Anklage nach Messerattacke

Die Staatsanwaltschaft Münster hat Anklage gegen den mutmaßlichen Messerstecher vom Aasee erhoben. Der 20-jährige Tatverdächtige war bereits am 18. Juni festgenommen worden.

© Stadt Münster

Die Anklage der Staatsanwaltschaft ging bei der Jugendkammer als Schwurgericht des Landgerichts Münster wegen des Verdachts des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung ein.

Am Abend des 11. Juni soll der 20-Jährige einen jungen Mann mit mehreren Messerstichen schwer und einen weiteren leicht verletzt haben. Der Schwerverletzte konnte durch eine Notoperation gerettet werden. Vor den Messerstichen soll es innerhalb von zwei Gruppen einen Streit gegeben haben, die Hintergründe der Tat sind aber unklar. Der Angeschuldigte wurde eine Woche nach der Tat in Nottuln festgenommenen. 

Staatsanwaltschaft zum Tathergang

Die Staatsanwaltschaft geht nach dem Abschluss der Ermittlungen davon aus, dass sich der Angeschuldigte am Abend des 11.06.2021 gemeinsam mit mehreren Bekannten am Aasee getroffen hat. Diese Personengruppe soll sich zunächst aufgeteilt haben und der Angeschuldigte an den Aaseeterrassen verblieben sein.

Es soll dann kurz vor der Torminbrücke zwischen einigen der mit dem Angeschuldigten bekannten Personen und einer anderen Gruppe junger Erwachsener zu einer im Wesentlichen verbal (beleidigend) und geringfügig handgreiflich (Schubserei) geführten (ersten) Auseinandersetzung gekommen sein. Der Auslöser für diesen Streit ist nicht bekannt; eine Bekanntschaft der Gruppen untereinander bestand nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Bei diesem ersten Aufeinandertreffen waren die beiden nachfolgend verletzten Personen – anders als der Angeschuldigte – bereits zugegen. Nachdem dieser erste Streit beendet war und die Personengruppen getrennte Wege gegangen waren, soll sich der Angeschuldigte der ihm bekannten Gruppe angeschlossen haben. Zuvor sollen ihm seine Bekannten von der Auseinandersetzung erzählt haben und es soll beschlossen worden sein, den vorangegangenen Streit fortzusetzen bzw. abschließend „zu klären“.

Die Gruppe um den Angeschuldigten soll daher gezielt der anderen Gruppe unter die Torminbrücke gefolgt sein. Bei diesem erneuten Zusammentreffen sollen sich ein 20-jähriger und ein 23 Jahre alter Mann aus der anderen Personengruppe zwischen die Beteiligten gestellt und versucht haben, beruhigend einzugreifen.

In dieser Situation soll der Angeschuldigte ein mitgeführtes Messer gezogen und unvermittelt dem 20-jährigen, der ihm in diesem Moment den Rücken zugewandt hatte, einmal in den Oberkörper gestochen haben. Der 20-jährige soll daraufhin zunächst den Angeschuldigten zu Boden geschlagen haben, woraufhin dieser wieder aufgestanden und erneut auf den 20-jährigen eingestochen haben soll.

Anschließend soll der Angeschuldigte auch dem 23-jährigen Begleiter des Verletzten eine Schnittverletzung an der Hüfte beigebracht haben. Der Angeschuldigte soll sodann von der Örtlichkeit geflohen sein, eher er nach intensiven Ermittlungen eine Woche nach der angeklagten Tat festgenommen wurde.

Der 20-jährige erlitt mindestens zwei Stichverletzungen in den Bauch- und Brustbereich. Eine zunächst bestehende Lebensgefahr konnte durch eine Notoperation und die intensivmedizinische stationäre Krankenhausbehandlung abgewendet werden. Die Verletzungen des 23-jährigen bedurften keiner sofortigen notärztlichen Behandlung.

Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklageschrift davon aus, dass der Angeschuldigte eine tödliche Verletzung des 20 Jahre alten Mannes in Kauf genommen hat. Der Angeschuldigte, für den die Unschuldsvermutung gilt und der sich bislang zu den Tatvorwürfen nicht geäußert hat, befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden. Eine direkte Tatbeteiligung anderer Mitglieder der Personengruppe um den Angeschuldigten ließ sich nicht nachweisen.