
Akzeptanz nimmt weiter ab
Die gesellschaftliche Akzeptanz von queeren und homosexuellen Menschen ist offenbar weiter rückläufig. Das geht aus dem aktuellen "Ipsos LGBT+ Pride Report 2026" hervor, den das Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Ipsos anlässlich des Pride Monats veröffentlicht hat.
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.06.2026 03:28
Demnach sind weltweit nur noch 49 % der Befragten der Ansicht, queere Menschen sollten offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität umgehen können. Im Vergleich zum Jahr 2021 entspricht dies einem Rückgang um sechs Prozentpunkte. Auch die Unterstützung für die Ehe oder rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare hat abgenommen. Weltweit sprechen sich laut Studie noch 66 % dafür aus. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch acht Prozentpunkte höher.
Für die Untersuchung befragte Ipsos zwischen dem 24. April und dem 8. Mai rund 19.000 Menschen in 26 Ländern. In Deutschland nahmen 1.000 Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren an der Erhebung teil. Nach Angaben von Ipsos ist in 16 der 26 untersuchten Länder die Internetdurchdringung so hoch, dass die Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung der jeweiligen Altersgruppen gelten können. Die höchsten Zustimmungswerte für queere Menschen wurden der Studie zufolge in Spanien und Thailand ermittelt.
Rückgänge auch in Deutschland
Auch in Deutschland zeigt die Untersuchung sinkende Zustimmungswerte in mehreren Bereichen. So befürworten zwar weiterhin 74 % der Befragten den Schutz von Lesben, Schwulen und Bisexuellen vor Benachteiligungen am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche und beim Zugang zu Dienstleistungen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies jedoch einem Minus von vier Prozentpunkten. Die Unterstützung für Gesetze, die Diskriminierung verbieten, liegt laut Studie bei 45 %. Auch dieser Wert sank innerhalb eines Jahres um vier Prozentpunkte.
Leicht rückläufig ist zudem die Zustimmung zur Ehe für alle. Sie ging um einen Prozentpunkt auf 70 % zurück. Weniger als die Hälfte der Befragten in Deutschland hält es nach den Ergebnissen für richtig, dass queere Menschen ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität offen leben. Dies bejahen 44 % der Befragten. Gegenüber 2025 entspricht dies einem Rückgang um zwei Prozentpunkte. Öffentliche Zuneigungsbekundungen queerer Menschen unterstützen nur noch 41 % der Deutschen - ein Rückgang um drei Prozentpunkte gegenüber 2025. Eine stärkere Repräsentation der LGBTIQ+-Community in Film, Fernsehen und Werbung befürworten gerade noch 30 %, fast ebenso viele (27%) lehnen sie indes strikt ab.
Noch deutlicher sieht die Lage im Sport aus: Der Rückhalt für offen lebende lesbische, schwule oder bisexuelle Athleti:nnen in Sportmannschaften liegt aktuell nur noch bei 45 % - fünf Prozentpunkte weniger als bei der letzten Erhebung vor einem Jahr. Und auch im Unternehmenskontext kühlt die Zustimmung weiter ab: Lediglich 40 % der Deutschen finden es gut, wenn sich Unternehmen oder Marken aktiv für die Gleichberechtigung queerer Menschen einsetzen, was ebenfalls einem Rückgang von drei Prozentpunkten entspricht. Im internationalen Vergleich landet Deutschland damit laut Ipsos im hinteren Drittel. Der Wert liegt hinter Irland mit 59 % sowie hinter den USA und Polen, die auf 49 beziehungsweise 45 % kommen. Der internationale Durchschnitt beträgt ebenfalls 49 %.
Queerfeindliche Straftaten nahmen weiter zu
Mit einem Anstieg um 12,8 % auf 2.377 Fälle bundesweit hat sich 2025 der Trend der vergangenen Jahre fortgesetzt, in denen bereits ein kontinuierlicher Anstieg an Hasskriminalität gegen Angehörige der LSBTQIA+-Szene zu beobachten war.
In NRW ist die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Orientierung von 203 (2024) auf 257 (2025) gestiegen (27%). Straftaten gegen geschlechtsbezogene Diversität sind von 105 (2024) auf 162 in 2025 gestiegen (54%).