruft beerdigt sind. Mehrere mögliche Missbrauchsfälle werden neu aufgerollt oder etwa nach Rom geschickt. Das Bistum hat außerdem weitere Einzelfallstudien zum Thema Missbrauch beauftragt, wenn die Opfer das wünschen.
Der Frühere Erzbischof von Hamburg, Werner Thissen, ist inzwischen nicht mehr Ehrendomkapitular in Münster. Diese Würde hat ihm Bischof Felix Genn als Konsequenz der Missbrauchsstudie aberkannt. Als Generalvikar und Weihbischof habe er in seiner Zeit in Münster schwere Fehler im Umgang mit Missbrauch gemacht. Seit 1945 soll es hunderte Missbrauchsfälle im Bistum gegeben haben, hat die Studie gezeigt. Ab dem kommenden Jahr soll es auch einen eigenen "Fall-Manager" geben, erklärt Bischof Genn:
Opfer sollen neben Therapie-Angeboten auch zusätzlich eine seelsorgerliche Begleitung bekommen. Überlegungen hierzu seien laut Bericht auf einem guten Weg. Zuletzt sprach sich Genn auch für eine größere Beteiligung des Staates und ihn bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in die Pflicht zu nehmen.

